Havelregion entdecken III: Auszeit mitten in der Natur

Havelregion entdecken III: Auszeit mitten in der Natur

Am Ufer der Havel findest du viele Abschnitte, die absolut unberührt sind. Sogar an sonnigen Tagen hast du große Chancen, mit dir und der Natur ganz allein zu sein. Du benötigst ein Fahrrad, oder du unternimmst eine Wanderung: Mit dem Auto lassen sich nicht alle Bereiche gut entdecken. Du kannst Parkplätze in den Städten oder am Rande der Radwege nutzen, um deine Tour zu starten. Oder du kürzt die Strecke mit dem ÖPNV ab. Ich bin in der Havelregion aufgewachsen: Der Blick aufs Wasser gehört für mich zu einem gelungenen Tag dazu. Zum dritten Geburtstag des Havelblogs nehme ich dich mit zu den ruhigen Plätzen an den Ufern unseres Flusses.

Blick auf die Havel zwischen Phöben und Ketzin. Hier ist die Natur noch unberührt.
Unberührte Natur am Havelradweg zwischen Phöben und Ketzin. Hier schlängelt sich die Havel durch eine natürliche Auenlandschaft

Geschichten von der Havel

Heute feiert der Havelblog seinen dritten Geburtstag. Er entstand aus der Idee heraus, über die Schönheit der Region, über die zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele zu schreiben. Im Mittelpunkt stehen unsere eigenen Erfahrungen, aber auch die Historie der jeweiligen Ziele. Doch wir sind auch gern unterwegs: In Ostdeutschland, weil wir Tagesausflüge lieben, und an den europäischen Küsten. Und so erzählen die Geschichten auf meinem Blog nicht nur von der Havel, wie anfangs geplant. Sie erzählen von unseren Reisen und unseren Aktivitäten vor der Haustür.

Abseits der Entdeckung von Städten und Sehenswürdigkeiten lieben wir Momente, die wir in der Natur verbringen können: Mit einem Buch, einem kleinen Grill oder einem Picknick sind wir an den Wochenenden oder im Urlaub viel unterwegs. Wir fahren mit dem Rad und suchen die Nähe der Havel und ihrer zahlreichen Seen. Weitere Touren kombinieren wir mit dem Regio oder dem Auto. Die Fahrräder sind immer dabei.

Radfahren entlang der Flusslandschaft

Wir sind nahezu täglich mit dem Fahrrad unterwegs. Nur tiefe Minusgrade, Schnee und Glatteis bremsen uns aus. Doch das sind in unserer Region glücklicherweise seltene Witterungsbedingungen. Die Havel hat auch im Winter ihren Reiz: In meiner Kindheit war sie so tief zugefroren, dass wir ohne Bedenken Schlittschuh laufen konnten. Das ist heute nicht mehr möglich: In den letzten Wintern gab es einige Tage mit Aktivitäten auf dem Eis. Aber eine Freigabe durch die Feuerwehr erfolgte aus Sicherheitsgründen nicht.

Mehrere hundert Kilometer Radweg ziehen sich durch das Land Brandenburg, ein Teil folgt dem Verlauf der Havel. Doch nicht nur an unserem Fluss kannst du radeln: An Spree und Oder gibt es ebenfalls herrliche Radwege. Oder du verlässt die Ufer der Flüsse und fährst quer durch das Land auf Wegen, die durch kleine Dörfer, Städte, durch Wälder und am Rande der Felder entlang führen. Empfehlenswert ist der Europaradweg, auf dem du quer durch Brandenburg radeln kannst. Und es gibt zahlreiche regionale, gut beschilderte Radwege, die sich mit ihrem glatten Belag für Anfänger und Profis gleichermaßen eignen. Da wir in Brandenburg kaum Berge haben, sind die Wege für Kinder und Freizeitradler sehr gut geeignet.

Ein Abschnitt des Havelradwegs führt quasi vor unserer Haustür vorbei. Zwischen Phöben und dem Stadtrand von Brandenburg an der Havel zieht er sich durch eine nahezu unberührte Auenlandschaft. Dort wurde das Titelfoto aufgenommen. Es ist unser Lieblingsplatz. Dort gibt es keine Autos, dafür hunderte Wildgänse, Schwäne, Lietzen – so nennt der Berliner das Blesshuhn – und im Sommer Motorboote. Warum die mich nicht so stören, wie der Autolärm, kann ich leider nicht erklären.

Wildgänse beobachten

Die Wildgänse sammeln sich in den Niederungen des Flusses und starten dann gemeinsam, um zum Wasser zu fliegen oder einfach nur eine Runde zu drehen. Ich finde es faszinierend, wenn sie in einer Formation unterwegs sind. Dann gibt es einen gefiederten Anführer, dem sich die anderen Tiere anschließen. Auf dem Video fliegen sie wild durcheinander und machen dabei einen eindrucksvollen Lärm. Sie sind direkt zur Havel geflogen und haben sich auf dem Fluss niedergelassen. Dann verschwanden sie hinter einer Biegung.

