Havel im Winter – Beobachtungen bei Eis und Schnee

Havel im Winter – Beobachtungen bei Eis und Schnee

Ein Spaziergang an der Havel ist im Winter ein besonderes Erlebnis. Und es ist selten geworden: Nur noch alle zwei bis drei Jahre kommen wir in Brandenburg in den Genuss, eine verschneite Landschaft zu erleben. Während meiner Kindheit, in den 1970er- und 1980er-Jahren hatten wir jedes Jahr Schnee und konnten auf der Havel sicher Schlittschuh laufen. Jetzt sind die Tage trotz der Einschränkungen in der Mobilität und im Alltag ein besonderer Genuss. Du kannst herrliche Fotos aufnehmen und erlebst die Havel und ihre Seen aus einer ganz neuen Perspektive. Wichtig ist, dass du auf deine Sicherheit achtest und dich bei Minusgraden für einen längeren Spaziergang warm anziehst. Hole dir Tipps für deinen Ausflug an die vereiste Havel und erfahre, worauf du achten musst und wie du tolle Fotos aufnehmen kannst.

Blick über die Föhse in Werder (Havel). Im Sommer ist der Havelarm, der die Inselstadt vom Festland trennt, mit Booten und Badenden hoch frequentiert. Zweimal im Jahr findet eine Ruderregatta statt. Im Winter vereist der Bereich schnell, weil es wenig Strömung gibt. Der sonst so belebte Bereich verwandelt sich in eine idyllische Winterlandschaft.

Winter an der Havel: Eis und Schnee verändern die Landschaft

Eigentlich bin ich ein Sommermensch. Ich mag die warme Jahreszeit mit ihren langen hellen Abenden, die leichte Kleidung, die Wärme und die Sonne im Gesicht. Doch wenn bei uns in Brandenburg der Winter einzieht, die Landschaft in eine weiße Farbe eintaucht und die Havel mit Eis überdeckt, bin ich gern unterwegs. Ich genieße die veränderte Umgebung, die klare Luft und ich nehme viele Fotos auf. Es ist faszinierend, wie sich die Havel verändert, wenn die Oberfläche gefriert und mit einer Schneedecke überzogen wird. Leider ist der echte Winter im Brandenburger Binnenland selten geworden. Doch wenn er uns für ein paar Tage einholt, ist das immer eine besondere Zeit.

Die Spaziergänge sind bei einer Temperatur von minus vier Grad Celsius und eisigem Wind kurz. Er peitscht den Schnee in dein Gesicht. Die Hände frieren schnell. Aber dennoch sind es Momente im Jahr, die in Erinnerung bleiben. Wenn du an der Havel lebst, solltest du dich herauswagen. Genieße die mit dem weißen Pulver bedeckte Natur, nehme faszinierende Fotos auf und tue deiner Gesundheit Gutes: Die klare kalte Luft tut gut und stärkt das Immunsystem.

Die vertraute Umgebung neu entdecken

Wer an der Havel oder an einem anderen Gewässer lebt, kennt seine vertraute Umgebung: Die Ufer sind mit hohem Schilf bewachsen. Die Wiesen sind im Sommer grün, im Winter grau. Das Wasser wird vom Himmel blau und von den Wolken blau gefärbt. Doch der Winter verändert alles. Wo vor einer Woche das kalte Wasser noch ans Ufer klatschte, ist jetzt eine idyllische weiße Landschaft entstanden. Die Wellen sind gefroren. Es ist ruhig, die Wasservögel haben sich in die freien Uferbereiche verzogen. Der Blick ist weit.

Nimm dir Zeit, für einen Spaziergang an der Havel oder an einem anderen Fluss oder See. Auch wenn es nur eine kurze Zeit ist, die du an der frischen Luft verbringen kannst: Die Eindrücke, die du mit nach Hause nimmst, wirken lange nach.

Die Havel friert im Winter schnell zu

Auf Instagram sah ich Fotos einer Familie, die an der Isar spazieren ging: In diesem Bereich quirlte der Fluss, eine Eisschicht gab es nicht. Dabei liegen die Temperaturen im Umkreis von München schon länger unter dem Gefrierpunkt, als bei uns. Die Havel ist ein Gewässer, das nur sehr langsam fließt. Sobald die Temperaturen unter null Grad Celsius sinken, bildet sich eine Eisschicht.

