Like A Complete Unknown: Die Anfangsjahre des Bob Dylan
Like A Complete Unknown: Der Titel des Films bezieht sich auf den jungen Mann, den in New York keiner kennt und der sich durch Kontakte zu zwei Stars in der Folk-Szene, vor allem aber durch sein außergewöhnliches Talent schnell einen Namen macht. Er bezieht sich auch auf den Wandel fünf Jahre später: Auf einem Festival weigert er sich, seinen größten Hit zu spielen. Stattdessen tritt er mit einer Band auf und präsentiert seinen neuen Titel „Like A Rolling Stone“, in dem die Line, die dem Film seinen Namen gibt, den musikalischen Wandel anzeigt. Timothée Chalamet bekam für die Rolle des Bob Dylan seine zweite Oscar-Nominierung. Zu Recht: Er lebt die Rolle des Musikers und verkörpert sie glaubwürdig und originell.
One for the road: Das Wichtigste in Kürze
- Kinostart: 27.02.2025
- Drama: FSK 6
- Dauer: 140 Minuten
- Hauptdarsteller: Timothée Chalamet, Edward Norton, Elle Fanning
- Regisseur: James Mangold
- USA, Walt Disney
Drei Facts zum Film
- Die Anfangsjahre von Bob Dylan werden nah an seiner Biografie erzählt
- Timothée Chalamet spielt Gitarre, Mundharmonika und er singt live
- Viel Musik und Einblicke in die Welt des Amerika der 1960er-Jahre
Sehenswert?
Für Fans von Bob Dylan ist der Film ein Muss. Wenn du Timothée Chalamet als Schauspieler magst, erlebst du in in einer ganz neuen Rolle. Er spielt sie, wie von ihm gewohnt, grandios. Es gibt sehr viel Musik, von den Darstellern live gesungen. Und auch, wenn Folk nicht dein Genre ist: Der Weg, den Bob Dylan schon ganz jungen Jahren unbeirrt gegangen ist, wird dich beeindrucken. Er hat auf seine Weise Musikgeschichte geschrieben. Das Gesamtpaket stimmt, der Film ist eine echte Empfehlung.
Vom Folksänger zum Rockstar: Die Transformation des Bob Dylan
Der junge Robert „Bobbie“ Dylan kommt mit 19 Jahren nach New York. Er bewundert Pete Seeger und Woody Guthrie: Er singt die Songs der Musiker, hat damit aber nur bescheidenen Erfolg. Doch beide werden auf ihn aufmerksam. Guthrie liegt im Krankenhaus: Bob spielt ihm vor, Guthrie ist beeindruckt. Pete Seeger ermöglicht Dylan Auftritte in kleinen Bars. Seine Karriere beginnt zu laufen. Er lernt Joan Baetz kennen, die zu diesem Zeitpunkt schon eine erfolgreiche Folk-Sängerin ist. Mit ihr performt er zahlreiche Duette. In Sylvie, gemeint ist Suzie Rotolo, verliebt er sich. Doch sie ist eifersüchtig, zumal Dylan mit Baetz eine Affäre beginnt.
Die Handlung ist an die Biografie von Bob Dylan angelehnt, doch es gibt einige Abweichungen. Die Grundlage für den Film liefert nicht das wahre Leben, sondern eine Buchvorlage von Elijah Wald mit dem Titel Dylan goes Electric. Erzählt wird der Wandel Dylans vom umjubelten Folk-Sänger zum späteren Rockstar. Das Publikum nahm ihm diese Transformation enorm übel.
Heute wissen wir, dass Bob Dylan mit der Musik, die er selbst schreib, weltweit Erfolge feierte. Als einziger Musiker überhaupt bekam er im Jahre 2016 den Nobelpreis für Literatur, den er aber nicht persönlich entgegen nahm. Als junger unbekannter Musiker verleugnete er in New York seine Herkunft und verließ sich allein auf sein Talent. Mit Erfolg: Er etablierte sich durch seinen Förderer Pete Seeger und durch die gemeinsamen Auftritte mit Joan Baetz.
Die jungen Jahre des Bob Dylan
Das Biopic konzentriert sich auf die Anfangsjahre des Musikers, es spielt zwischen 1960 und 1965. Bob lebt nur für seine Musik. Durch die Beziehung mit Sylvie hat er ein Dach über dem Kopf, etwas Geld verdient er sich mit Auftritten in Bars und Festivals. Es ist der typische Start eines „complete unknown“, der mit seinem Talent die Massen schnell begeistert.