Wildgänse versammeln sich oft auf den Weiden, in sicherer Entfernung zu den Kühen, die dort in der warmen Jahreszeit grasen: In der freien Natur ernähren sie sich, ebenso wie die Vierbeiner, hauptsächlich von Gras. Entlang der 30 Kilometer, die du bis Brandenburg an der Havel zurücklegst, hast du viele Gelegenheiten, die Tiere zu beobachten. Sie leben dort auch im Winter und verlassen die Region nicht.

Die Havel mit dem Boot entdecken

Auf dem Wasser hast du einen ganz anderen Blick auf die Havel. Es ist ähnlich wie am Ufer: Es gibt sehr belebte Abschnitte, die viele Freizeitkapitäne für sich in Anspruch nehmen. Nicht immer werden Geschwindigkeiten eingehalten. Doch wenn du dich von Berlin und Potsdam entfernst, findest du in beiden Richtungen idyllische Buchten, in denen du Sonne und Ruhe genießen kannst.

Besonders schön ist der Abschnitt zwischen Ketzin und Brandenburg an der Havel. Hier wurde für die Berufsschifffahrt, also für die Schlepper und Schubverbände, eine gerade Verbindung geschaffen. In ihrem ursprünglichen Verlauf hat die Havel in diesem Bereich viele kleine Arme, die sich durch die Landschaft schlängeln. Diese wurden nicht angetastet. Sie bieten den Vögeln Nistplätze und einen Rückzug von dem lebhaften Treiben der Freizeitkapitäne im Sommer. Um das zu erhalten, darfst du viele der kleinen Buchten nicht mit dem Motorboot befahren.

Du findest an der Havel und ihren Seen viele versteckte kleine Plätze, an denen du in unberührter Natur, und auch bei schönstem Wetter ganz allein eine Auszeit genießen kannst. Mit einem guten Buch, einem Fotoapparat, oder einfach nur, um über das Wasser zu schauen und die Natur zu genießen. In diesem dritten Geburtstagstext erzähle ich dir von der Havelregion und ihrer herrlichen Natur. Einige Tipps bekommst du auch. Aber viel besser ist es doch, wenn du zu uns kommst und die Schönheit der Havelufer selbst entdeckst.

Sauberes Wasser lädt zum Baden ein

Jedes Jahr kommen viele Gäste zu uns nach Brandenburg. Es zieht sie nicht nur nach Potsdam und Berlin, sondern auch an und auf das Wasser. Die Havel und ihre Seen laden zum Baden ein: Das Wasser ist fast überall sauber. Du findest Badestellen, an denen du Eintritt zahlst. Dort gibt es oft einen Rettungsschwimmer. An einem Imbiss kannst du Speisen und Getränke kaufen. Als Alternative gibt es überall sogenannte „wilde“ Badestellen. Viele von ihnen sind kaum besucht, sodass du ganz für dich bist. Wenn du an der Havel oder an einem der Seen unterwegs bist, schau dich einfach um: An vielen Stellen ist das Ufer gut begehbar und du kannst baden gehen.

Die Havelregion im Winter

Schöne Momente an der Havel genießen wir nicht nur im Sommer: Unsere Region ist auch im Winter wirklich schön. Ist es einige Tage kalt, überzieht eine Eisschicht binnen einer Nacht die Havel und ihre Seen. Für die Wasservögel wird der Lebensraum kleiner: Als ich ein Kind war, war es so kalt, dass sich einige Enten aus dem Eis nicht mehr befreien konnten. Nicht immer war eine Rettung möglich, da war ich ziemlich traurig. Dennoch habe ich die Winter geliebt. Heute gibt es sie in dieser Form nicht mehr, was für die Wasservögel gut ist. Für die Kindergeneration weniger.

Brandenburg – ein Flächenland mit ursprünglicher Natur

Brandenburg ist ein Flächenland: Dieser politische Begriff wird gern gebraucht, wenn es um die Kritik am ÖPNV, an der ärztlichen Versorgung oder um lange Arbeitswege geht. Das mag alles richtig sein: Wer in Brandenburg auf dem Land lebt, hat in einigen Landkreisen wirklich keine gute Infrastruktur. Doch in Bezug auf die Freizeitgestaltung bietet das Flächenland vieles, was ein Ballungsraum nicht bieten kann. Dazu gehören Abschnitte, in denen die ursprüngliche Natur noch erlebbar ist.

Mehr über den Verlauf der Havel findest du im ersten Text, den ich auf diesem Blog geschrieben habe. Der Weg, den die Havel nimmt, ist ungewöhnlich, denn der Fluss entspringt nicht in den Bergen und fließt dann durch Täler und Niederungen in ein Meer. Er schlängelt sich von Mecklenburg-Vorpommern durch das Ballungsgebiet Berlin-Potsdam bis nach Havelberg, wo er in die Elbe mündet. Dabei durchwandert er drei Bundesländer, doch die meisten Havelkilometer liegen in Brandenburg. Sie sind nicht zugebaut, nicht befestigt, sondern sie sind an vielen Stellen einsam und bieten einen hohen Erholungswert.

