Kurfürstendamm: Berlins berühmter Boulevard
Der Kurfürstendamm in Berlin ist seit seiner Eröffnung im Jahre 1886 ein Boulevard mit besonderem Flair. Einst fuhr dort eine der ersten Berliner Straßenbahnen. Schnell entwickelte sich die Straße zu einer Amüsiermeile mit Kinos, Cafés und Geschäften. Bis in die 1930er-Jahre pulsierte dort das Leben. Dann kamen Krieg und Zerstörung. Während der Zeit der Teilung baute West-Berlin den Ku’damm zu seinem Zentrum aus. Nach der Wiedervereinigung hat die Pracht ihren einstigen Glanz verloren. Der Kurfürstendamm ist heute Teil der City West und bewegt sich zwischen Historie und Moderne. Doch beim genauen Hinschauen findest du noch Spuren aus der alten Zeit. Komm mit, auf die einstige Prachtstraße von West-Berlin!
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Das erste Mal auf dem Ku’damm in Berlin
Am 11. November 1989 waren wir das erste Mal auf dem Kurfürstendamm in West-Berlin. Die Menschen drängten sich auf der Straße. Es gab heißen Tee. Gratis, versteht sich, denn wir hätten ihn nicht bezahlen können. Dass dieser Ku’damm nicht autofrei war, wussten wir an diesem kalten Abend im Spätherbst nicht. Wir dachten, es wäre eine Flaniermeile für Fußgänger.
Es war kalt. Unser knapp zwei Jahre alter Sohn saß in einem warmen roten Fußsack. Der Kinderwagen war ebenso rot. Wir hatten ihn von einer Freundin geliehen, die eine Tochter hatte. geliehenen Kinderwagen mit warmem Fußsack. Er war rot, weil die Mama eine Tochter hatte. Wir besaßen nur noch einen leichten Buggy, der für einen Fußsack ungeeignet war. Unser Sohn wollte am allerliebsten laufen. Doch an diesem Wochenende ging das nicht.
Seine Jacke war blau, die Mütze ebenso. Einige Passanten schauten uns an. War es wegen dem Kinderwagen aus der DDR oder der ungewöhnlichen Farbkombination? Unser Sohn fühlte sich wohl, unter dem roten Fußsack. Damals waren ihm die Farben noch egal. Was dieser Tag für eine Bedeutung hatte, konnte er noch nicht realisieren. Irgendwann schlief er ein.

Unser erster Besuch auf dem Ku’damm liegt nun schon so viele Jahre zurück. Aber trotzdem spüre ich immer noch diesen Hauch der Zeit, der uns damals, nach der Grenzöffnung, getragen hat. Wenn du heute über den Ku’damm fährst, ist von damals leider wenig geblieben. Das einstige Zentrum West-Berlins hat an Bedeutung verloren.

So erreichst du den Ku’damm
Das Autofahren auf dem Ku’damm ist heute kein Vergnügen mehr. Seit mehreren Jahren ist die rechte Fahrspur für Busse, Taxis, Einsatzwagen und Fahrräder reserviert. Auf der linken Spur rollt der Verkehr schleppend von einer Ampel zur anderen. In der Mitte gibt es öffentliche Parkplätze, aber die Gebühren sind hoch. Am besten entdeckst du den Kurfürstendamm mit dem Fahrrad oder während eines Spaziergangs. Die Straße ist etwa 3,5 Kilometer lang und erstreckt sich von der Kaiser-Wilhelm-Gedächtsniskirche bis zum Rathenauplatz in Halensee.

