Insel Poel: Ruhige Strände und Natur an der Ostsee

Insel Poel: Ruhige Strände und Natur an der Ostsee

Die Insel Poel ist ein besonderes Urlaubsziel an der Ostsee. Im Vergleich mit Rügen, Usedom oder dem Darß ist die Insel vor den Toren der Hansestadt Wismar weniger bekannt. Das ist ein Vorteil für Urlauber, die Ruhe und pure Natur suchen. Poel hat wunderschöne Strände, drei Häfen, zwei Leuchttürme und urige Dörfer. Ich habe die Insel als Teenager das erste Mal besucht: Damals gehörte Poel zum Bezirk Rostock in der DDR. Faszinierend ist, dass sich seitdem nicht viel verändert hat. Die historischen Häuser der Inselbewohner sehen freundlicher aus. Neue sind hinzugekommen. Was fehlt, sind große Hotels und eine Strandpromenade mit lebendigem Nachtleben. Wenn du auf beides verzichten kannst, ist Poel für dich ein echter Geheimtipp.

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Die Steilküste befindet sich im Westen der Insel Poel. Hier wird das Land mit jedem Jahrzehnt ein Stückchen kleiner.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Poel gehört mit einer Fläche von 36 km² zu den kleineren Ostseeinseln
  • Du erreichst die Insel mit dem Auto über die Hansestadt Wismar
  • Ferienwohnungen, kleinere Hotels und Pensionen sowie ein Campingplatz bieten Möglichkeiten zur Übernachtung
  • Am Schwarzen Busch und in Timmendorf gibt es zwei schöne Sandstrände
  • Entdecke die Insel auf Wanderungen oder mit dem Fahrrad

Eine Insel, die sich nur wenig verändert hat

Die Insel Poel lernte ich im Jahre 1987 kennen. Mit meinem Freund fuhr ich schwanger auf einer S51 von Crivitz im Landkreis Schwerin über Bruel und Warin nach Wismar. Der Hintern brannte, aber nun war es nicht mehr weit. Heute gibt es die Strecke nicht mehr: Sie wurde durch den Bau der Autobahn A20 verändert.

Mein Freund verbrachte mit seiner Oma in jedem Jahr die Sommerferien auf dem Campingplatz in Timmendorf. Der Ort liegt im Westen der Insel. Verwechsle ihn nicht mit dem bekannten Timmendorf Strand, der in der Lübecker Bucht liegt. Bis heute kannst du auf dem Campingplatz Leuchtturm direkt am Strand deinen Urlaub verbringen.

Blick auf die Mole in Timmendorf. Sie begrenzt den kleinen Hafen und ist bei Spaziergängern beliebt. Von dort aus kannst du den Sonnenuntergang beobachten. Wir mussten nach der Aufnahme des Fotos ins Trockene flüchten: Der Regenguss, der uns erwartete, war heftig.

Die Ostsee – das beliebteste Urlaubsziel in der DDR

Viele DDR-Bürger verbrachten ihren Urlaub an der Ostsee. Meine Eltern fuhren mit uns nach Graal Müritz, nach Binz auf Rügen oder nach Boltenhagen. Von Poel hatte ich noch nie etwas gehört. Doch mich faszinierte die kleine Insel sofort. Sie unterscheidet sich von den größeren Ostseebädern: Anstelle der Bettenburgen, die sich an der Küste entlang ziehen, wirst du von Beschaulichkeit, Ruhe und purer Natur empfangen.

Mit dem Moped fuhren wir die enge kurvige Straße entlang, die von Wismar nach Poel führt. Wir passierten die kleine, eher unscheinbare Brücke, die Groß Strömkendorf auf dem Festland mit Fährdorf auf der Insel verbindet. Rechts und links erstreckte sich die Ostsee. Das Wasser war spiegelglatt. Ich kannte nur die schäumenden Wellen vor Graal Müritz oder Binz und war sofort eingenommen.