Wo ist es an der Havel am Schönsten?

Diese Frage höre ich häufiger: Du kennst dich doch aus, wo ist die Landschaft am Schönsten, wo ist es ruhig, wo gibt es etwas zu sehen? Ja, wir sind viel unterwegs, am Wasser und mit unseren kleinen Boot, aber dennoch ist die Frage schwierig zu beantworten. Auf ihrem ungewöhnlichen Verlauf durchfließt die Havel ja viele Seen, von denen jeder für sich seinen Reiz hat. Den gesamten Fluss kennen wir (noch) nicht: Sicher gibt es einige Geheimtipps, die uns bislang verborgen geblieben sind. Die Havel ist 365 Kilometer lang. Etwa die Hälfte des ebenso langen Havelradwegs sind wir gefahren, einen Teil davon haben wir vom Wasser aus erkundet.

Hier sind unsere neun schönsten Plätze an der Havel:

  1. Havelradweg zwischen Phöben und Golzow: Hier hast du viele Möglichkeiten, fast allein am Wasser zu sitzen. Für das Picknick gibt es alle paar Kilometer Bänke. Die Strecke beträgt etwa 30 Kilometer. Mit einer Fähre kannst du nach Ketzin übersetzen
  2. Havelradweg/Berliner Mauerweg in Nieder Neuendorf: Der Abschnitt ist belebt, aber die Lage und die Geschichte faszinieren uns. Er lag während der Teilung im Sperrgebiet.
  3. Glindower See: Er zweigt bei Werder (Havel) durch eine einst künstlich angelegte Verbindung von der Havel ab, ist sehr sauber und bietet kleine Badebuchten.
  4. Wassersuppe: Das Dorf mit dem außergewöhnlichen Namen liegt am Hohennauener See im Landkreis Havelland. Der See hat eine Verbindung zur Havel. Wir haben uns dort gefühlt, als wäre die Welt zu Ende. Herrlich!
  5. Havelkanal/Sacrow-Paretzer Kanal: Die Havelkanäle wurden für die Berufsschifffahrt errichtet und sind oftmals recht stark befahren. Doch sie ziehen sich wir ein schnurgerades Band durch die Brandenburger Landschaft. Schlepper und Schubverbände tuckern vorbei, Freizeitkapitäne winken und die Wasservögel lassen sich auf den Wellen treiben. Du erreichst viele Stellen mit dem Auto. Die Fahrradwege sind nicht immer perfekt ausgebaut. Beliebt sind die Kanäle bei Anglern und bei allen, die abseits der Ortschaften Zeit in der Natur verbringen möchten.
  6. Havelufer zwischen Oranienburg und Liebenwalde: Dieser Tipp richtet sich an Liebhaber unberührter Natur. Mit dem Rad fährst du etwa 22 Kilometer, du hast die Wahl zwischen verschiedenen Routen. Die Havel ist sehr schmal, du entdeckst eine ganz andere Landschaft, als zwischen Potsdam und Brandenburg.
  7. Paretz: Der kleine Ort ist durch das Sommerschloss von Königin Luise bekannt. Wenn du das Dorf in westlicher Richtung verlässt, erreichst du den Werderdamm. Eine idyllische Landzunge mündet in die Havel. Du musst ein Stück spazieren gehen, oder du fährst mit dem Rad. Autos sind in dem Bereich nicht gestattet. Dafür erreichst du einen einsamen Abschnitt, der zu unseren Lieblingsplätzen gehört. An dieser Stelle mündet der Sacrow-Paretz-Kanal in die Havel.
  8. Brückenkopf bei Ketzin/Havel: Das ist unser persönliches Highlight, wenn wir mit dem Boot unterwegs sind. Aufgrund einer niedrigen Brücke kannst du die verzweigten Havelarme nur mit flachen Booten passieren. Das ist so gewollt. Am Ufer stehen Wochenendhäuser, es ist nur an wenigen Stellen zugänglich. Mit dem Boot erlebst du einen kleinen Hauch von Venedig. Die vielen kleinen Havelarme werden auch Ketziner Bruchlandschaft genannt.
  9. Seen bei Brandenburg an der Havel: Plauer See, Breitlingsee, Möserscher See; sie sind am und auf dem Wasser ein wirklicher Genuss.

Die Natur in der Havelregion erleben

Die Natur in der Havelregion ist abwechslungsreich und einzigartig. Oft sprechen wir darüber, dass wir dankbar sein dürfen, in einer so schönen Umgebung wohnen zu dürfen. Doch auch du kannst sie kennenlernen: Es gibt überall Ferienwohnungen und kleine Hotels, deren Vermieter sich über deinen Besuch freuen. Zudem hat Brandenburg zahlreiche Campingplätze, von denen viele am Wasser gelegen sind. Boote kannst du leihen, Fahrräder ebenso. Einer Erkundung der Havelregion steht also nichts entgegen. Und wer weiß … vielleicht begegnen wir uns einmal bei einer Tour? Mich erkennst du an meiner Gazelle: Mein Hollandrad ist mein liebster Begleiter.


Fotos © jette


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