Crivitz: Spaziergang durch den kleinen Ort in Mecklenburg
Crivitz ist ein kleiner Ort zwischen Schwerin und Parchim in Mecklenburg. Die niedliche Altstadt mit dem zentralen Marktplatz und der gotischen Backsteinkirche versetzen dich in eine andere Zeit. Umgeben von Seen und Wäldern, hat Crivitz eine malerische Lage. Der Ort als Reiseziel kaum bekannt. Es gibt nur wenige touristische Angebote. Ein ein kleines Hotel mit angeschlossenem Restaurant und einige Ferienwohnungen sind die Optionen für eine Übernachtung. In diesem Artikel möchte ich dir Crivitz vorstellen. Wenn du einmal in der Nähe bist, kannst du Ruhe, Beschaulichkeit und gastfreundliche Menschen erleben. Wir fahren immer wieder gern dorthin und fühlen uns sehr wohl. Doch es gibt eine Einschränkung: Die begrenzten Optionen für das Essen gehen. Ein Picknickkorb im Auto ist an schönen Tagen eine gute Idee.

Wichtig zu wissen:
- Crivitz ist kein touristisches Ziel, sondern ein kleiner Ort in schöner Lage, mit einigen architektonischen Highlights
- Du erreichst Crivitz mit dem Auto oder dem ÖPNV ab Schwerin oder Parchim
- Im Ortskern stehen kleine Ackerbürgerhäuser, die von der Vergangenheit erzählen
- Die gotische Backsteinkirche ist das Wahrzeichen, sie stammt aus dem 14. Jahrhundert
- Der Ort ist von Seen umgeben, in denen du im Sommer baden oder paddeln kannst
- Es gibt ein kleines Hotel mit angeschlossenem Restaurant
- Unbedingt einplanen: Ein Spaziergang um den Crivitzer See und durch die Altstadt
Crivitz (Mecklenburg): Damals und heute
Was führt uns Randberliner zu einem kleinen Ort unweit von Schwerin, den kaum einer kennt? Die Vergangenheit, denn Crivitz ist der Ort meiner Kindheit. Ich verbinde viele Erinnerungen mit ihm. Mein Mann ist dort aufgewachsen, wir lernten uns in Crivitz kennen. Somit hat das Städtchen für uns eine individuelle Bedeutung.
Wir fahren mehrmals im Jahr dorthin, um spazieren zu gehen, am Wasser zu sitzen oder, wenn geöffnet ist, ein Schnitzel zu essen. Dabei tauschen wir Erinnerungen aus. Während der Zeit der Teilung lag Crivitz in der DDR. Es gab ein Kulturhaus, in dem Kinofilme gezeigt und Discoabende veranstaltet wurden. Die jungen Leute trafen sich mit ihren Mopeds auf dem Markt und hörten Musik, die aus einem Kassettenrecorder kam. Es gab mehrere urige Kneipen, verschiedene Geschäfte und später eine Kaufhalle.

Heute ist Crivitz ein ruhiges Städtchen, das im Vergleich mit der Zeit, in der wir Teenager waren, wie ausgestorben scheint. Es gibt einen Supermarkt, mehrere Discounter und zwei Tankstellen. Einmal in der Stunde gibt es eine Busverbindung von und nach Schwerin. Zusätzlich fährt ein Schienenbus im Stundentakt. Er verbindet Schwerin mit Parchim.
- Landstadt in Mecklenburg-Vorpommern (Landkreis Ludwigslust-Parchim)
- Am Crivitzer See; rund 20 km östlich von Schwerin und ca. 21 km nordwestlich von Parchim
- Verwaltungssitz des Amtes Crivitz (Grundzentrum)
- ca. 4.600 Einwohner (Schätzung 2024) – je nach Quelle leicht abweichend
- Verwaltungsstandort (Amt Crivitz) und örtliche Versorgung als Kleinstadt
- Bahnhof mit Regionalverkehr Richtung Schwerin und Parchim
- See als stadtnahes Naherholungsgebiet (Rundweg/Spaziermöglichkeiten je nach Abschnitt)
- Mit dem Auto: über die B321 (Schnellweg/Umgehung Richtung Schwerin/Parchim) und ab Crivitz die B392 Richtung Goldberg
- Autobahn: nächstgelegen A14 (Anschlussstelle Schwerin-Ost, ca. 11 km)
- Mit der Bahn: Bahnhof Crivitz an der Strecke Schwerin–Parchim (Regionalverkehr)
So erreichst du Crivitz
Crivitz hat eine Autobahnanbindung an die A14. Wenn du aus dem Süden kommst, kannst du in Suckow von der A24 abfahren. Die Strecke führt 40 Kilometer über die Landstraße. Du durchquerst Parchim und verschiedene kleine Dörfer. Vielleicht verliebst du dich bereits auf dieser Route in das schöne Mecklenburg?
Alternativ nutzt du die öffentlichen Verkehrsmittel ab Schwerin oder Parchim. Schaue vorab nach den Fahrzeiten und plane deine An- und Abreise im Voraus. In den Abendstunden kommst du nur schlecht aus Crivitz weg. Die Anreise mit dem Auto ist in jedem Fall empfehlenswert: Du hast die Möglichkeit, die Seen zu erkunden, und, wenn genug Zeit ist, die Mammutbäume zu besuchen. Die liegen ein wenig außerhalb von Crivitz und sind in Mecklenburg eine echte Seltenheit.