Wenn du am Bahnhof Zoo aussteigst, läufst du nur wenige Minuten zum gegenüberliegenden Breitscheidplatz. Dort mündet die Tauentziehnstraße in den Kurfürstendamm. Unter dir fährt die U8. Außerdem passieren mehrere Buslinien die Straße. So hast du bei einem Spaziergang jederzeit eine sehr gute Anbindung an den Nahverkehr. Die Fußwege sind breit, gute Restaurants oder preiswerte Fast Food Ketten laden auf dem Ku’damm zum Verweilen ein. Je weiter du dich von der Gedächtniskirche entfernst, desto unspektakulärer sind die Geschäfte. Statt Luxusmarken findest du Drogerien, Supermärkte und Bäckereien. Der Vorteil ist, dass das Einkaufen mit jedem Kilometer, den du in Richtung Halensee zurücklegst, günstiger wird.
Am schnellsten geht es mit dem Fahrrad
Mit dem Fahrrad sind wir schon oft über den Kurfürstendamm gefahren. Es macht Spaß. Aber wenn dichter Busverkehr ist, kann es anstrengend werden. Nicht jeder Busfahrer hält sich an den gebotenen Abstand zum Radfahrer. Mancher erwartet, dass du Platz machst. Dennoch bist du mit dem Rad deutlich schneller, als mit dem Auto.

Tipp:
Lasse dein Auto auf einem Parkplatz am Rande Berlins stehen und fahre mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Bahnhof Zoo. Von dort aus erkundest du den Ku’damm zu Fuß. Möchtest du ein Fahrrad mitnehmen, ist das in allen Verkehrsmitteln mit Ausnahme der Busse möglich.
Kleine Geschichte des Ku’damms
Der Name „Kurfürstendamm“ geht auf den Kurfürsten Joachim II. zurück. Dieser ließ im Jahre 1542 in dem unwirtlich sandigen und morastigen Gelände zwischen dem Berliner Schloss und dem Jagdschloss Grunewald einen Damm anlegen. Die Piste war als Reitweg gedacht. Sie war mit Knüppeln befestigt. Die Nutzung war dem Adel vorbehalten. Das Wort „Knüppeldamm“ hat seinen Ursprung aus der Bauweise, die im 16. Jahrhundert für die Befestigung von Wegen üblich war.
Bis zum Jahre 1873 behielt der Kurfürstendamm seinen eher bemitleidenswerten Zustand. In diesem Jahr beschloss Otto von Bismarck, den „Knüppeldamm“ zu einem Prachtboulevard auszubauen. Als Vorbild diente der Champs-Élysées in Paris. In dieser Zeit entstanden die Häuser der Gründerzeit, von denen die Straße heute in vielen Bereichen noch gesäumt ist.

1886 war der Kurfürstendamm fertiggestellt. Bis in die 1920er-Jahre entwickelte er sich zu einer Amüsiermeile mit Kinos, Caféhäusern und Restaurants.
Das Zentrum von West-Berlin
Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Gebäude entlang des Kurfürstendamms zerstört. Der Senat in West-Berlin ließ die Lücken mit modernen Bauten schließen und gestaltete die Straße als neues Zentrum der westdeutschen Enklave, die ab 1961 von einer Mauer umschlossen war. Die Prachtstraße „Unter den Linden“ befand sich im Osten der Stadt.

FF002774-0008 / Brodde / CC-BY-SA 3.0 DEFünf Dinge, die du auf dem Ku’damm entdecken und erleben kannst
Auf den ersten Blick ist der Kurfürstendamm ein Boulevard, wie es ihn in vielen anderen Städten auch gibt. Wenn du das Besondere suchst, musst du etwas genauer hinschauen. Wir können uns noch an die historischen Kinos, das Kranzler und an legendäre Restaurants erinnern.
Leider haben wir darauf beschränkt, die Gebäude von außen anzuschauen. Heute würde ich gern einen Film im Marmorhaus schauen oder im Kranzler ein Stück Kuchen vom Tortenwagen genießen, das mir ein Kellner im Frack kredenzt hat. Beginnen wir doch gleich mit der traditionellen Kaffeehauskultur, für die der Kurfürstendamm einst berühmt war.
Das Café Kranzler – ein Schriftzug steht unter Denkmalschutz
Wir hatten in der DDR gehört, vom Café Kranzler, in dem ältere Damen, damals trugen sie einen Hut, ihre Kuchenschnittchen bei einer Tasse Kaffee genossen. Meine Omi gehörte dazu, wenn sie ihre Bekannten in West-Berlin besuchte. Rentner durften die DDR verlassen, sie wurden für das System nicht mehr gebraucht. Und Udo Lindenberg sang davon, in einem Song, den wir als Teenager rauf und runter hörten.
In fünfzehn Minuten ist der Russe auf dem Kurfürstendamm.
Udo Lindenberg: In 15 Minuten. Song aus dem Jahre 1984
Wir wollten dieses Café Kranzler sehen, als wir uns am Abend des 11. November mit unserem Sohn in der Menschenmasse über den Kurfürstendamm schieben ließen. An dem Abend begegnete uns keine elegante Dame mit Hut. Und wenn, hätten wir sie vermutlich nicht wahrgenommen. Doch wir kamen immer wieder. Der Ku’Damm wurde zu einem unserer Lieblingsplätze in Berlin.