Zwischen Potsdam und Brandenburg durchfließt die Havel zahlreiche Seen. Zusätzlich ist sie an einigen Stellen sehr breit: Bei uns in Werder beträgt die maximale Ausdehnung von einem Ufer zum anderen 1.400 Meter. All diese Faktoren führen dazu, dass sich schon nach wenigen Tagen mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt eine Eisschicht ausbildet. Dies gilt auch für die Gewässer, die sie durchfließt oder die an die Havel angrenzen.

Wenn die Temperaturen wieder ansteigen, bleibt die Eisschicht noch einige Zeit erhalten. Bis das auch die letzten kleinen Schollen verschwunden sind, kann es einige Tage dauern.

An vielen Stellen ist die Havel flach

Neben der Fließgeschwindigkeit ist auch die Tiefe des Flusses für die Bildung von Eis mit verantwortlich. Flaches Wasser verliert seine Wärme schneller als tiefe Flüsse und Seen. So wächst die Eisschicht schneller an. Rund um Werder ist die Havel nicht mit durchschnittlich zwei Metern nicht sehr tief. In den Uferbereichen ist es häufig nur ein Meter oder weniger.

Offene und zugefrorene Bereiche unter Brücken

Interessant finde ich die Havel im Winter, wenn ich über die beiden Brücken laufe, die im Verlauf der B1 zwischen Brandenburg und Potsdam die Havel überspannen. Unter der Baumgartenbrücke, die Werder mit der Gemeinde Schwielowsee verbindet, bleibt eine weite Wasserfläche auch nach mehreren frostigen Tagen offen. In diesem Bereich ist die Havel für die Berufsschifffahrt tief ausgehoben. Hinzu kommt, dass Flüsse und Seen unter Brücken stärker zirkulieren, weil es sich um eine Engstelle handelt. Außerdem geben stark befahrende Brücken Wärme ab.

Etwas anders sieht das Foto von der Strengbrücke aus. Sie ist kürzer, als die Baumgartenbrücke, die Havel ist in diesem Bereich flacher. An beiden Seiten ist sie durch einen mit Bäumen bewachsenen Uferbereich geschützt. Es gibt so gut wie keine Strömung. Der Fahrzeugverkehr ist identisch, doch er schafft es nicht, die Bereiche unter der Brücke so zu erwärmen, dass sie offen bleiben. Das Foto entstand am selben Tag: Hier ist die Havel vollständig zugefroren.

Du siehst: Wenn du an der Havel und ihren Seen spazieren gehst, machst du viele Entdeckungen und kannst tolle Fotos aufnehmen. Achte jedoch auf deine Sicherheit: Niemals solltest du eine geschlossene Eisdecke unachtsam betreten.

Eis auf der Havel: Faszinierend und trügerisch

Die Natur hat in dieser Zeit auch ihre Tücken: Jedes Jahr gibt es auch bei uns Unfälle auf dem Eis, weil es zu früh betreten wurde. Ich werde nie den Tag vergessen, an dem meine Biologielehrerin nach den Weihnachtsferien ganz in Schwarz gekleidet vor uns stand und weinend erzählte, dass ihr Mann an Silvester im Eis eingebrochen wäre. Er wollte über die Föhse laufen, um den Weg abzukürzen. Da er unter die Eisdecke geriet, konnte er nicht mehr gerettet werden.

Solange du die Bilder vom Ufer aus fotografierst, besteht keine Gefahr. Das Eis betreten solltest du im Idealfall nur dann, wenn es von der Kommune freigegeben wurde. Das passiert bei Flüssen aber ausgesprochen selten: Fließende Gewässer haben ihre Tücken. Es gibt warme Stellen, und solche, an denen die Strömung besonders stark ist. Bei einer Freigabe würde die Kommune haften. In Werder gab es in den letzten Jahren keine Freigabe. Stattdessen warnen Stadtverwaltung und Feuerwehr regelmäßig vor den Gefahren, die durch das Betreten der Eisfläche entstehen können.

Schau dir die Schönheit der Natur vom sicheren Ufer aus an. Nimm Fotos mit deinem Handy oder mit dem Fotoapparat auf und nutze die Spazierwege. So bleibst du sicher und ganz den Wintertag trotzdem in allen Zügen genießen.

Zwischen winterlicher Ruhe und Risiko

Auch bei niedrigen Temperaturen sind wir gern mit dem Fahrrad unterwegs. Am Ufer des Petzinsees legen wir nicht nur im Sommer gern eine Rast ein. Auch in der kalten Jahreszeit scheint die Sonne über den See. Obwohl die wilde Badestelle an einer Straße liegt, ist sie nicht stark befahren. Es ist dort sehr idyllisch. An einem Sonntag sah das Eis im Uferbereich sehr brüchig aus. Die Decke hielt, aber auf der Oberfläche hatten sich bereits kleine Schollen und Wasser gebildet. Mehrere Familien mit Kindern spielten auf dem Eis oder gingen auf dem See spazieren.