Einmal fuhren wir mit unserem Deutschlandticket nach Crivitz. Am Hauptbahnhof in Schwerin wollten wir in den Bus steigen. Ein unangenehmer Nieselregen schlug uns ins Gesicht. Es gab einen überdachten Wartebereich, doch der Wind meinte es nicht gut mit uns und blies uns den Nieselregen ins Gesicht. Die Zeit verrann, der Bus kam nicht.
Eine ältere Dame neben uns schimpfte. Als der Bus kam, konfrontierte sie den jungen Fahrer mit der Verspätung von acht Minuten.
„Ach, wissen Sie, ich fahre bewusst später los, weil ich sonst so lange an der Ampel vor Damerow stehe. Da stehe ich lieber hier.“
Wir haben einen Busfahrer in der Familie. Ich fragte ihn, ob das bei uns auch möglich wäre. Er lächelte nur und sagte: „Bestimmt nicht.“
Ein Ort mit besonderem Charme
Für uns ist Crivitz nicht nur wegen seiner hübschen Architektur, der Nähe zur Natur und den freundlichen Menschen ein Ort mit einem besonderen Charme. Gerade diese Abgeschiedenheit und das kleinere Leben mögen wir. Ob wir es uns im Alltag vorstellen können, wissen wir nicht. Aber von einem kleinen Garten träumen wir ab und zu. Doch die Entfernung von 180 Kilometern macht es schwierig, ein Grundstück zu pflegen. Aber vielleicht ist es eine Option für die Rente.

Crivitz ist ein Landstadt mit weniger als 5.000 Einwohnern. Acht Ortsteile gehören zu dem Amt. Dazu zählen Basthorst, ein Ort, der wegen seines Schlosses bekannt ist. Wessin und Gädebähn sind Namen, die du vielleicht schon einmal gehört hast. Die Geschichte reicht weit zurück: Schauen wir uns einmal an, wie sich der Ort entwickelt hat.
Crivitz (Mecklenburg): Von der slawischen Burg zur Landstadt
Die Ursprünge der heutigen Landstadt Crivitz liegen auf einer kleinen Anhöhe, die als Halbinsel in den Crivitzer See ragt. Dort wurden Siedler vor 10.000 Jahren sesshaft. Zu dieser Zeit war der Ort eine sichelförmige Halbinsel in einer Kette von vier Seen, die sich bis heute im Gebiet der Stadt befinden: Crivitzer See, Barniner See, Settiner See und Militzsee. Diese Seen waren über Jahrhunderte miteinander verbunden. Vermutlich verdankt Crivitz seinen Namen dieser Lage auf einer gekrümmten Halbinsel: Der Name kommt aus dem Slawischen und bedeutet „Krümmung“.
Slawenburg am Crivitzer See
Im 12. Jahrhundert errichteten die Slawen eine Burg auf der Halbinsel und gründeten den Ort. Eine erste Erwähnung ist auf 1251 datiert. Die Gründungsurkunde stammt aus dem Jahre 1307. Wenn du heute durch den Rosenweg spazierst, befindest du dich in der einstigen Keimzelle der Stadt. Das Krankenhaus ist der Ort, an dem einst die Burg stand.

Ackerbürgerstadt bis in die Frühe Neuzeit
Im Mittelalter entwickelte sich Crivitz zu einer Ackerbürgerstadt: Viele Häuser, unter anderem in der Mauerstraße, haben die typische Architektur mit der Hofeinfahrt behalten. Die Ackerbürger sicherten ihren Lebensunterhalt mit dem Bewirtschaften von Ackerflächen, die hinter dem Haus oder etwas außerhalb der Stadt lagen. Auch Viehhandel war üblich.
Ackerbürger lebten bis in die Frühe Neuzeit in kleineren Städten, die nicht den Status einer Handelsstadt hatten. Neben der charakteristischen Architektur der Häuser waren sie weitestgehend eigenständig. Die Ländereien befanden sich in ihrem Besitz. Viele Orte erhielten das Stadtrecht, hatten aber keine eigene Verwaltung. Auch in Brandenburg gab es zahlreiche Ackerbauernstädte: Ein Beispiel ist Gransee, das uns in seiner Architektur tatsächlich an Crivitz erinnert.

Möchtest du mehr über die Geschichte von Crivitz erfahren? Neben dem Amtssitz im Ortskern gibt es ein kleines Heimatmuseum mit interessanten Ausstellungsstücken.

Der Crivitzer Fischregen
In der Neuzeit gab es in Crivitz zwei große Stadtbrände und einen Tornado, der zu einem Fischregen führte: Der Sturm ließ das Wasser aus dem Crivitzer See aufsteigen. Er war zu jener Zeit noch gesund, zahlreiche Fischschwärme bevölkerten das Wasser. Sie wurden von der heftigen Windrose aus dem Wasser gezogen und prasselten wie ein Regenschauer über das Stadtgebiet nieder.

Wenn du den See umrundest, siehst du ein Kunstwerk, welches an das Ereignis am 5. September 1792 erinnert. Dieses Naturereignis ist sehr selten. Die Windhose verursachte nicht nur Schäden an den Gebäuden: Die Crivitzer waren mit der Masse an Fischen in den Gassen und Gärten überfordert. So fand das Phänomen, das bis heute nur schwer zu erklären ist, Einzug in die Crivtzer Geschichtsbücher.