Im Jahre 1825 gab es einen Zuckerbäckergesellen, der an der Ecke Friedrichstraße/Unter den Linden eine winzige Bäckerei eröffnete. Sein Name war Johann Georg Kranzler.
1932 gehört das Unternehmen der Berliner Hotelbetriebs AG. Es zog mit dem mittlerweile berühmten Café in den pulsierenden Berliner Westen. An der Ecke Joachimstaler Straße hatte gerade das „Café des Westens“ geschlossen. Die AG mietete die Räume und etablierte die traditionelle Wiener Kaffeehauskultur im neuen Café Kranzler. Schnell wurde es zum „biebtesten Eck der Stadt“.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zerstört. Der Wiederaufbau im heutigen Stil erfolgte durch den Architekten Hanns Dustmann im Jahre 1958, nachdem die Gäste in den Jahren zuvor in einem Provisorium bewirtet wurden.
Im Jahr 2000 erfolgte die Schließung, die Rotunde wurde nach Plänen von Helmut Jahn neu umbaut. Ab 2027 soll dort wieder ein Café einziehen. Betreiber ist die Berliner Kaffeehauskette The Barn.
Derzeit erinnert nur noch der Schriftzug an vergangene Zeiten. Die Rotunde, die von dem Neubau umschlossen wird, steht unter Denkmalschutz. Deutlich sichtbar ist der kleine Turm mit dem Kranzler-Schriftzug. Vielleicht können wir dort bald mal einen Kaffee trinken!
Luxusmarken und dieses besondere Flair
Zur Wendezeit war es auf dem Kurfürstendamm noch richtig cool. Wir drückten uns die Nase platt, um die Ferrari und Porsche in den Autohäusern anzuschauen. Große Namen, die wir zum Teil gar kannten, prangten über den Geschäften. Gucci. Chanel. Rolex. Es war eine andere Welt.

Die großen Autohäuser sind heute verschwunden: Porsche, Ferrari und Tesla kannst du auf dem Ku’damm leider nicht mehr bewundern. Doch die Luxusmarken sind immer noch vertreten. Die Flaniermeile ist bei Prominenten aus aller Welt beliebt, die nach Berlin zu Besuch kommen.
Autos bewundern auf dem Ku’damm
Dass auf dem Ku’damm Autos fahren, wussten wir an unserem ersten Abend nicht. Wir dachten, es wäre eine Einkaufsstraße. Die wohl bekannteste Straße in West-Berlin war am Wochenende nach der Grenzöffnung für Autos gesperrt, damit die Menschen feiern konnten.
Heute ist der Kurfürstendamm eine Empfehlung, wenn du schnelle und seltene Autos bewundern möchtest. Wer einen Ferrari, Lamborghini oder Maserati besitzt, dreht vornehmlich am Abend gern ein paar Runden auf dem Ku’damm oder parkt sein Auto dort, um sichtbar zu sein.