Das Gefühl von damals

Wenn wir heute mit unserem Cabrio nach Poel fahren, ist das Gefühl von damals sofort wieder da: Wir spüren den Wind, die klare Luft, wir sehen die weiten Felder und den gelb leuchtenden Raps. Die Inselbrücke mit ihren orangefarbenen Gittern ist immer noch unscheinbar. Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit.

Nach wenigen Minuten erreichen wir das Zentrum der Insel: Kirchdorf. Hier leben die meisten Einwohner, es gibt eine gute Infrastruktur und die Kirche, die dem Dorf ihren Namen schenkte.

Wir fahren am Hafen von Kirchdorf vorbei, lassen den Ort hinter uns und benötigen eine knappe Viertelstunde, bis wir an der Westküste der Insel in Timmendorf ankommen. Hier befindet sich der einzige Campingplatz der Insel, auf dem wir bis zum Anfang der 1990er-Jahre erst allein, später mit unseren älteren Kindern, bei der Oma meines Mannes unseren Urlaub verbracht haben.

Timmendorf ist der Ort, in dem mein Mann während seiner Kindheit die Sommer verbrachte. Heute ist es dort ein wenig moderner als damals. Doch wenn wir alte Fotos aus dieser Zeit anschauen, ist der Wiedererkennungswert hoch.

Die Fahrt von Fährdorf nach Timmendorf führt dich von der Ostküste zur Westküste der Insel. Du hast etwa 15 Kilometer zurückgelegt und zwei der drei größten Orte kennengelernt. Ein mehrstöckiges Hotel mit Meerblick ist dir nicht begegnet. Das ist es, was Poel ausmacht: Beschaulichkeit, Entschleunigung und das Gefühl, dem Alltag zu entfliehen.

Eine Insel – 15 Dörfer

Poel gliedert sich in 15 kleine Dörfer. Kirchdorf ist das Zentrum der Insel: dort leben etwas mehr als 1.000 Menschen. Seedorf hat 14 Einwohnern und ist der kleinste Wohnplatz. Dann gibt es noch Einhusen. Dort steht ein Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert, in dem zeitweise Ferienwohnungen vermietet werden.

Bist du auf der Insel unterwegs, dominieren Einfamilienhäuser in unterschiedlichen Stilen. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges verzeichnete die Insel einen Zuwachs an Bewohnern: Du siehst viele der typischen Häuser aus der DDR-Zeit. Nach der Wende haben vornehmlich junge Familien auf der Insel gebaut.

In Kirchdorf gibt es die einzigen Plattenbauten auf Poel. Sie stehen in Kontrast zu den historischen Reetdachhäusern, die du vereinzelt entdeckst. Das Nebeneinander der verschiedenen Architekturstile zeigt, das Poel eine bewegte Vergangenheit hat.

Einst lebten Fischer auf Poel. Bis heute liegen noch einige Boote im Timmendorfer Hafen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Flüchtlinge aus den Ostgebieten auf der Insel angesiedelt. Zwischen 1949 und 1990 gehörte Poel zur DDR. Nach der Wende etablierte sich die Insel als Urlaubsziel für Gäste, die fernab vom Trubel der mondänen Seebäder ihren Urlaub an der Ostsee verbringen möchten.

Auf Poel besuchen wir bevorzugt drei Orte. In Kirchdorf kaufen wir ein. Wir mögen den Hafen und die urige Atmosphäre im Ortskern. Von Timmendorf, unserem ersten gemeinsamen Urlaubsort, habe ich schon erzählt.

Oertzenhof hat den schönsten Strand auf der Insel und einen herrlichen Wanderweg, auf dem du entlang der Küste nach Timmendorf laufen kannst. Zufällig haben diese drei Orte die meisten Einwohner. Bist du auf Poel unterwegs, solltest du sie kennenlernen.

Kirchdorf

Kirchdorf ist der Hauptort auf der Insel Poel. Hier findest du Einkaufsmöglichkeiten und, bei Bedarf, eine medizinische Versorgung. Vom Festland fährst du fünf Minuten mit dem Auto. Die Entfernung beträgt etwa vier Kilometer.

Einen Strand hat Kirchdorf nicht. Der Ort liegt an der Kirchsee. Das Gewässer wird von den beiden Inselhälften umschlossen. Die Kirchsee fließt in die Wismarer Bucht. Das Wasser ist seicht und flach. Grundsätzlich kannst du dort baden gehen, doch vornehmlich wird das Gewässer von Booten und einer Fähre genutzt, die Wismar mit Poel verbindet. Bis zum Sandstrand am Schwarzen Busch sind es etwa zwei Kilometer.

Im Ort gibt es eine Schule, in der Kinder und Jugendliche von der Insel und aus Wismar bis Klasse Zehn beschult werden. Der Kindergarten befindet sich ebenfalls in Kirchdorf. Die Insel hat einen Fußballverein und eine Feuerwehr.

Gute Versorgung und kleine Sehenswürdigkeiten

Wer auf Poel wohnt, muss die Insel zum Zwecke der eigenen Versorgung nicht verlassen. Das gilt auch für die Gäste: Der Supermarkt hat sogar am Sonntag geöffnet. Das kennen wir aus unserer Kleinstadt nicht.

In Kirchdorf sind der Hafen und die Kirche besonders sehenswert. Wenn du am Abend spazieren gehst, umfängt dich auch mitten in der Hochsaison eine angenehme Ruhe. Die Menschen sind freundlich. Man grüßt sich. Wo gibt es das heute noch?

Tipp:

Probiere unbedingt das Brot vom Inselbäcker. Es wird klassisch in der hauseigenen Bäckerei hergestellt und schmeckt einzigartig gut. Außerdem bekommst du es es nur dort. Er befindet sich im Zentrum von Kirchdorf und hat bis 17 Uhr geöffnet.

Oerzenhof und Schwarzer Busch

Es ist gar nicht so leicht, die Orte auf Poel voneinander zu trennen. Oertzenhof ist mit etwa 350 Einwohnern das zweitgrößte Dorf der Insel. Es grenzt direkt an Kirchdorf. Einst war es eine landwirtschaftliche Nutzfläche. Das weite Rapsfeld, das sich zwischen Oertzenhof und der Ortslage Schwarzer Busch erstreckt, erzählt heute noch davon.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der staatlich angeordneten Bodenreform verließ die letzte Pächterin den Oerzenhof. Das Land wurde an Neubauern verteilt. So ist die Ortslage heute von Einfamilienhäusern geprägt. Die Bewohner fahren etwa einen Kilometer zum Schwarzen Busch mit seinem herrlichen Strand.

Der Name des Ortsteils, in dem 56 Einwohner leben, kommt tatsächlich von dem dichten Bewuchs, der sich an der Küste entlangzieht. Bäume, Büsche und ein Waldstück dominieren die Landschaft. Dazwischen gibt es einige wenige Einfamilienhäuser und Ferienwohnungen in bester Lage. Zum Meer musst du nur über die Düne laufen.

Am Schwarzen Busch kannst du Minigolf spielen. Es gibt Restaurants und Imbissbuden. Im Sommer ist hier einiges los. Dennoch ist es nicht mit dem Strandleben vergleichbar, das du in den Ostseebädern zwischen Wismar und Stralsund erlebst. Der Strand hinter der dichten Vegetation gehört zu unseren Lieblingsorten.

Tipp:

Wenn du deinen Urlaub auf Poel in einem anderen Dorf verbringst, kannst du mit dem Auto zum Schwarzen Busch fahren. Es gibt einen großen Parkplatz. Im Ort selbst sind Autos nicht gestattet. Der Fußweg beträgt etwa einen Kilometer. Entspannter ist es, wenn du die Strecke mit dem Fahrrad zurücklegst.

Timmendorf – ein Kontrast zu den anderen Orten auf Poel

Timmendorf ist anders, als die meisten Orte auf der Insel Poel. Obwohl nur 170 Einwohner in dem Dorf leben, ist dort immer viel los. Der Campingplatz belebt den Ort, der kleine Hafen und die Steilküste, die zu einem Spaziergang mitten in der Natur einlädt.

Der Leuchtturm weist den Booten, die in den Hafen einfahren, mit seinem Signal den Weg. Eine Promenade mit Restaurants und kleinen Geschäften rundet das Bild eines kleinen Seebades ab.

Die Steilküste lädt zu einem Spaziergang inmitten der Natur ein. Du entfernst dich von dem belebten Ort zwischen Hafen, Promenade und Leuchtturm und tauchst sofort wieder in die Natur ein. Du erreichst die Steilküste, wenn du am Hafen vorbei läufst. Es sind nur wenige Gehminuten.

Ebenso wie Kirchdorf, hat auch Timmendorf einen sehr schönen Sandstrand. Er liegt im Westen der Insel, näher an der Wismarer Bucht. Die Buhnen fehlen, es ist weniger Wellengang. Das ist für kleinere Kinder ideal. Durch den Campingplatz, der direkt hinter den Dünen liegt, ist der Strand im Sommer belebter, als am Schwarzen Busch.

Spaziergang vom Strand zur Steilküste

Wenn wir auf Poel sind, gehört ein Spaziergang durch Timmendorf zu unserem kleinen Wohlfühlprogramm dazu. Wir laufen zum Campingplatz, von dort aus gehen wir zum Strand. Dann erklimmen wir die Mole, schauen aufs Meer und gehen zum Hafen. Die Steilküste schließen wir ebenfalls in unseren Spaziergang ein.

Wir sind oft zwei Stunden unterwegs, weil wir am Strand sitzen oder am Hafen verweilen. Die klare Luft, das Meer und die schöne Umgebung schenken uns zu jeder Jahreszeit eine besondere Auszeit.

Tipp:

Timmendorf erreichst du mit dem Fahrrad oder mit dem Auto. Am Rande des Ortes gibt es einen öffentlichen Parkplatz, der gebührenpflichtig ist. Die Gehzeit zum Hafen beträgt etwa fünf Minuten. Es ist nicht ratsam, im Ort zu parken. Die Anwohner mögen das nicht und passen auf!

Unsere Lieblingsplätze auf der Insel

Seit der Fertigstellung der Autobahn A14 benötigen wir etwa zweieinhalb Stunden bis nach Timmendorf und können einen Tag auf der Insel verbringen. Es ist eine entspannte Strecke, die nicht so hoch frequentiert ist wie die Tour über die A24 nach in das ehemalige Fischerdorf Warnemünde, das gern als „Badewanne der Berliner“ bezeichnet wird.

Wohin fahren wir am liebsten, wenn wir Zeit auf der Insel verbringen? Wir haben drei persönliche Hotspots, die wir an unseren Poel-Tagen besuchen. Dort tauschen wir Erinnerungen an unsere gemeinsamen Urlaube aus. Mein Mann erzählt gern Anekdoten aus seiner Kindheit.

Wir gehen spazieren, sitzen am Strand oder schauen uns an, ob sich in den Dörfern etwas verändert hat. Unsere persönlichen Lieblingsplätze stellen wir dir kurz vor.

Der Timmendorfer Hafen

Ich habe den Hafen in Timmendorf schon mehrfach erwähnt, weil wir die Atmosphäre lieben und bei jedem Besuch auf Poel einen Stopp einlegen. Der Hafenbereich ist öffentlich zugänglich. Es gibt keine Verbote. Wenn du magst, darfst du gern über die Stege laufen oder auf der ole balancieren. Mit etwas Glück siehst du, wie das Lotsenboot ein- oder ausläuft. Auch die Seenotretter haben in Timmendorf ein Boot im Hafen liegen.

Die Fischerei verliert an Bedeutung

Es gibt sie noch, die Fischerboote in Timmendorf. Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Fischerei die bevorzugte Einnahmequelle der Inselbewohner. Auch in den 1980er-Jahren, als mein Mann die Sommerurlaube auf Poel verbrachte, gab es noch Fischer, die hauptberuflich tätig waren.

Bei unserem letzten Besuch stellte mein Mann fest, dass die Fischerboote immer weniger werden. In seinem Ursprung diente der Hafen gar nicht der Fischerei: Er entstand in den 1920er-Jahren als Hafen für Lotsenboote, die für den Schiffsverkehr zum Hafen nach Wismar eingesetzt wurden.

Der Hafen ist von einer künstlich angelegten Mole eingefasst. Diese sorgt dafür, dass das Wasser im Hafenbecken an stürmischen Tagen ruhig bleibt. Hinter der Mole erstreckt sich der breite Sandstrand.

Tipp:

Während der Saison legt das Ausflugsschiff „MS Seebär“ am Timmendorfer Hafen an. Mit etwas Glück kannst du Seehunde aus der Ferne beobachten. Mit einem eigenen Boot kannst du den Hafen ebenfalls ansteuern: Es gibt Gastliegeplätze, die du nutzen kannst.

Schwarzer Busch – der schönste Strand der Insel

Der breite Sandstrand am Schwarzen Busch hat es mir angetan. An einigen Tagen ist die See ruhig, an anderen gibt es Wellen. Das erinnert mich an die Ostsee meiner Kindheit. Meinem Mann ist der Strand in Timmendorf vertrauter.

Ich mag es, wenn das Wasser an den Buhnen bricht: Das haben wir am Schwarzen Busch schon häufig erlebt. An anderen Tagen zieht das Wasser zurück und ist sehr flach. Doch nur ein Teil des Strandes ist aufbereitet: Wenn du etwa einen Kilometer in Richtung Timmendorf läufst, begegnet dir wieder die urige Natur, die Poel so einzigartig macht. Baden kannst du auch in den hinteren Strandabschnitten. Doch du triffst in Ufernähe auf Steine und Pflanzen. Dafür hast du den Abschnitt auch an heißen Tagen ganz für dich. Bist du mit deinem Hund unterwegs oder magst du die freie Körperkultur, ist der Schwarze Busch ein kleiner Geheimtipp.

Tipp:

Du magst lange Spaziergänge? Dann laufe doch an der Küste nach Timmendorf. Es sind drei bis vier Kilometer. Zurück nutzt du den Wanderweg hinter den Dünen. Es ist ein Spaziergang in nahezu unberührter Natur.

Die Steilküste im Westen der Insel

Die Steilküste erstreckt sich vom „Faulen See“ im Süden der Insel Poel bis nach Timmendorf. Sie entstand in der Eiszeit und ist ein einzigartiges Naturphänomen. Seit meinem ersten Besuch auf der Insel vor etwa vierzig Jahren hat sich das Meer schon viel von dem Land genommen. Während der Stürme im Herbst sind die Wellen hoch und nagen an dem Ufer.

Die Steilküste setzt sich aus weichem Geschiebemergel, Lehm und Sand zusammen. In jedem Jahr trägt die Ostsee bis zu 50 Zentimeter von dem Land ab. So erklärt sich die ständige Veränderung. Bist du nur einmal im Jahr auf Poel, fallen dir die Abbrüche sofort auf.

Die Steilküste wird der Natur überlassen und nicht gepflegt. Genau das gibt ihr den besonderen Reiz. Die Anwohner, die ihre Häuser am Rande des Ortes direkt an der Steilküste haben, werden das anders empfinden. Wir lieben es, dort spazieren zu gehen.

Auch am Ufer kannst du an der Steilküste entlang wandern. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert. In der kalten Jahreszeit sollten die Schuhe wasserfest sein. Im Sommer kannst du barfuß laufen. Kinder lieben es, auf den Steinen umher zu klettern. Aber Vorsicht! Der glatte schlammige Untergrund ist nicht ganz ungefährlich. Und jeder mag ihn auch nicht.

Bitte auf kleinere Kinder achten!

Der Spazierweg oberhalb der Steilküste ist kurz. Er endet abrupt. Als wir in den 1990er-Jahren in Timmendorf unseren Urlaub verbrachten, rannte unser damals zwei Jahre alter Sohn plötzlich los und blieb wie ferngesteuert am Abhang stehen. Diese Szene ist mir bis heute nicht aus dem Kopf gegangen.

Du hast einen herrlichen Blick über das Meer und die Vogelwelt, die auf Poel ideale Bedingungen findet. An vielen Stellen gibt es die Möglichkeit, sich zu setzen und das Meer einfach nur zu genießen.

Tipp:

Im Bereich der Steilküste kannst du interessante Funde machen. Da der Sand regelmäßig abbricht, findest du mit etwas Glück einen Hühnergott, einen versteinerten Seeigel oder sogar einen Bernstein. Achte aber immer auf die Abbrüche: Die Küste arbeitet, und nicht immer sind die Bereiche von den Behörden gesperrt.

Gibt es Sehenswürdigkeiten auf Poel?

Wir sind immer auf der Suche nach Sehenswürdigkeiten, die wir fotografieren können. Sie müssen nicht spektakulär oder bekannt sein. Eine interessante Geschichte hinter dem Gebäude oder schöne Architektur faszinieren uns, egal, wo wir sind. Auch auf Poel sind für fündig geworden

Die Kirche, die Kirchdorf den Namen gab

Die Kirche ist eine Besonderheit auf der Insel: Es ist die einzige ihrer Art. Erbaut wurde sie im 13. Jahrhundert: Seit etwa 800 Jahren steht sie an ihrem Platz und gehört somit zu den ältesten, noch erhaltenen Sakralbauwerken in Mecklenburg-Vorpommern. Der Stil, eine Mischung aus Romantik und Gotik, ist auf Anbauten in den späteren Jahrhunderten zurückzuführen.

Die Dorfkirche gilt als der älteste Bau auf der Insel Poel. Sie steht zentral im Kern des Ortes an der Kirchsee. Um die Kirche herum bauten die Menschen ihre Häuser. So erhielt Kirchdorf seinen Namen.

Tagsüber ist die Kirche für Besucher geöffnet. In regelmäßigen Abständen finden dort Orgelkonzerte statt. Da wir so gern in der Natur unterwegs sind, haben wir das Innere der Kirche noch nicht besucht. Das wollen wir unbedingt nachholen.

Übrigens:

Die Kirche dient der Schifffahrt als Orientierungspunkt, da sie eines der höchsten Gebäude ist. Vom Wasser aus ist sie gut sichtbar.

Leuchtturm an der Westküste in Timmendorf

Am Hafen in Timmendorf steht ein Leuchtturm, der den Schiffern seit 1872 mit einem Leit- und Quermarkenfeuer als Orientierung dient. Vorher erfüllte eine 16 Meter hohe Spierenbarke diese Aufgabe. Im Jahre 1930 wurde der Turm angehoben. Du siehst es bis heute an der dunklen farblichen Markierung. Das Feuer leuchtet seitdem mehr als 21 Meter über dem Meer und ist weithin sichtbar.

Heute ist der Turm denkmalgeschützt. Er wurde in den 1990er-Jahren restauriert. Für den Betrieb ist die Verkehrszentrale in Travemünde zuständig. Vor Ort findest du interessante Tafeln, die über die Entstehung und die Bedeutung des Leuchtturms informieren.