Die Kirche im neugotischen Stil
Die Kirche, heute das Wahrzeichen des Ortes, überstand die Katastrophen der Jahrhunderte mit nur kleineren Blessuren. Du kannst sie heute in ihrer ursprünglichen Form und Schönheit besichtigen.

Es handelt sich um eine Backsteinkirche im Stil der Frühgotik, die aus dem 13. Jahrhundert stammt und heute unter Denkmalschutz steht. Sie gilt als Wahrzeichen von Crivitz und erhebt sich unweit vom Ufer des Crivitzer Sees. Der Innenraum ist mit Fresken bemalt und besitzt interessante Ausstattungsstücke aus den verschiedenen Jahrhunderten. Ich plane, zur Kirche einen separaten Artikel zu verfassen.

Um die Kirche herum ist der Stadtkern kreisförmig angeordnet. Die Kirchkurve ist sehr eng: Es machte einst Spaß, sich mit dem Moped so richtig tief hineinzulegen. Bis zur Freigabe der Umgehungsstraße in den Nuller Jahren wälzte sich der gesamte Verkehr zwischen Schwerin und Parchim durch diese Kurve. Die Kirche hat es gut überstanden und freut sich gemeinsam mit den Anwohnern über den deutlich ruhigeren Verkehrsfluss.
Unsere Verbindung zu Crivitz
In den 1920er-Jahren kamen meine Großeltern aus Berlin nach Crivitz. Mein Großvater trat eine Stelle als Landarzt an. Zuerst wohnten sie in der Rathausstraße, später in der Lindenstraße. Im Erdgeschoss war die Praxis, im ersten Stock die Wohnräume. Meine Großeltern trennten sich nach dem Krieg, Oma blieb bis zu ihrem Tod in dem Haus wohnen. Ein Zimmer mit einem WC über dem Flur und der Badewanne in der Küche war ihr in der DDR zugedacht. Der Rest war zwangsvermietet.

Opa war ein Großstädter, der sich in Crivitz einer großen Beliebtheit erfreute. Doch der Umzug aus der damaligen preußischen Hauptstadt in die verschlafene Ackerbürgerstadt hatte er als Kulturschock empfunden. Es gibt alte Fotos, auf denen er gegen Ende der 1920er-Jahre als einer der ersten im Ort in einem Auto posierte. Er nutzte es, um die Landbevölkerung zu erreichen. Dort holte er Kinder auf die Welt, versorgte ältere Menschen und kümmerte sich um Erkrankte, die seine Praxis nicht aufsuchen konnten.
Geboren und aufgewachsen in Crivitz
Meine Mutter wurde in Crivitz geboren. Sie verließ den Ort mit 18 Jahren, um in Leipzig zu studieren. Dort lernte sie meinen Vater kennen und kehrte nie zurück. Da ihre fünf Geschwister den Ort ebenfalls verließen, blieb meine Oma allein in Crivitz zurück.
Mein Mann wuchs in Crivitz auf, aber auch seine Familie hat dort keine Wurzeln. Die Großeltern kamen nach dem Krieg als Flüchtlinge nach Mecklenburg. So können wir davon ausgehen, dass zur Zeit des Fischregens keine Vorfahren von uns in Crivitz lebten.
Crivitz im 20. Jahrhundert
Auf den alten Fotos unserer Familien ist zu sehen, dass sich der Ort nur unwesentlich verändert hat. Crivitz überstand die Weltkriege ohne nennenswerte Zerstörungen. So haben viele Häuser wechselhafte Zeiten erlebt. Die Rote Armee belagerte Crivitz nach dem Zweiten Weltkrieg, meine Oma erzählte davon. Es herrschte Hunger und Armut. Opa war bis 1952 in Kriegsgefangenschaft.
Familien mit eigenem Garten hatten großes Glück. Sie konnten sich selbst versorgen und ihre Erträge eintauschen. Oma versuchte auf diese Weise an Zucker und Mehl zu kommen. „Haste was?“, fragte meine Mutter, die als Dreijährige auf der Treppe auf die Rückkehr von Oma wartete. Oft brachte sie die wertvollen Zutaten mit.
Vierzig Jahre lag Crivitz auf dem Gebiet der DDR. In den 1970er-Jahren beginnen meine Erinnerungen an die Stadt. Viele Male im Jahr besuchten wir meine Oma. Damals wusste ich noch nicht, dass mein späterer Mann nur wenige Meter entfernt in einem Haus am Markt lebte.

Nach der Wende veränderte sich Crivitz in seiner Optik zum Positiven: Viele der alten Fachwerkhäuser wurden saniert. Doch du findest bist heute auch baufällige Gebäude, deren Besitzern die Mittel fehlen oder für die sich niemand verantwortlich fühlt.
Das Leben scheint seit der Wiedervereinigung aus Crivitz verschwunden zu sein. Die urigen Restaurants am Markt und die Kneipen in den kleinen Gassen haben mittlerweile geschlossen. Vereinzelt erzählen noch Schriftzüge an den Häusern, dass es sie einmal gab. Beschaulichkeit regiert das Leben in dem kleinen Ort. Sie hat etwas Faszinierendes, ist aber gerade für junge
Kleine Geschäfte im Ortskern
Wenn wir heute durch den Stadtkern durch Crivitz laufen, wissen wir noch genau, welche Geschäfte sich hinter den Fenstern verbargen: Frau Schröders Tante-Emma-Laden, die Post, in die meine Oma zum Telefonieren ging, oder das große Möbel- und Haushaltswarengeschäft, heute „Annas Laden“.

In der Quiete roch es nach frischem Brot und Brötchen aus Stamers Backstube. Sie befand sich direkt hinter dem Verkaufsraum. Die Brötchen waren oft noch warm, wenn wir bei Oma frühstückten.

Daneben war der Milchladen, dann kam die Pinguin-Bar, in der wir Eis in der Waffel kauften, oder gleich einen ganzen Eisbecher. Heute kannst du dir dort die Haare schneiden lassen.
Die Parchimer Straße
Am Eingang zur Parchimer Straße roch es nach Fisch, in der Mitte gab es in den 1980er-Jahren im ersten Stock des Warenhauses Jugendmode. Die Dielen ächzten unter den Schritten der zahlreichen Kunden.

Bis heute vermisse ich den Fleischer, der echte Bülower Mettwurst mit Senfkörnern verkaufte. Viele Jahre gab es einen Verkaufswagen am Netto-Discounter. Doch der ist leider auch verschwunden.
Bei deinem Spaziergang durch den Ortskern von Crivitz werden dich diese Erinnerungen nicht begleiten. Dennoch gibt es einiges zu entdecken. Ich nehme dich einmal mit und zeige dir sehenswerte Gebäude und unsere Lieblingsplätze.
Ein Markt und enge Straßen – der Ortskern von Crivitz
Wenn du dir eine Karte von Crivitz anschaust, fällt dir auf, dass sich die Straßen wie eine Ellipse Kreis um den Marktplatz ziehen. Er ist seit der Zeit der Ackerbürger das Zentrum des Ortes. Früher war hier der Treffpunkt der Jugend, die mit ihren Mopeds in die umliegenden Dörfer zur Disco oder zu Freunden fuhren.
Damals wie heute ist es ein Parkplatz, auf dem du dein Auto für bis zu zwei Stunden kostenlos abstellen kannst. Es gibt Markttage oder Umzüge zum Karneval. Dann ist der Markt für Autos gesperrt und entwickelt sich wieder zum Zentrum des gesellschaftlichen Lebens.

Entdecke historische Gebäude in den Straßen, die um den Marktplatz kreisen. Ich mag die Zweihausgasse, die sich nur wenige Schritte entfernt vom Haus meiner Oma befindet. Wir nannten sie Quiete. Ich durchquerte sie als Kind, um morgens frische Brötchen und Milch zu kaufen. Sie hat einen typischen Geruch nach feuchtem Mauerwerk, der bis heute erhalten ist. Er ist nicht unangenehm und begleitet mich seit meiner Kindheit.

Parallel zur Rathausstraße verläuft die Mauerstraße, dahinter beginnen die Wiesen. Die Fritz-Reuter-Straße führt zur gleichnamigen Schule.

Hinter der Mauerstraße beginnen die Wiesen, die vom Amtsbach durchzogen werden. Du entfernst dich vom Ortskern und bist umgeben von wilder Natur, sich selbst überlassener Natur. Bei uns gibt es so etwas kaum noch: Entweder das Land ist bewirtschaftet, es ist bebaut oder abgegrenzt, weil es sich in privater Hand befindet.

Fritz-Reuter-Schule
Heute ist die Fritz-Reuter-Schule eine Grundschule, die Kinder aus Crivitz und den umliegenden Dörfern von der ersten bis zur vierten Klasse betreut. Sie blickt auf eine lange Geschichte zurück: Die erste Crivitzer Schule befand sich in der Nähe der Kirche. Das heutige Gebäude stammt aus dem Jahre 1878.

Die Schulform passte sich der jeweiligen Zeit an. In der DDR konnten die Schüler dort zehn Jahre lernen und danach an der EOS ihr Abitur ablegen. Heute gibt es eine Regionale Schule in der Straße der Freundschaft und ein Gymnasium auf dem Sonnenberg.
Meine Mutter und ihre Geschwister besuchten die Schule, ebenso mein Mann und sein Bruder. Meine Schwiegermutter war dort viele Jahre Lehrerin. Wenn wir in Crivitz spazieren gehen, schließen wir den Bereich um die Schule immer mit ein. In meiner Familie gibt es viele Erinnerungen.
Nur wenige Gehminuten von der Schule entfernt, gibt es private Gärten. Sie werden bis heute privat bewirtschaftet. Die ruhige Lage am Rande der Wiesen ist eine kleine Idylle.