Für unsere halbwüchsigen Söhne war der Kurfürstendamm stets ein Highlight. Heute tummeln sich nicht nur Privatpersonen, sondern auch Influencer mit ihren teuren Autos auf der einstigen Prachtstraße, um anzugeben und Likes zu sammeln. Manchmal kommt es zu einem Massenansturm, den die Polizei regulieren muss. Wer gerne Autos bestaunt, kommt in jedem Fall auf seine Kosten.
Die Kinos am Kurfürstendamm
Zwischen 1913 bis in die 1980er-Jahre hinein gab es am Kurfürstendamm bis zu 22 Kinos. Heute sind nur noch zwei Spielstätten in Betrieb.
Astor Film Lounge am Kurfürstendamm 225. Es befindet sich im Gebäude des ehemaligen Filmpalasts Berlin, der in den 1980er-Jahren eröffnet wurde. Dort waren wir einmal im Kino. Es öffnete sich ein dicker rubinroter Samtvorhang. Die Sitze waren bequem, wir bekamen Getränke und Käsehäppchen gereicht. Beides mussten wir zusätzlich zahlen. Aber es war ein Erlebnis.
Cinema Paris mit der Hausnummer 211. Dieses Kino befindet sich seit 1950 im Maison la France. Die französische Besatzungsmacht rekonstruierte das vom Krieg beschädigte Gebäude und eröffnete ein Kulturhaus, das bis heute unverändert blieb.
Das Marmorhaus
Das erste Kino wurde am Kurfürstendamm im April 1913 eröffnet. Es ist das Marmorhaus, das seinen Namen von der Fassade erhielt, die aus schlesischem Marmor gefertigt wurde. Hugo Pál entwarf das Gebäude, das den Krieg weitgehend unbeschadet überstand und bis heute in altem Glanz erstrahlt.
Bis zum Jahre 1974 befand sich ein großer Kinosaal in dem Haus. Später wurden zusätzlich vier kleinere Säle in den oberen Stockwerken installiert. In den sogenannten „langen Filmnächten“ konnten Besucher mehrere Filme mit einer Eintrittskarte anschauen.
Gegen die Konkurrenz durch die neu entstehenden Multiplex-Kinos konnte das Marmorhaus nicht bestehen. Im Jahre 1997 wurden die kleinen Schachtelkinos wieder entfernt. Vier Jahre später schloss das Kino endgültig.
Das Gebäude wurde entkernt und zu einem Warenhaus umgebaut. Lange hatte es die Modekette ZARA angemietet. Im Jahre 2020 zog die chinesische Marke MUJI mit einem Flagshop-Store dort ein.
Leider haben wir das Kino nie besucht. Wenn du heute durch den Store bummelst, kannst du die ehemaligen Säle nur noch sehr vage erkennen. Doch allein die historische Fassade des Marmorhauses ist es wert, dass du dort einmal vorbeischaust. Es befindet sich gegenüber der Gedächtniskirche.

Union Palast – spätere Filmbühne Wien
Etwa ein halbes Jahr nach dem Marmorhaus eröffnete nur wenige hundert Meter weiter mit dem Union Palast ein weiteres Kino. Es war der zweite monumentale Kinopalast, der den kleineren Ladenkinos am Boulevard Konkurrenz machte.
Im Jahre 1924 übernahm die UFA das Haus und nutzte es als Premierenkino. Im Erdgeschoss befand sich das „Café des Westens“. Der Kurfürstendamm 22 wurde zu einer der ersten Adressen für Kinogänger. Der Saal fasste 850 Zuschauer. Die Fassade im Stil des wilhelminischen Klassizismus mit tempelartigen Säulen und drei großzügigen Einlassportalen, entworfen von den Architekten Günther Nentwich und Karl Wilhelm Simon, überstand den Zweiten Weltkrieg mit kleineren Schäden, die repariert werden konnten. Die Wiedereröffnung erfolgte als Filmpalast Wien. Legendär war die gebogene Cinemascope-Leinwand, die im Jahre 1953 als erste in Berlin installiert wurde.
In den 1970er-Jahren erfolgte ein Umbau, bei dem aus einem großen acht kleine Kinosäle entstanden. Das Konzept war nur mäßig erfolgreich. Im Jahr 2000 schloss das Kino nach 87 Jahren Spielzeit.