Ein älteres Ehepaar stellte die Menschen auf dem Eis zur Rede. Es ergab sich ein lautes Disput zwischen einem Vater und dem Paar am Ufer. Sie machten auf die Gefahren aufmerksam. Die Sonne wärmte stark, die Temperaturen waren angestiegen, es herrschte Tauwetter. Die Temperaturen lagen oberhalb des Gefrierpunktes. Wir hatten die zehn Kilometer bis zu dem See mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Der Vater schimpfte, dass er wisse, was er tue, und dass es niemanden etwas anginge, was er seinem Kind erlaubt und was nicht. Das ältere Ehepaar nannte ihn „verantwortungslos“ und erwog, die Polizei zu rufen.

Wir bekamen die Diskussion mit, sagten aber nichts dazu. Es schien wirklich gefährlich zu sein, wir hätten die Eisfläche nicht betreten. Und irgendwie war da eine Angst, es könnte was passieren und wir befinden uns mitten drin. Wir entschieden uns, nach Hause zu fahren.

Bitte die Gefahren ernst nehmen

Vor dem Disput nahm ich wunderschöne Fotos auf, denn die Sonne malte ihre Strahlen auf den See und schuf eine traumhafte Idylle. Beim Fotografieren hatte ich die Absicht, die Menschen auf dem Eis zu entfernen. Doch ich entschied mich dann, die Bilder so zu veröffentlichen, wie du sie jetzt siehst. Zusammen mit der Bitte, die Gefahr zu berücksichtigen und Kinder und Jugendliche nicht zum Leichtsinn zu verführen.

Das Loch im Eis

Ich bin auf einem Wassergrundstück groß geworden. Als wir Kinder waren, durften wir das Eis nicht betreten, bis mein Vater es geprüft und freigegeben hatte. Er war Meteorologe und kannte sich mit den Gegebenheiten des Wetters und der Zirkulation des Wasser aus. Wie ich, war er an der Havel aufgewachsen.

Wenn die Eisdecke einige Tage alt und die Temperaturen ausreichend niedrig waren, schlug mein Vater mit einem Beil ein Loch ins Eis. Erst wenn die Havel in einer Tiefe von mindestens 20 Zentimetern zugefroren war, durften wir rauf. Ein weiteres Indiz war, dass das Loch am nächsten Tag wieder geschlossen war. Wir konnten es gar nicht abwarten: Ich bin lieber Schlittschuh gelaufen, als gerodelt. Als es endlich so weit war, sind wir vom Eis gar nicht mehr runtergekommen.

Im Jahrhundertwinter 1979 fuhr unser Nachbar mit dem Lada auf die Havel und dreht im Auto wilde Pirouetten. Die gesamte Havel war metertief zugefroren. Wir konnten mit den Schlittschuhen bis zur Inselstadt laufen. Das ist heute nicht mehr möglich. Wenn wir wirklich einmal Temperaturen im zweistelligen Minusbereich haben, kannst du die Insel auf dem Eis umrunden. Aber quer über die Havel zum Ufer der Potsdamer Straße laufen? Das hat seit den 1980er-Jahren niemand mehr gemacht.

Mit Vorsicht genießen

Eine letzte Sicherheit hast du beim Betreten einer Eisfläche auf Flüssen und Seen nie. Doch ab einer Dicke von 15 Zentimetern kannst du einen Spaziergang wagen. Bei uns war das letztmalig im Februar 2021 möglich. Ich habe mich aber nur in Ufernähe aufs Eis getraut.

Tipps für deinen Winterspaziergang am Wasser

Plane für deinen Winterspaziergang am Wasser einen Zeitraum von einer Stunde ein. Das gilt besonders dann, wenn die Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt liegen und ein eisiger Wind herrscht. Schütze deine Ohren und die Finger und achte auf warme wasserfeste Schuhe, die idealerweise mit einer rutschfesten Sohle ausgestattet sind.

Die Natur auf Fotos dokumentieren

Nimm deinen Fotoapparat oder dein Smartphone mit und achte auf eine ausreichende Ladung der Batterie. Bei niedrigen Temperaturen lässt die Leistung schnell nach. Bei der Aufnahme von Fotos ist es von Vorteil, wenn du die Natur in den Vordergrund setzt. Menschen können die Bildkomposition bereichern, wenn sie sich im Hintergrund befinden. Das ist auch in Bezug auf das Fotorecht wichtig: Wenn du fremde Menschen aufnimmst, benötigst du für die Veröffentlichung eine Einwilligung.