Gutshaus in Brandenhusen

Brandenhusen liegt im Süden des westlichen Inselflügels. Du erreichst den Ortsteil, in dem nur 25 Menschen leben, mit dem Auto oder auf dem Fahrrad. Ein bisschen hast du das Gefühl, am Ende der Welt angekommen zu sein. Und das Gefühl täuscht dich nicht: Die Straße endete vor einem historischen Gutshaus. Es gehörte einst der Familie Schütt. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet. Während der DDR-Zeit verfiel das Haus.

Nach der Wende erwarben die Nachfahren das Gebäude und gestalteten es nach einem Teilabriss neu. In den Räumen befanden sich Ferienwohnungen. Über die derzeitige Nutzung habe ich keine Fakten gefunden. Doch die ruhige und idyllische Lage des Gebäudes am südlichen Zipfel der Insel hat uns beeindruckt.

Rückblick: Hotel Schäfer’s Eck

Ein besonders markantes Bauwerk, das dich viele Jahre bei der Anreise auf die Insel begrüßte, war das Hotel Schäfer Eck: Ein großes, mit Reet gedecktes Fachwerkhaus, das in den 1990er-Jahren entstand. Während der DDR-Zeit befand sich an der Stelle die Schäferstube. In dem Gasthaus waren wir einmal essen: Es gab deftige Küche, es war voll, aber irgendwie urig.

Nach dem Ende des Hotelbetriebs im Jahre 2021 wurde das Hotel zu einem Flüchtlingsheim. Es brannte ein Jahr später aus. Seitdem fehlt uns das markante Gebäude, wenn wir auf die Insel fahren.

Natur und Vogelwelt

Auf Poel gibt es mehrere Naturschutzgebiete, von denen einige für Besucher gesperrt sind. Dort haben seltene Vogelarten ihre Heimat und können ungestört brüten. Wenn du am Strand in der Sonne liegst oder einen Spaziergang durch die Natur unternimmst, dann fällt dir auf, dass sehr viele Vögel auf der Insel leben.

Viele Möwen leben im Hafen von Timmendorf. Sie profitieren von dem Fang der Fischer, die dort ihre Boote entleeren

Es gibt auf der Insel Langenwerder vor Gollwitz im Nordosten der Insel ein Naturschutzgebiet, auf dem seltene Vögel brüten. Ein zweites befindet sich im Südwesten der Insel am Faulen See. Zutritt haben nur Forscher und geführte Gruppen.

Wir sind bei jedem Besuch auf Poel von der urigen Natur begeistert, die uns überall begegnet. Das ist der Grund, aus dem wir mehrmals im Jahr für einen Tagesbesuch auf die Insel kommen. Wir gehen spazieren und hoffen immer, dass diese Idylle nicht eines Tages durch Investoren zerstört wird.

Abseits der Küste blickst du auf eine weite flache Landschaft, die von Wiesen und Feldern geprägt ist. Es gibt sehr gut ausgebaute Radwege auf Poel: Es empfiehlt sich, die Insel auf einer Rundtour zu entdecken.

Möchtest du Poel kennenlernen, ist ein Aufenthalt von vier bis sieben Tagen empfehlenswert. Du hast genug Zeit, um bei schönem Wetter am Strand zu liegen, eine Radtour um die Insel zu planen oder die Dörfer näher kennenzulernen. Empfehlenswert ist es, wenn du die Übernachtungen direkt auf der Insel buchst.

Wal Timmy: Kleine Insel, große Schlagzeilen

Im März 2026 war das zu dieser Zeit eher verschlafene Poel plötzlich in aller Munde. Ein Buckelwal, der vorher in der Lübecker Bucht gestrandet war, verirrte sich in die Kirchsee. Vor der Ortschaft Wangern ging es im Schlick des flachen Wassers nicht weiter: Etwa vier Wochen lag Timmy auf einer Sandbank und beschäftigte Wissenschaftler, selbst ernannte Experten und die Polizei. Sie sorgte dafür, dass das Tier nicht noch mehr gestresst wurde.

Im Osterurlaub verbringen wir regelmäßig einen Tag auf Poel. In diesem Jahr konnten wir mit dem offenen Cabrio fahren: Das Wetter war frühlingshaft warm.