Seit 2013 befindet sich der Apple Flagship Store in dem Gebäude, das unter Denkmalschutz steht. So kannst du die Gestaltung der Fassade auch heute noch bewundern. Sogar die Schaukästen für die Filmplakate gibt es noch. Dort siehst du Werbung für die neuesten iPhones. Am Release-Day gibt es regelmäßig lange Schlangen … so wie einst, wenn gute Kinofilme liefen.

Das Universum Kino – ein Meisterwerk von Erich Mendelsohn
Im Jahre 1928 ließ die UFA ein weiteres Kino am Kurfürstendamm errichten. Sie engagierte den Stararchitekten Erich Mendelsohn, der ein für damalige Zeiten futuristisch anmutendes Gebäude im Stil der Neuen Sachlichkeit und des Expressionismus errichten ließ. Es entsteht das modernste Großkino in Europa mit Plätzen für 1.800 Zuschauer und einer perfekten Sicht von jedem Sitzplatz aus. Viele Premieren finden im Universum statt.
Im Zweiten Weltkrieg brennt das Gebäude aus, die prächtige Innenausstattung wird nicht mehr rekonstruiert. Die Hülle entsteht nach dem Vorbild des Architekten, die Spielstätte wird ab den 1950er-Jahren als Capitol-Kino weiter betrieben, doch der Erfolg bleibt aus. 1973 wird das Kino geschlossen, das Gebäude ist dem Verfall preisgegeben.
Im Jahre 1978 sucht die Schaubühne, die am Halleschen Ufer ihre Spielstätte hat, nach größeren Räumlichkeiten. Das ehemalige Universum steht aufgrund der Leistung des Architekten Mendelsohn unter Denkmalschutz. Das Land Berlin kauft es und beauftragt Jürgen Sawade mit der Rekonstruktion im Stil des Originals von 1928. Im Inneren installiert der Architekt ein flexibles Raumtheater ohne feste Bühne und Zuschauerreihen. So können bei Bedarf drei Säle gleichzeitig bespielt werden. Möglich machen dies versenkbare und verschiebbare Elemente, die in den Boden eingelassen sind.

Die Wiedereröffnung erfolgt 1981. Das Haus hat sich als eine der beliebtesten Sprechbühnen Deutschlands etabliert. Die Inszenierungen sind oft radikal und sehr modern.
Die Schaubühne befindet sich an der Ecke Kurfürstendamm/Lehniner Platz.
Restaurants auf dem Kurfürstendamm
Von günstig bis richtig teuer: Die Auswahl an Restaurants auf dem Ku’damm ist so groß, dass garantiert das Richtige für dich dabei ist. Wenn du schon etwas länger auf dem Havelblog unterwegs bist, dann weißt du, dass wir nicht unbedingt die Kulinariker sind. Ein klassisches Menü zu einem guten Preis ist für uns genau das Richtige. Das finden wir im Altberliner Restaurant gegenüber dem Café Kranzler. Dort bekommst du Currywurst, Kartoffelsuppe, ein Wiener Schnitzel oder mit Käse überbackene Nachos, die nicht gesund, aber „dafür“leider“ sehr lecker sind.