Suche dir für jedes Bild einen Anker. Wenn du nur die weite Eisfläche fotografierst, fehlt es dem Bild an einem Motiv, das den Betrachter hineinzieht. Es kann ein Steg sein, ein Ast oder ein Gegenstand, den du in den Mittelpunkt oder, nach den Regeln des Goldenen Schnittes, an die Seite des Fotos rückst.

Die Wintertage spontan nutzen

Bei uns in Brandenburg hat der Winter in aller Regel nur ein Gastspiel. Nach einigen Tagen ist alles schon wieder vorbei. Möchtest du schöne Fotos aufnehmen, einen Spaziergang am zugefrorenen See genießen oder mit dem Nachwuchs rodeln gehen, solltest du dir nicht allzu viel Zeit lassen. Wenn die Temperaturen über den Gefrierpunkt steigen, ist es mit der Pracht schnell wieder vorbei.

Für Spiel und Spaß auf dem Eis braucht es mindestens eine Woche, bei denen die Temperaturen nachts idealerweise zweistellige Minuswerte erreichen. Tagsüber sollte das Thermometer nicht in den Plusbereich rutschen.

Vielleicht sind die Wintertage bei uns so besonders, weil sie so selten sind. Es gab Jahre, in denen wir überhaupt keinen Schnee hatten. Doch irgendwie gehört er zum Winter doch dazu. Auch, wenn der Sommer unsere schönste Jahreszeit ist: Die Momente draußen im Schnee bleiben jedes Jahr in Erinnerung. Und sie bringen wunderbare Fotos hervor.

Und was ist mit den Wasservögeln?

Enten, Lietzen, Graugänse und Schwäne verbringen die Winter an der Havel und sind an die verschiedenen Witterungsbedingungen angepasst. Sie futtern sich im Herbst ein Polster an, sodass sie im kalten Wasser gut überleben können. Und sie finden ausreichend Nahrung: Es ist nicht nötig, sie zu füttern.

Die vereiste Havel stellt die Vögel jedoch vor besondere Herausforderungen. Schon als Kinder mussten wir zusehen, wie sich einige Tiere nicht mehr fortbewegen konnten, weil sie im Eis eingefroren waren. Wenn die Frostperiode anhielt, war das ihr sicherer Tod. Doch die meisten überleben den Winter unbeschadet: Sie ziehen sich in die Bereiche zurück, in denen das Wasser offen bleibt. Dort finden sie Nahrung und können unbeschadet im eisigen Wasser schwimmen.

Ist die Winterperiode lang, ist das für die Wasservögel eine herausfordernde Zeit. Schwache Tiere überstehen die Zeit nicht immer. Es ist aber nicht bekannt, dass besonders viele Vögel im Winter verenden. Da sie hier leben, können sie mit den Frostperioden gut umgehen.

Die Havel im Winter – wenn sich die gewohnte Landschaft verändert

Die Havel formt im Winter ein Landschaftsbild, das sich von dem, was wir gewohnt sind, unterscheidet. Das blaue Wasser mit den leichten Wellen wandelt sich zu einer glatten, mit Schnee bedeckten Fläche. Viele Menschen zieht es hinaus in die Natur. Dick eingemummelt, genießen sie einen Spaziergang entlang des Ufers und entdecken die gewohnte Silhouette des Flusses ganz neu.

Lass dir dieses Erlebnis nicht entgehen. Egal, ob du an der Havel wohnst oder einen Urlaub geplant hat: Sie hat in jeder Jahreszeit ihren Reiz. Wenn du gern am Wasser unterwegs bist, wirst du dich ihm nicht entziehen können. Mit ein Vorsicht und einem offenen Auge bist du sicher unterwegs und nimmst Eindrücke und Fotos mit nach Hause, die Seltenheitswert haben und genau deshalb in Erinnerung bleiben.

Miniserie: Die Havel im Wandel der Jahreszeiten

Havel im Winter – Beobachtungen bei Eis und Schnee
Havel im Frühling – Beobachtungen in der erwachenden Natur
Havel im Sommer – Beobachtungen auf dem Wasser
Havel im Herbst – Beobachtungen in vielen Farben

Der Wintertext ist online. Frühling, Sommer und Herbst folgen im Verlauf des Jahres.

⬆️ Nach oben



HB 2026-02

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert