Havel im Sommer: Beobachtungen auf dem Wasser
Tage an der Havel sind im Sommer ein wahrer Genuss. Die Monate zwischen Juni und September sind in den letzten Jahren in Brandenburg regenarm gewesen. Was für die Bauern ein großes Problem darstellt, kommt dem nach Erholung suchenden zugute: Du kannst viele Stunden am oder auf dem Wasser verbringen und die Natur genießen. Ob mit dem Boot, dem SUP, beim Schwimmen oder Ausspannen an einer der vielen Badestellen: Das Wasser der Havel ist sauber, warm, und es lädt zu einem besonderen Naturerlebnis ein. Wir leben in der Havelstadt Werder, das Wasser ist unsere Heimat. Hier sind unsere sommerlichen Beobachtungen auf dem Wasser.
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Der Sommer als schönste Jahreszeit an der Havel
Im Sommer entfaltet die Landschaft rund um die Havel ihre gesamte Pracht. Die Ufer säumen grüne Bäume. See- und Teichrosen blühen. Die Wasservögel schwimmen mit ihren heranwachsenden Jungen über die seichten Wellen. Die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung sind schnell beschrieben, doch sie haben einen hohen Erholungswert: Am Wasser sitzen, lesen und die Natur beobachten. Baden gehen. Oder mit einem Boot über die Havel schippern.

Pure Natur oder Trubel – du hast die Wahl
Die Havel hat eine Länge von etwa 340 Kilometern. Sie schlängelt sich am Rande Berlins entlang, durchfließt Potsdam, Brandenburg und weitere Städte wie Fürstenberg oder Premnitz. Doch die meisten Abschnitte sind naturbelassen und bieten beste Möglichkeiten der Entspannung. Das gilt sogar für die Metropolregion Berlin-Brandenburg, die sehr dicht besiedelt ist. Dennoch findest du auch bei uns ganz ruhige Abschnitte, an denen du im Hochsommer bei schönstem Wetter ganz allein bist.

Viele Strandbäder – eins ist besonders bekannt
Wenn du den Trubel lieber magst, eine Bratwurst und ein kühles Getränk genießen und ein wenig Ostseefeeling erleben willst, ist das an der Havel auch möglich. Es gibt zahlreiche Strandbäder, die in den Sommermonaten bewirtschaftet werden und zahlreiche Besucher anziehen. Das bekannteste von ihnen besang Conny Froboess schon vor mehr als fünfzig Jahren.
Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein, und dann nüscht wie raus nach Wannsee.
Schlager von Conny Froeboess aus dem Jahre 1951
Zugegeben: Das Strandbad Wannsee hat was. Oft haben wir es nicht besucht, aber immer hatte es einen besonderen Flair. Die Buletten sind lecker, die Rutsche macht Spaß. Nur der Untergrund gefällt uns beim Reingehen nicht besonders gut. Aber vielleicht sind wir einfach nur verwöhnt.

Das Strandbad hat nur im Sommer geöffnet und schließt, für uns ungewohnt, um 20 Uhr seine Tore. Dabei ist es gerade am Abend an der Havel so schön. Doch es gibt genug Naturplätze, an denen du die Ruhe und mit etwas Glück einen Sonnenuntergang erleben kannst.
Bleiben wir doch beim Baden gehen: Es ist für alle Altersgruppen eine beliebte Freizeitbeschäftigung im Sommer. Du kannst in der Havel sehr schön schwimmen. An vielen Stellen ist die Havel tief. Die Strömung ist sehr gering.
Die Havel als Naturparadies
An oder auf der Havel erwartet dich ein kleines Naturparadies. Du musst gar nicht suchen, sondern Augen und Ohren offenhalten. Lege dein Buch zur Seite, nimm die Kopfhörer für eine halbe Stunde heraus und schau dich einfach nur um. Wasservögel ziehen mit ihren Jungen vorbei. Gänse schnattern, Enten quaken. Sie schwimmen auf den seichten Wellen oder erheben sich in die Luft. Besonders eindrucksvoll sind die Formationen der Wildgänse. Sie leben noch nicht sehr lange an der Havel, haben sich in den letzten Jahren aber stark vermehrt.

Auf dem Wasser schwimmen sie gemächlich. Sie nehmen Futter, sind aber nicht so zutraulich, wie einige Enten oder Schwäne. Vermutlich sind die Wildgänse an den Menschen noch nicht so gewöhnt.

Schwäne habe ich schon geliebt, als ich noch ein kleines Mädchen war. Angst hatte ich von den Tieren sie. Sie sind sehr sozial, bleiben sich ein Leben lang treu und kümmern sich nahezu hingebungsvoll um ihre Jungen. Aggressiv sind sie nur, wenn sie sich bedroht fühlen.

Diese Familie verließ das Nest mit fünf Küken. Im August war die Schwanenfamilie nur noch zu Viert. Füchse, Waschbären, Greifvögel, aber auch Hechte können den Kleinen vor allem in den ersten Tagen zum Verhängnis werden.
Zum Ende des Sommers sind die Jungschwäne fast ausgewachsen. Im Gegensatz zu anderen Wassertieren ist ihr Leben auf der Havel recht sicher. Ihre Größe und Wehrhaftigkeit schrecken Fressfeinde ab.
Wo tauchen sie wieder auf?
Hinter den Schwänen sind Haubentaucher meine Favoriten. Die Wasservögel können längere Zeit unter Wasser bleiben und tief tauchen. Dabei suchen sie nach Nahrung: Fische, Krebse, Wasserinsekten und Schnecken stehen auf ihrem Speiseplan. Ab und zu fressen sie ihre eigenen Federn. Diese bieten ihrem Magen Schutz vor scharfen Fischgräten.

Haubentaucher verschwinden plötzlich und tauchen an ganz anderer Stelle wieder auf. Dem Menschen gehen sie aus dem Weg. Das seltene Foto der Haubentaucherfamilie habe ich aus weiter Entfernung aufgenommen. Leider hatte ich keine Kamera dabei. Die Vergrößerung der Smartphonebilder ist leider nicht so effektiv. Doch du siehst, dass die Eltern mit ihren fast ausgewachsenen Jungen unterwegs sind. Das Bild entstand im Juli.
Die Vogelwelt an der Havel ist sehr vielfältig. Beobachte die Tiere am und auf dem Wasser. Neben Schwänen und Gänsen sieht du Kormorane, Enten, Lietzen und den Fischreiher. Möwen sind auf der Havel ebenso heimisch. Doch sie sind kleiner als ihre am Meer lebenden Artgenossen.

Seerosen und Teichrosen – der grüne Teppich auf der Havel
Seerosen und Teichrosen stehen unter einem strengen Naturschutz. Sie dürfen nicht abgerissen oder ausgegraben werden. Als ich ein Kind war, mochte ich die Pflanzen überhaupt nicht. Sie wuchsen bei uns am Ufer und verhinderten, dass wir baden gehen konnten. Der Untergrund war schlammig und voller Krebse.
Heute finde ich beide Wasserpflanzen wunderschön. In unserem Havelabschnitt zwischen Potsdam und Brandenburg wachsen überwiegend Teichrosen. Du erkennst sie an ihren kleinen, knospenartigen gelben Blüten.

Die Teppiche breiten sich überwiegend in Ufernähe aus. Sie blühen ab Juni, oft den ganzen Sommer durch.
Seerosen sind sehr viel seltener. Wir entdeckten vor einigen Jahren ein wunderschönes Exemplar am Ketziner Brückenkopf. Da hatte ich den Fotoapparat dabei und konnte diese einzigartige Aufnahme fertigen.

Bist du als Schwimmer oder mit dem Boot unterwegs, solltest du darauf achten, dass du die Wasserpflanzen nicht berührst. Sie sind im Grunde robust. Doch durch den Klimawandel und die Zunahme des Motorsports sind sie gefährdet. Sie mögen übermäßig warmes Wasser ebenso wenig wie permanenten Wellenschlag.
Besser ist es, wenn du den grünen Teppich mit einigem Abstand genießt. Er gehört zur Havel dazu und sollte uns allen noch lange erhalten bleiben.
Baden gehen – die Havel und ihre Seen sind sauber
Für uns ist es in jedem Jahr ein besonderer Moment, wenn wir das erste Mal in der Havel baden können. Meistens ist das Ende Mai oder Anfang Juni. Wir sind recht abgehärtet, das Wasser darf noch frisch sein. Unsere persönliche Badesaison dauert bis in den September hinein an. Dann wird uns das Wasser zu kalt.

Ab Juni hat das Wasser eine Temperatur von 20 Grad Celsius aufwärts. Nicht nur bei uns in Werder gibt es viele Möglichkeiten, eine Runde zu schwimmen. Die Havel ist von der Berufsschifffahrt nicht so stark befahren und hat überall eine sehr gute Wasserqualität.
Ohne Motorboote schwimmt es sich ruhiger
Zwischen Berlin und Brandenburg an der Havel ist der Fluss sehr breit und tief. Außerdem durchfließt er zahlreiche Seen. Am Ufer kann der Boden etwas schlammig sein. Das ist auch bei dem Strand am Rüsterhorn der Fall, den ich als Titelbild gewählt hatte. Doch du kannst dich schnell ins Wasser fallen lassen und losschwimmen. Dann bist du mitten drin, in der Natur: Die leichten Wellen, vom Wind oder den Booten geformt, stören das Schwimmen nicht. Du hörst die Vögel singen und die Frösche quaken.

Entspannter ist es, wenn das Fahren mit dem Motorboot nicht gestattet ist. An Wochentagen bist du manchmal ganz allein auf dem See. Bei uns in Werder können wir zum Plessower See fahren, wenn wir ohne das Rauschen der Bootsmotoren schwimmen möchten. Die Wublitz, der Fahrländer See und der Göttinsee sind für Motorboote ebenfalls gesperrt.

Gibt es Algen in der Havel?
Mit fortschreitendem Sommer färbt sich die Havel vor allem an ihren Ufern grün. Das sind keine Algen, sondern die Pflanze heißt Wasserlinse. Im Volksmund wird sie Entengrütze genannt. Die Kombination aus warmem Wasser und einem hohen Nährstoffgehalt zum Ende des Sommers wird ihr Wachstum extrem beschleunigt. Es sieht nicht schön aus, aber die Wasserlinse ist ungefährlich. In der Küche gilt sie sogar als Superfood. Beim Baden stört sie nur am Ufer. In tieferen Bereichen bleibt das Wasser klar
Blaualgen werden zum Ende des Sommers nur sehr selten in der Havel gemessen. Es gibt dann eine örtliche Warnung in den lokalen Medien. Das Schwimmen im tiefen Wasser ist trotzdem möglich. Uns hat es nie geschadet.
Mit dem Boot über die Havel schippern
Die Havel bietet perfekte Bedingungen für Freizeitkapitäne, Paddler und SUP-Fahrer. Das gilt auch für Unerfahrene. Nur auf den größeren Seen musst du aufpassen, wenn du bei höherer Windstärke unterwegs bist.
Es kommt auch bei uns vor, dass Boote in Seenot geraten. Vor vielen Jahren wurden auch wir von einer Gewitterfront überrascht. Wir konnten uns in den Hafen retten. Ein Paar, das auf einem Segelboot unterwegs war, hatte nicht so viel Glück. Das Boot sank auf den Grund des Glindower Sees und musste mit aufblasbaren Kissen gehoben werden. Die Besitzer machten es wieder flott. Jeder, der das miterlebte, hatte daraus gelernt.

Unsere Region wird oft von heftigen Unwettern verschont. Auch wir glaubten nicht nur einmal, dass das Unwetter ganz bestimmt nicht zu uns ziehen würde. Doch es passiert dann doch. Leichtsinn ist kein guter Berater, wenn du auf dem Wasser unterwegs bist.
Vom Boot aus ins Wasser springen?
Du kannst an vielen Stellen von deinem Boot ins Wasser springen: Die Havel ist sauber und ausreichend tief. Rund um Werder (Havel) hast du viele Möglichkeiten, ein Boot auszuleihen oder mit deinem eigenen kleinen Boot für eine Tour ins Wasser zu gehen.
Einen Führerschein brauchst du auf den Gewässern rund um Berlin und Brandenburg nur für Boote ab einem Hubraum von 15 PS. Der Ausleihen von Motorbooten oder Flößen erfreut sich großer Beliebtheit. In den Ferien und an den Wochenenden ist eine Vorreservierung empfehlenswert.

An schönen Sommertagen ist die Havel an beliebten Ankerplätzen recht voll. Doch du findest trotzdem immer einen Bereich, an dem du dein Boot befestigen und aufs Wasser schauen, lesen oder baden gehen kannst.

Dabei spielt es keine Rolle, ob du ein kleines oder großes Boot hast: Abseits von Brücken und besonders geschützten Bereichen ist das Ankern auf der Havel in aller Regel erlaubt.
Beste Bedingungen für SUP, Kajak und Ruderboot
Möchtest du dich mit Muskelkraft über die Havel bewegen, findest du perfekte Bedingungen vor. Du siehst viele Freizeitsportler, die im Kajak, in Schlauchbooten oder auf dem beliebten SUP-Board unterwegs sind. Das seichte Wasser und der geringe Wellengang liefern für Einsteiger und Fortgeschrittene perfekte Bedingungen.

Da die Havel an vielen Stellen naturbelassen ist, sind die Ufer frei zugänglich. Einem individuellen Wassersporterlebnis an einem schönen Sommertag steht nichts im Weg.
Erlebe die Havel im Sommer
Ob am Ufer oder auf dem Wasser: Die Havel bietet dir eineinzigartiges Naturerlebnis, verbunden mit vielen Möglichkeiten der individuellen Freizeitgestaltung. Wichtig ist, dass du dir Zeit zum Genießen nimmst. Eine Stunde am Tag, vor der nach der Arbeit, kann im Alltag ausreichend sein, um die Batterien aufzutanken. An freien Tagen oder den Wochenenden bleibt viel Zeit zum Schwimmen, für Wassersport oder ein gutes Buch. Wenn die Sonne auf die Haut scheint und die Wasservögel ihr Konzert anstimmen, ist es für mich die perfekte Auszeit. Probiere es doch einfach mal aus und berichte gern von deinen Erfahrungen!

Miniserie über die Jahreszeiten an der Havel
Jede Jahreszeit schenkt der Havel ihren besonderen Reiz. Im Mittelpunkt steht die sich verändernde Natur. Doch auch das Wasser selbst bietet Möglichkeiten der Beobachtung und der Freizeitgestaltung.
- Havel im Frühling: Beobachtungen in der Natur
- Havel im Sommer: Beobachtungen im und auf dem Wasser (dieser Artikel)
- Havel im Herbst: Beobachtungen in der goldenen Jahreszeit
- Havel im Winter: Beobachtungen bei Eis und Schnee


ISSN 3053-6731
HB 2026-32