Der beste Blick über den Ort
Crivitz hat nicht nur vier Seen, sondern auch zwei Erhebungen, von denen du einen schönen Blick auf den Crivitzer See und die Kirche hast. Leider muss ich dir diesen Genuss derzeit noch vorenthalten. Wir waren dort schon viele Jahre nicht mehr oben. Wenn ein wenig Zeit übrig ist, solltest du die beiden Anhöhen in deinen Spaziergang einschließen. Bei unserem nächsten Besuch werden wir einige Fotos aufnehmen und an dieser Stelle zeigen.
Unsere sieben Lieblingsplätze in Crivitz
Was solltest du dir in Crivitz anschauen? Wir parken unser Auto auf dem Marktplatz, laufen einmal durch die Stadt und genießen den Blick auf die Fachwerkhäuser und den Spaziergang durch die kleinen Gassen mit ihrem typischen Geruch. Für den Rundgang durch das Zentrum mit der Kirche, den historischen Ackerbürgerhäusern und dem östlichen Ufer des Crivitzer Sees brauchst du etwa eine halbe Stunde.
Wir haben sieben Lieblingsplätze, die wir immer besuchen. Vielleicht gefallen sie dir auch so gut wie uns? Ich stelle sie dir einmal vor.
Der Amtsbach
Der Amtsbach fließt mit ansehnlicher Geschwindigkeit mitten durch den Ortskern von Crivitz. Als Kinder haben wir auf der Brücke in den Wiesen Papierschiffchen ins Wasser gelassen und sie durch die Brücke in den Barniner See fahren lassen. Sie waren flott unterwegs.

Der Bach hat einen natürlichen Ursprung: Er fließt vom Militzsee durchden Crivitzer See in den Barniner See. Der Crivitzer See nimmt das Wasser auf und leitet es auf der anderen Seite wieder ab. Der natürliche Fluss des Amtsgrabens, wie er offiziell heißt, wurde trotz aller Bebauung nie verändert. Er hat seinen Ursprung in der Zeit, in der Crivitz noch eine Halbinsel war.
Du begegnest dem Amtsbach auf deinem Spaziergang inmitten der Stadt, beim Rundgang um den Crivitzer See, im Rosenweg und in den Wiesen. Er schlängelt sich durch die Landschaft und ist ein beliebter Ort zum Verweilen.

Früher führte der Amtsbach klares Wasser. Heute ist es leider verschmutzt. Für eine Erfrischung im Sommer eignete er sich noch nie: Er ist sehr flach, der Untergrund ist für nackte Füße nicht einladend. Doch auf Spaziergängen ist der Amtsbach vor allem für Kinder ein kleines Highlight.

Du musst den kleinen Bach nicht suchen: Er wird dir auf deinem Spaziergang begegnen. Die kleinen Brücken, auf denen du ihn überquerst, sind schöne Fotomotive.
Militzsee – ein kleiner See im Wald
Der Militzsee liegt idyllisch mitten in einem Wald. Er ist sehr sauber, du kannst im Sommer baden gehen. Das Paddeln ist ebenfalls gestattet, Motorboote sind nicht erlaubt. Aber dafür wäre der See auch zu klein.

Zur DDR-Zeit gab es am östlichen Ufer ein gut besuchtes Strandbad. Wir sprangen vom Dreimeterbrett oder dem H-förmigen Steg ins Wasser. Abends befuhren wir ihn mit dem Moped so rasant, dass ich Angst hatte, im Wasser zu landen. Es gab eine Imbissbude, Liegeflächen und Spielgeräte am Hang. Toll war eine Rutsche, die direkt im Wasser stand. Heute siehst du davon gar nichts mehr.

Du erreichst den Militzsee über die Trammer Straße oder das Bürgerholz. In das Navi kannst du alternativ Militzhof eingeben. Vom Ortskern sind es etwa zwei Kilometer zu laufen.

Du kannst den See zu Fuß umrunden. Es ist aber ein bisschen beschwerlich, da es keinen ausgebauten Rundweg gibt. Du läufst über unebene Waldwege. Dennoch ist es lohnenswert, denn du bist von Ruhe und uriger Natur umgeben.

Settiner See
Der Settiner See gehört ebenso zu dem Seenband, das Crivitz umschließt. Er liegt unweit des Militzsees und ist etwas kleiner. Auch in diesem See kannst du das Ufer erreichen, schwimmen oder paddeln.

Seit 1550 befand sich in Settin ein Gestüt mit der Zucht von Mecklenburger Pferden. Sie konnte sich wegen des hohen Wolfsbestandes nicht durchsetzen. Belegt ist, dass sich ab 1710 auf dem Areal wieder ein landesherrschaftliches Gestüt befand.

Bis zur Enteignung im Jahre 1945 war das Gut in Privatbesitz. Heute kannst du dort Ferienhäuser mieten. Die Lage am See und ein Stück weg von den umliegenden Orten ist wirklich malerisch.
Spaziergang durch die Wiesen
Die Wiesen habe ich schon mehrmals erwähnt. Da sie sich hinter der Mauerstraße befinden, gehen verschiedene Quellen davon aus, dass die Bürger sie einst als Bleichwiese oder Weideland nutzten. Die Tiere fanden auf dem feuchten Untergrund und der natürlichen Tränke des Amtsbaches ideale Bedingungen.

Bereits in der DDR wurden die Wiesen nicht mehr bewirtschaftet. Heute sind sie der Natur weitestgehend überlassen, was ihnen einen besonderen Charakter gibt. Ein öffentlicher Spazierweg führt durch das Gebiet, du durchquerst es in fünf bis zehn Minuten. Hinter der Mauerstraße gibt es einen kleinen Spielplatz.

Vorbei an den sieben Eichen, kommst du an der Eichholzstraße heraus. Von dort aus kannst du in das Crivitzer Neubaugebiet „Neustadt“ aus DDR-Zeiten an das andere Ende des Ortes laufen.
Die sieben Eichen
Am Rande des Eichenholzes siehst du sieben Eichen, die auf einem kleinen Platz angeordnet sind. Meine Mutter wuchs in Crivitz auf, sie ging gern dorthin und saß mit ihren Freundinnen auf einer Bank im Schatten.