Etwa zwei Kilometer weiter in Richtung Rathenauplatz findest du auf der rechten Seite die griechische Kette Niko. Die Restaurants tragen eigentümliche Namen, auf dem Ku’damm kannst du das „Ach, Niko, Ach“ besuchen. Wir mögen die griechische Küche, bei Niko ist das Knoblauchbrot besonders lecker.
In der Mitte des Boulevards gibt es ein Block House. Dort werden leckere Steaks und Burger serviert Die Restaurants sind immer gut besucht, aber auch perfekt organisiert. Du kannst dort keine Tische bestellen, wartest aber nicht lange. Auch dieses Konzept mögen wir gern. Für ein luxuriöses Essen am Ku’damm können wir leider keine Empfehlung geben. Bis 2023 wäre es das Rheinhard’s gewesen. Doch es musste leider schließen.
Von Kempinski bis Rheinhard: Die Adresse Kurfürstendamm 27
An der Ecke Kurfürstendamm/Fasanenstraße befindet sich eine kulinarische Adresse, an der sich einst die Stars und Sternchen tummelten. Von Sophia Loren bis Mario Adorf, von Udo Walz bis Udo Lindenberg ließen sich Prominente in dem Restaurant verwöhnen.
An der Ecke eröffnete die Familie Kempinski bereits im Jahre 1918 an der Ecke ein Restaurant mit angegliedertem Delikatessengeschäft. In den 1920er-Jahren gehörte das Kempinski-Restaurant zu den ersten Adressen für gehobene Esskultur in Berlin.
Im Jahre 1937 untersagten die Nationalsozialisten der jüdischen Familie den Betrieb. Das Restaurant wurde verkauft und im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Neuer Hotspot in West-Berlin
Im Jahre 1952 bauten die Erben gemeinsam mit Investoren an gleicher Stelle das berühmte Hotel Kempinski mit einem Restaurant gehobener Klasse, das die Berliner „Kempi“ nannten. Es wurde Treffpunkt vieler Persönlichkeiten. Udo Lindenberg wohnte dort zeitweise, er pendelte zwischen Hamburg und West-Berlin, bevor er sich 1995 final im Hamburger Hotel Atlantis einmietete.
In den 1970er und 1980er Jahren war das Kempinski Hotel Bristol am Kurfürstendamm 27 Udo Lindenbergs Stamm-Residenz in Berlin. Wenn er in der Stadt war, wohnte er im Hotel und war Stammgast im dazugehörigen Eck-Restaurant und auf der berühmten Ku’damm-Terrasse.
Udo trank dort nicht nur Kaffee. Es ist unter anderem dokumentiert, dass er im Kempinski am Ku’damm gern seinen geliebten Eierlikör genoss. Als er im Jahr 1983 für sein berühmtes Konzert im Palast der Republik nach Ost-Berlin reiste, wohnte er im Kempinski und stärkte sich vorab mit einem Eierlikör.
Seit 2017 heißt das dem Restaurant angeschlossene Hotel nur noch „Bristol“, weil sich die Kempinski-Gruppe als Betreiber zurückzog. Das angeschlossene Restaurant wurde bis zum Jahr 2000 als „Kempi-Café“ weitergeführt. Dann verpachtete der Betreiber es an den Berliner Gastronom Reinhard Valentin. Dieser betrieb das Restaurant bis 2023 als Brasserie mit österreichischen, italienischen und französischen Spezialitäten. Legendär war das Schnitzel, das klassisch mit einem Kartoffel-Gurken-Salat und Preiselbeeren serviert wurde. Der Preis lag in den 2010er-Jahren bei etwa 30 EUR.

So endet eine Tradition, die sich mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts am Kurfürstendamm zu etablieren begann. Nach der Eröffnung des Boulevards zog das Leben nur zögerlich von der Mitte in den Westen um. Neben den Kinos waren es die Restaurants, die dem Ku’damm bis zum Zweiten Weltkrieg und in der West-Berliner Epoche seinen Glanz verliehen.
Kurfürstendamm: Du solltest ihn einmal gesehen haben
In vielen Reiseführern ist der Kurfürstendamm heute nicht mehr als Highlight von Berlin erwähnt. Er ist Teil der modernen City West, die sich mit Flaniermeilen, modernen Bauten und Kulturstätten neu zu erfinden versucht. Mit der Universität der Künste und der Technischen Universität hat die Wissenschaft im Berliner Westen ebenfalls ihren Platz.
Nachdem viele historische Gebäude umgewidmet wurden, ist es die bewegte Vergangenheit, die dem Kurfürstendamm in Berlin heute seinen größten Glanz verleiht. Vom Knüppeldamm für die preußischen Adligen auf dem Weg zur Jagd über den Glamour der 1920er- und 1930er-Jahre bis zum schillernden Mittelpunkt West-Berlins, sucht der Ku’damm heute nach einem Alleinstellungsmerkmal.
Auch wenn der einstige Glanz verblasst ist, solltest du den Kurfürstendamm einmal besuchen. Vielleicht gelingt es dir, die vergangenen Zeiten hinter den historischen Fassaden zu entdecken.


ISSN 3053-6731
HB 2026-34