Vor Wangern warfen wir aus weiter Ferne einen Blick auf Timmy und kamen mit einigen Anwohnern ins Gespräch. Sie waren genervt. Nicht von uns, den Waltouristen, von denen wir ja keine waren, weil wir jedes Jahr nach Ostern nach Poel fahren. Sie waren genervt von der Polizei, den „albernen Sperren“, wie eine junge Frau in breitem mecklenburgischen Dialekt sagte, und davon, dass dem Tier niemand half.

Später wurde Timmy durch eine Initiative privater Spender zurück in die Nordsee gebracht. Sein Schicksal blieb ungewiss. Auf Poel kehrte wieder die Ruhe ein, die wir als Gäste der Insel so sehr lieben.

Insel Poel: Strände, Natur und viel Sehenswertes

Die Insel Poel ist für Ostseeurlauber ein echter Geheimtipp: Sie hat schöne Strände, eine vielerorts unberührte Natur und viele Möglichkeiten der Übernachtung in einer eher privaten Atmosphäre. Genau dafür ist die Insel beliebt.

Planst du von Wismar oder aus einer anderen Region einen Tagesausflug, kannst du dir von der Schönheit der Insel einen ersten Eindruck verschaffen. Vier bis sechs Stunden reichen aus, um die sehenswerten Ecken kennenzulernen. Danach entscheidest du, ob du eine längere Zeit auf Poel verbringen möchtest. Fast bin ich sicher, dass du dich dafür entscheidest. Teile deinen Eindruck von Poel gern in den Kommentaren.

Die privaten Erinnerungen

Die Oma meines Mannes war in die Insel so verliebt, dass sie den Sommer sechzig Jahre lang auf dem Campingplatz in Timmendorf verbrachte. Zuerst mit ihren Kindern, dann kamen die Enkel und Urenkel. Auch ich durfte noch an den intensiven Gesprächen im Steilwandzelt teilhaben, die wir an Regentagen führten.

Es gibt nur wenige Fotos, aus dieser Zeit. Aber eins habe ich gefunden. Ein Dokument aus Jahren unseres Lebens, die ich in besonderer Erinnerung habe. Oma wurde 94 Jahre alt. Als sie nicht mehr zelten konnte, verbrachte sie trotzdem immer wieder einzelne Tage mit ihrer Familie in Timmendorf. Die Schönheit der Insel hatte sie nie wieder losgelassen. Ob es dir nach deinem Besuch auch so geht?

Häufige Fragen zur Insel Poel

Wie sind die Strände auf der Insel Poel?
Die Strände auf der Insel Poel sind ruhig, naturbelassen und weniger überlaufen als an vielen anderen Ostseebädern. Je nach Lage gibt es offene Küsten mit etwas Wind und geschützte Abschnitte mit flachem, oft wärmerem Wasser.

Ist die Insel Poel für einen ruhigen Urlaub geeignet?
Ja. Die Insel ist ideal für alle, die Ruhe, Natur und Entschleunigung suchen. Große Hotelanlagen oder stark belebte Promenaden gibt es hier nicht.

Kann man die Insel Poel gut mit dem Fahrrad erkunden?
Sehr gut. Die Insel ist überschaubar und bietet gut ausgebaute Fahrradwege abseits der Straße. Die Inselrunde lässt sich entspannt an einem Tag fahren.

Gibt es auf der Insel Poel Hotels oder Ferienwohnungen?
Es gibt einige kleinere Hotels und Pensionen, typisch sind jedoch Ferienwohnungen. Große Hotelketten sind auf der Insel nicht vertreten.

Wie erreicht man die Insel Poel?
Die Insel ist über einen Damm mit dem Festland verbunden. Von Wismar aus erreicht man sie in etwa 20 Minuten mit dem Auto. Auuch Busverbindungen und eine Fährverbindung sind vorhanden.

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HB 2025-49

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