Es dauert nicht lange, bis er sich in kleinen Clubs etabliert. Pete Seeger lässt ihn auf Festivals auftreten. Das Publikum liebt ihn. Charakteristisch ist sein Gitarrenspiel in Verbindung mit der Mundharmonika, die er an einer Nackenhalterung befestigte. Dies wurde zu seinem Markenzeichen.
Timothée Chalamet verkörpert nicht nur das Spiel an den Instrumenten, sondern auch die Mimik und die Körperhaltung des jungen Bob Dylan perfekt. Nach eigenen Aussagen bereitete er sich fünf Jahre auf die Rolle vor: Er lernte das Singen und die nuschlige Aussprache, die ebenfalls für Bob Dylan steht.
Du bist sofort mitten drin, in der Handlung. Wir haben uns vor dem Anschauen des Films nicht dem Musiker beschäftigt. Wir kennen blowing in the wind und einige Songs, die es ins Radio und in den Mainstream geschafft haben. Doch wir sind Kinder der 1980er-Jahre: Rock und Folk sind nicht unbedingt unsere Favoriten. Aber wir mögen Biopics und Lebensgeschichten berühmter Musiker. Auf diesem Wege hat uns der Film überzeugt und gefangen genommen.
Die Musik als Mittelpunkt des Films
Du hörst viel Musik, in like a complete unknown. Alles ist live gespielt: Nicht nur von Bob Dylan, sondern auch von Joan Baetz (Monica Barbaro) oder Jonny Cash (Boyd Holbrook). Wenn du Fan dieser Genres bist, wird dich der Film abseits der Handlung sicher noch mehr begeistern.
Uns hat gefallen, dass die Musik nicht nur angedeutet, sondern wirklich ausgespielt wird. Du befindest dich inmitten der Menge auf dem Festival, oder du hast als Zuschauer das Privileg, Backstage zuzuhören. Dabei konzentriert sich die Kamera auf den Hauptdarsteller: Chalamet ist brillant. Dass er für sein Spiel mit einer Oscarnominierung belohnt wurde, ist nur zu gerecht.
Zwei Liebesgeschichten mit realem Hintergrund
Die Liebesgeschichten des Bob Dylan – heute hat er sechs Kinder von verschiedenen Frauen – nehmen in dem Biopic einen realen Anfang. Als Zuschauer hast du das Gefühl, dass es für ihn einfach nur oberflächliche Beziehungen sind. Durch Sylvie hat er, der seine Heimat nur mit der Gitarre verließ, ein Dach über dem Kopf. Die Duette mit Joan pushen seine Karriere. Musik ist überall, in dem Film. Du darfst annehmen, dass es im Leben von Bob Dylan auch so gewesen war.
Blowing in the Wind
Blowing in the Wind war im Jahre 1962 der Durchbruch von Bob Dylan. Der Song ist zeitlos und zweifelsfrei ein Stück Musikgeschichte. Er brachte dem Sänger und Songwriter Ruhm und Bekanntheit. Das Publikum flippte aus, obwohl es sich eher um eine Ballade handelt, die eine Geschichte erzählt. Der Song berührte, mit seiner Schlichtheit, der eingängigen Melodie, aber auch mit dem Text, der eine Message hat.
Der Film stellt dar, wie Bob den Song schreibt und wie er im Zeitraffer plötzlich erkannt wird. Er kann nicht mehr einfach so in die Bar gehen, sich dort eine Gitarre nehmen und einen Song singen. Die Fans erkennen ihn bereits vor der Tür, hinter seiner Sonnenbrille kann er sich nicht verstecken.
Blowing in the Wind ist der Song von Bob Dylan, den jeder kennt. Ist es eine Übertreibung? Ich meine jeden, der Radio hört, der mit der Musik seiner Eltern und Großeltern aufgewachsen ist oder der sich einfach für Musik interessiert. Wir, die wir andere Musikrichtungen hören, können ihn mitsingen.
Oft ist es so, dass Künstler, die einen Welthit schreiben, diesen nicht mehr mögen. Sie wollen nicht auf ihn reduziert werden, manchmal möchten sie ihn nicht einmal mehr spielen. Genauso ging es Bob Dylan. Der Film erzählt eindrucksvoll von dem Moment, in dem sich der Musiker vom Folk abwandte und mit einer Band auftrat, um seine neuesten Songs vorzustellen: Es war Rock, den die Combo spielte.
1965: Newport Folk Festival
Das Newport Folk Festival ist in der Biografie des Bob Dylan verankert. Somit erzählt der Film auch in seiner Schlusssequenz eine wahre Handlung. Nachdem der Musiker mehr als vier Jahre lang mit einer akustischen Gitarre und seiner Mundharmonika auftrat, veränderte er seinen Stil. Er mischte elektronische Elemente unter seine Songs und trat mit einer Band auf. In der Realität war es die Paul Butterfield Blues Band, die ihn begleitete.
Das Publikum war alles andere als begeistert. Es buhte den Musiker aus, heftige Szenen sollen sich abgespielt haben. Die Organisatoren versuchten, den Ton abzustellen, die Techniker weigerten sich.
Obwohl das Publikum den einen Song hartnäckig forderte, spielte Bob ihn nicht. Sein Sound wurde nach den rockigen Liedern wieder schlichter. Doch zu Blowing in the Wind ließ er sich nicht hinreißen. Im Kinosessel fieberst du regelrecht mit. Du bekommst Lust, auf den Song, und hoffst gemeinsam mit dem Publikum, dass der Musiker dem Wunsch nachgibt. Das funktioniert, weil die Schauspieler so authentisch sind. Es werden keine originalen Bilder des Festivals eingespielt. Die Schauspieler verkörpern alle Szenen.
Bob Dylan wurde zum Weltstar
Ist das übertrieben? Ich glaube nicht. Wikipedia beschreibt Bob Dylan als einen der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Seine Lyrik, die schon in seinem größten Hit beeindruckte, schrieb ebenso Musikgeschichte wie seine Vielseitigkeit. Er bediente im Verlauf seiner langen Karriere nicht nur Folk und Rock, sondern auch ganz andere Musikrichtungen wie County oder Blues. Er war einfach nicht festgelegt. Vielleicht ist das ein Grund, aus dem sich Bob Dylan trotz seiner musikalischen Metamorphose nicht in die Reihe der One-Hit-Wonder einreihte. Die Fans verziehen ihm, er gewann neue dazu.
Timothèe Chalamet – ein genialer Verwandlungskünstler
Call Me by Your Name war der erste Film, den wir mit dem Schauspieler sahen. Wir kamen zu spät, in unserem Stammkino in Potsdam laufen anspruchsvollere Filme nicht so gern: Für Call Me by Your Name waren wir nach Cottbus gefahren, der Anfang fehlte uns. Dennoch haben wir die Handlung sofort aufgesogen und später, im Stream, noch einmal den ganzen Film geschaut. Mich hat das Spiel des jungen Mannes sofort gefangen genommen.
Zwei Oscar-Nominierungen vor dem 30. Geburtstag
Die Acedemy in Los Angeles beeindruckte das Spiel des Jungstars offenbar genauso wie mich und viele andere Fans: 2018, Timothée Chalamet war 22 Jahre alt, bekam er für Call Me by Your Name seine erste Oscar-Nominierung. Die zweite folgte für Like A Complete Unknown im Jahre 2025. Beide Nominierungen führten nicht zum Sieg, er ging leer aus. Dennoch hätte er den Oscar für beide Filme verdient. Und er wird ihn eines Tages in der Hand halten, da bin ich mir ganz sicher.
Insgesamt bekam Like A Complete Unknown acht Oscar-Nominierungen, unter anderem für den besten Film und die beste Regie. Edward Norton (Pete Seeger) und Monica Barbaro (Joan Baetz) erhielten Nominierungen in der Kategorie bester Nebendarsteller und beste Nebendarstellerin. Leider konnte der Film keinen Oscar gewinnen.
Gesehen haben wir Timothée Chalamet in Trailern von Dune Part Two und Wonka. Beide Filme haben wir bislang noch nicht gesehen. Doch allein der Trailer bewies die Wandlungsfähigkeit des Schauspielers, denn es sind ganz andere Rollen, die er in diesen Filmen verkörpert. Sein Spiel trägt das Biopic und macht es zu einem besonderen Filmabend.
Like A Complete Unknown – Ein Fazit
Der Film ist leidenschaftlich und mit viel musikalischem Können gespielt: Nicht nur vom Hauptdarsteller, sondern auch in den Nebenrollen. Die Handlung nimmt dich mit und die Musik ist richtig gut. Auch für Fans anderer Musikrichtungen ist Like A Complete Unknown eine echte Empfehlung.