Die Bäume stehen dort nicht zufällig: Einer Überlieferung zur Folge sollen sieben Bauern unter jeweils einer Eiche ihr Pferd begraben haben. Die Tiere verendeten gleichzeitig aufgrund einer Krankheit, die von den Ackerbauern Pferderotz genannt wurde. Ob es sich noch um die originalen Bäume aus der Frühen Neuzeit handelt, ist leider nicht bekannt.
Wenn du an den sieben Eichen vorbei läufst, erstreckt sich vor dir das Eichholz. Es war einmal ein idyllisches, etwas mystisch anmutendes, recht dichtes Waldgebiet, welches mir als Kind ein wenig Angst einflößte. Heute wird es leider durch die Umgehungsstraße zerschnitten. Als es die Umfahrung noch nicht gab, wälzten sich alle Autos durch die engen und kurvenreichen Straßen in der Crivitzer Innenstadt. Was i
Rundgang um den Crivitzer See
Der Crivitzer See liegt im Herzen des Ortes und lässt sich auf einem Spazierweg komplett umrunden. Du läufst etwa vier Kilometer und benötigst eine Stunde. Wenn wir Crivitz besuchen, ist der Spaziergang fest eingeplant. Du kommst an der Kirche vorbei, durchstreifst ein kleines Waldgebiet, das vom Amtsbach durchflossen wird, und siehst in der Freiheitsallee schmucke Einfamilienhäuser.

Leider kannst du im Crivitzer See nicht baden. Schon in den 1950er-Jahren, als meine Mutter in Crivitz aufwuchs, war der See stark verschmutzt. Damals gab es noch kalte Winter: Das Schlittschuhlaufen war auf dem See beliebt. Heute ist das aufgrund des veränderten Klimas nur noch selten möglich.
Der Crivitzer See darf mit Angelbooten befahren werden. Motorboote sind nicht erlaubt. Wenn du paddeln möchtest, hast du einige Möglichkeiten, vom Ufer abzulegen. Der gesamte Uferbereich ist öffentlich zugänglich. Eine offizielle Anlegestelle gibt es nicht, du musst ein wenig improvisieren.

Starte deinen Spaziergang am Markt
Wenn du auf dem Crivitzer Markt stehst, läufst du durch die Lindenstraße und siehst den See bereits vor dir legen. Durchquere die kleine Wasserstraße, dann bist du am Ufer angekommen. Du kannst dich entscheiden, ob du rechts oder links entlang laufen möchtest. Wir laufen immer im Uhrzeigersinn um den See.

Der nördliche Abschnitt verläuft parallel zu einer Straße. Sie ist aber nicht stark befahren, sodass du auch hier die Natur genießen kannst. Im Sommer bilden die Baumkronen der Kastanien ein dichtes Dach.

Der westliche Uferbereich wird vom Amtsbach durchzogen. Das kleine Waldstück ist sehr feucht. Vor allem im Herbst legt sich ein typischer Geruch auf deine Nase. Er hat sich seit meiner Kindheit nicht verändert.

Das südliche Abschnitt des Sees führt dich an der Freiheitsallee entlang. Sie endet am Bahnhof und führt durch den Rosenweg wieder in den Ortskern.

Am Rande des Rundweges findest du immer wieder eine freie Bank, auf der du entspannen kannst. Plane ausreichend Zeit ein, um deinen Spaziergang um den See wirklich genießen zu können. Wir haben bei uns auch viel Wasser. Doch diese naturbelassenen Uferabschnitte sind bei uns selten. Das ist ein Grund, warum wir den Crivitzer See so sehr mögen.
Durch den Rosenweg zum Bahnhof
Den Rosenweg habe ich schon als Kind geliebt. An seinem Ende gibt es bis heute einen schönen Spielplatz. Der gepflasterte Spazierweg erinnerte mich einst an eine Eisenbahnstrecke. Ich war die Dampflok und habe beim Laufen passende Geräusche ausgestoßen. Das hat manchen Erwachsenen bestimmt belustigt.

Am Rande des Spazierweges fließt der Amtsbach durch eine kleine, parkähnliche Landschaft. Wenn du aus dem Ortskern kommst, befindet sich rechter Hand das Krankenhaus. Und ganz zufällig, ich hatte es schon erwähnt, läufst du durch die Crivitzer Keimzelle, denn genau hier ließen sich einst die ersten Siedler nieder.
Der Crivitzer Bahnhof
Am 2. September 1888 wurde der Bahnhof in Crivitz eingeweiht. Anfangs verkehrten die Züge zwischen Schwerin und Crivitz, ein Jahr später war die Verlängerung nach Parchim fertig. Du erreichst den Bahnhof, wenn du dich am Ende des Rosenweges links hältst.

Meistens ist der Bahnhof verlassen: Bis heute gibt es nur die beiden Verbindungen nach Parchim und nach Schwerin. Für viele Bewohner ist es angenehmer, den Bus zu nutzen, der vom Markt abfährt. Auch ich bin damals lieber mit dem Bus gefahren. Seit es das Deutschlandticket gibt, waren wir einmal mit der ODEG unterwegs. Für meinen Mann und mich war es ein nostalgischer Trip, aber mit dem Auto bist du schneller und flexibler. Zu DDR-Zeiten gab es einen D-Zug zwischen Potsdam und Schwerin. Heute bist du auf den Regio ab Berlin angewiesen.
Barniner See
Der Barniner See ist der vierte im Bunde der Crivitzer Seenkette. Er liegt am Rande des Ortsteils Barnin, etwa drei Kilometer von Crivitz entfernt. Seine östliche Spitze reicht bis an das Ortsgebiet von Crivitz heran: Er ist der Größte der Seenkette.
In der Kindheit meiner Mutter gab es am südöstlichen Ufer eine öffentliche Badestelle. Als wir Kinder waren, gab es das Strandbad nicht mehr. Doch wir konnten dort noch baden. Heute ist das Ufer zugewachsen. Vor einigen Jahren versuchten wir die alte Badestelle mit dem Auto zu erreichen. Es war kaum noch möglich. Heute wird sich die Natur noch mehr von dem einst öffentlichen Weg zurückerobert haben.

Badestelle auf der Barniner Seite
Auf der Barniner Seite des Ufers gibt es eine schöne kleine Badestelle mit Liegewiese und einem kleinen Steg. Sie ist öffentlich und kostenlos. Dort kannst du ein kleines Boot zu Wasser lassen und über den See schippern. Motorboote sind nicht erlaubt.

Der Barniner See ist sauber und bei Anglern sehr beliebt. Auch hier findest du eine ruhige idyllische Landschaft, die es anderswo gar nicht mehr gibt.


Fahrt zu den Mammutbäumen
Unser letztes Highlight ist ein kleiner Geheimtipp. Crivitz hat seit mehr als einhundert Jahren zwei Mammutbäume. Sie befinden sich etwa fünf Kilometer entfernt in einem Waldgebiet zwischen Crivitz und Brüel. Du verlässt den Ortskern über die Brüeler Straße.

Die Mammutbäume sind etwas schwer zu finden. Fahre auf der Brüeler Straße bis zum Abzweig nach Venzkow. Danach fährst du langsam und achtest auf der rechten Seite auf eine kleine Einfahrt, die mit einem Hindernis versehen ist. Du kannst davor das Auto abstellen. Manchmal weist ein Schild auf die Mammutbäume hin, manchmal ist es verschwunden.

Um die Bäume zu erreichen, musst du etwa 500 Meter in den Wald laufen. Sie befinden sich auf der linken Seite und sind nicht zu übersehen. Wir schließen unseren Besuch in Crivitz gern mit dem Besuch der Mammutbäume ab.
Essen gehen in Crivitz
Nach deinem Spaziergang hast du vielleicht Lust auf ein leckeres Schnitzel, einen hausgemachten Salat oder ein indisches Menü. Mehr Auswahl gibt es, abgesehen von den drei Dönerläden, in Crivitz nicht. Da der Berliner nur in der Heimat einen Döner ist, haben wir das beliebte Fast-Food Gericht in Crivitz noch nicht probiert.
Bitte zeitig das Restaurant aufsuchen
Wir sind verwöhnt, hier rund um Berlin. Und wir gehören in die Kateogorie der Nachteulen. In unserer Kleinstadt haben die Restaurants bis 22 Uhr geöffnet. Auch nach 21 Uhr bekommst du noch warme Küche. In Berlin gibt es Lokale, die bis ein Uhr warmes Essen servieren. Der große Imbiss am Rosenthaler Platz versorgte uns nachts um Drei mit Pizza. Das ist allerdings schon einige Jahre her.
Wir verbringen einen Tag in einer Welt, die ganz anders ist als unsere, am Rande von Berlin. Die Geschäfte schließen spätestens um 18 Uhr. Lange Zeit war im Supermarkt nur die Zahlung mit der EC-Karte – die es seit den 1990er-Jahren nicht mehr gibt – möglich. Das deutsche Restaurant „Haus Seeblick“ hat bis 20 Uhr warme Küche. Danach bleibt dir die Option, indisch zu essen oder auf Döner oder Pizza aus dem Imbiss zurückzugreifen.
Am Markt gibt es ein indisches Restaurant. Das Haus Seeblick am Rande des Ortes hat sich über die Jahrzehnte erhalten. Es bietet gute deutsche Küche, die seit der Corona-Pandemie aber sehr teuer geworden ist. Das einstige Kulturhaus liegt im Dornröschenschlaf. Dieses Bild zeichnet sich in vielen ostdeutschen Orten. Die Bewirtschaftung von Kultur oder Gastronomie rentiert sich in kleineren Orten nicht.
Wir waren einmal in Berlin und hatten spätabends noch Lust, essen zu gehen. Es war nach 23 Uhr, als wir ein Schnitzel bestellten und sogar serviert bekamen. Ich fand das beeindruckend, bei uns ist das undenkbar.
Aus einer Unterhaltung mit einem Crivitzer, den wir seit unserer Jugend kennen
Die Uhren ticken anders
Die Uhren ticken in der Region rund um Schwerin wirklich anders: Da wir indisches Essen nicht besonders mögen, bleibt uns nur das „Haus Seeblick“. An einem Abend waren die Fensterläden um 20 Uhr bereits geschlossen: Offenbar waren nicht genug Gäste gekommen.
Das soll nicht als Kritik verstanden werden: Das Essen dort ist wirklich lecker. Bei uns gibt es gar keine deutsche Küche mehr, wir haben die Wahl zwischen griechisch, italienisch und asiatisch. Ein Besuch im „Haus Seeblick“ ist immer eingeplant. Es liegt an uns, dass wir die andere Zeitrechnung dort oben, in Mecklenburg, nicht gewohnt sind.

Wir suchten uns ein Restaurant im etwa zwanzig Kilometer entfernten Schwerin, das bis 23 Uhr geöffnet hatte. So, zumindest dachten wir das, bleibt ausreichend Zeit, um hinzufahren, das Auto zu parken und in die Innenstadt zu laufen. Doch auch in diesem Restaurant war die Küche aufgrund ausbleibender Gäste bereits geschlossen.
Das Crivitzer Krankenhaus und seine Geburtenstation
Das Krankenhaus am Crivitzer See wurde im Jahre 1948 von Dr. Karl Schröder eröffnet. Anfangs hatte es 65 Betten. Ein Jahr später zog es an seinen heutigen Platz an den Standort der Burg, die Crivitz einst begründete. Während der DDR-Zeit bot das Krankenhaus eine umfassende Versorgung aus den klassischen Fachbereichen der Medizin. Das war auch notwendig: Die nächsten Krankenhäuser in Schwerin und Parchim sind mehr als zwanzig Kilometer entfernt.
Seit 1951 kommen im Crivitzer Krankenhaus Babys auf die Welt. Insgesamt sind es 24.000 Kinder in 69 Jahren, die in ihrem Personalausweis Crivitz als Geburtsort stehen haben. Bis 1951 wurden die Kinder zu Hause geboren. In der DDR war die Entbindungsstation in der Freiheitsallee am anderen Ende des Crivitzer Sees. „Storchennest“ nannten wir das Gebäude, das sich heute in privatem Besitz befindet.

Weniger Geburten, mehr ältere Menschen
Nachdem nur noch durchschnittlich 400 Kinder pro Jahr in Crivitz auf die Welt kamen und der Alterdurchschnitt der Bevölkerung anstieg, rentierte sich die Geburtsstation nicht mehr. In einem privaten Gespräch mit dem Altbürgermeister Ulrich Güssmann erfuhren wir, dass es in der Stadt Proteste und Mahnwachen gegen die Schließung der Geburtenstation gab. Der Backsteinturm vor dem Krankenhaus, vermutlich ein altes Pumpenhaus, war mit Störchen einem Kinderwagen und Babykleidung geschmückt.
Alle Bemühungen und Initiativen nutzten ebenso wenig wie die Fürsprache von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Das letzte Baby wurde in der Nacht zum 14. Juni 2020 geboren. Vier Jahre und der Übernahme durch den Landkreis stand fest: Es wird in Crivitz keine Geburtenstation mehr geben. Das Krankenhaus stellt die Geriatrie in den Mittelpunkt und reagiert damit auf den demographischen Wandel. Zum Leid der schwangeren Frauen, die in Crivitz, den Ortsteilen und den umliegenden Dörfern leben: Sie müssen bis zu 30 Kilometer zurücklegen, bis sie ein Krankenhaus erreichen. Bei meinem jüngsten Kind hätte ich das nicht geschafft.
Die Menschen in Crivitz werden älter
Die Altersstruktur in Crivitz hat sich in den letzten Jahren weiter nach oben verschoben. Junge Menschen verlassen den Ort, die Älteren sind verwurzelt und bleiben zurück. Das Krankenhaus hat darauf reagiert und setzt künftig verstärkt auf ein gerontologisches Angebot, das sich auf die Versorgung von Patienten im höheren Lebensalter konzentriert. Dies geht zu Lasten der jungen Menschen, die in Crivitz und Umgebung eine Familie gründen möchten. Ich persönlich kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Sollte man die Ansiedlung junger Menschen nicht gezielt fördern?

Kleine Idylle statt großer Tourismus
In Crivitz findest du nicht das große touristische Highlight, das die Massen anzieht. Wenn du den Ort besuchst, lernst du eine kleinstädtische Idylle kennen. Das Leben ist entschleunigt, die Menschen sagen sich noch „Guten Tag“, und am Abend leeren sich die engen Straßen und Gassen. Für uns, die wir im Berliner Speckgürtel leben, ist Crivitz eine andere Welt. Wir genießen die Tage, die wir dort verbringen, und die Plätze, die uns ein Leben lang vertraut sind.
Mein Mann und ich mussten nach unserem Kennenlernen eine Entscheidung treffen: Crivitz oder Werder (Havel)? Wir haben uns für Werder entschieden und diese Entscheidung nie bereut.
Heute denken wir manchmal: Es wäre schön, wieder enger mit Crivitz verbunden zu sein. Die Ruhe und die Natur häufiger genießen zu können. Vielleicht gibt es für uns eine Option, wenn wir in Rente gehen. Möchtest du den Ort einmal kennenlernen, der so viele kleine schöne Facetten hat? Du kannst in privaten Ferienwohnungen oder im Haus Seeblick übernachten. Nach Schwerin sind es etwa 25 Kilometer: Wenn du dort zu Besuch bist, wäre Crivitz ein idealer Tagesausflug. Es lohn sich wirklich!


ISSN 3053-6731
HB 2026-01





