Spreepark Berlin – Vergangenheit, Verfall und Zukunft
Der Spreepark Berlin blickt in die Zukunft: Eine Eröffnung mit einem Mix aus altem und neuem Konzept ist für das Jahr 2027 geplant. Wenn du den „Kulturpark Plänterwald“ aus der DDR kennst oder in den 1990er-Jahren im Spreepark warst, hast du Erinnerungen an einen Freizeitpark, den es in Berlin so nicht mehr gibt. Erbaut im Jahre 1969, hat der Plänterwald eine lange Vergangenheit. Er ist ein Relikt der DDR, überstand die Wende, war dann aufgrund von Misswirtschaft aber dem Verfall preisgegeben. Nun soll es weitergehen: Mit dem historischen Riesenrad, das über einem Wasserbecken schwebt, mit einem hohen Erholungsfaktor und als Ort für Veranstaltungen, Kunst und Kultur. In diesem Artikel erfährst du alles über die Geschichte des Spreeparks, sein Ende und den geplanten Neuanfang.

Kulturpark „Plänterwald“ – ein Freizeitpark mit Geschichte
Der Plänterwald erstreckt sich im heutigen Bezirk Treptow entlang der Spree. Der Name kann bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Ein „Plänterwald“ unterlag der Bewirtschaftung durch einen Forstbetrieb. Bäume wurden entnommen, um dem Wald eine parkähnliche Gestalt zu geben. Das nannten die Forstwirte „Plektren“. Ab dem 19. Jahrhundert war der Berliner Plänterwald ein Naherholungsgebiet mit Ausflugslokalen, Spazierwegen und Sitzgelegenheiten. 1920 erfolgte die Eingemeindung zu Groß-Berlin. Seit der Gebietsreform im Jahre 1997 ist Plänterwald ein Ortsteil des Berliner Bezirks Treptow-Köpenick.

Nach der Gründung der DDR im Jahre 1949 führte die SED das Konzept der Naherholung weiter. In den 1950er-Jahren gab es Volksfeste und Freiluftveranstaltungen. Es entstanden kleine Spielplätze. Die Idee für einen Freizeitpark entwickelte sich in den 1960er-Jahren. Das Gelände war bekannt und beliebt. Durch die S-Bahn und den Busverkehr war es sehr gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Parkplätze, damals noch kostenlos, gab es in den Straßen am Rande des Plänterwaldes.
Einziger ständiger Freizeitpark in der DDR
Die SED-Führung entwickelte für den Plänterwald eine besondere Idee: Der Park sollte mit fest verbauten Fahrgeschäften ausgestattet werden. Wir kannten nur Rummelplätze. In Potsdam gastierten die Schausteller im Frühling und im Herbst auf dem Bassinplatz neben dem Busdepot. Heute gibt es das als Volksfest benannte Spektakel im Lustgarten neben dem Mercure-Hotel.
Die Schausteller der DDR zogen nach zwei bis drei Wochen zu einem anderen Standort weiter. Fest installierte Fahrgeschäfte in Freizeitparks in der DDR nicht. Bis zur Wende sollte der Plänterwald der einzige Rummel bleiben, an dem die Attraktionen an ihrem Standort verankert waren.

Die staatliche VEB Kulturpark Berlin wurde eigens für den Betrieb des Plänterwaldes gegründet. Der Freizeitpark erfreute sich einer großen Beliebtheit: Bis zu 1,7 Millionen Besucher kamen pro Jahr aus allen Bezirken der DDR und aus dem Ausland, um Spiel und Spaß zu erleben. Highlight war das Riesenrad, welches über einem künstlich angelegten Wasserbecken schwebte. Es gab eine Achterbahn, die Geisterbahn, den Autoscooter, viele Kinderkarussells und riesige Tassen, die sich im Kreis drehten und für einen echten Drehwurm sorgten.

Schöne Kindheitserinnerungen
Wir fuhren nach dem Frühstück mit dem Sputnik nach Berlin. Das war der Regio der DDR, er fuhr südlich um Berlin herum bis nach Schönefeld. Dort stiegen wir in die S-Bahn um. Das haben wir mehrmals im Jahr mit meinem Papa gemacht. Als wir junge Eltern waren, fuhren wir mit unseren Kindern dorthin.
Das Areal war groß, die Fahrgeschäfte standen dicht beieinander. Das Riesenrad war bei jedem Besuch das Highlight. Wenn es stehen blieb und wir in der obersten Gondel saßen, war das Gefühl im Magen mulmig. Die Geisterbahn, das Kettenkarussell und die Achterbahn waren unsere Favoriten der Kindheit. Auch Autoscooter bin ich gern gefahren. Jede Runde musste extra bezahlt werden, die Kosten lagen zwischen zwanzig Pfennigen und einer Mark. Wir haben dort einen ganzen Tag verbracht und sind zweimal oder dreimal hintereinander mit unseren Lieblingskarussels gefahren.
Zuckerwatte, Bockwurst und Softeis
Wir liebten Zuckerwatte, die einfach so im Mund verschwand, und Bockwurst mit Senf und einer Scheibe Weißbrot. Es gab Softeis und manchmal auch Pepsi-Cola. Eis und Cola durften wir nicht gemeinsam konsumieren. Meine Mutter meinte immer, es wäre nicht gut für den Magen. Wir mussten uns für eins entscheiden. Schon damals wählte ich die Pepsi. Bis heute liebe ich dieses ungesunde Getränk.
Leider gibt es aus diesen Jahren keine Fotos. Deshalb habe ich die KI gebeten, Bilder aus meinem Gedächtnis in Grafiken umzuwandeln. Echte Aufnahmen wären toll: Vielleicht finde ich noch einige Fotos in meinem analogen Archiv. Oder du hast noch Schätzchen, die du zur Verfügung stellen kannst?

Zu meinen Erinnerungen gehört, dass ich in der Achterbahn einmal fast meine Brille verlor. Da war ich elf Jahre alt und hatte sie erst vor kurzem bekommen. Spaß machten auch Berg- und Talbahn und das Spiegelkabinett, das in einem der kleinen Holzhäuser des englischen Dorfs integriert war. Leider war es oft voll: Da musste man nur den anderen Besuchern nachlaufen. Das war dann ein bisschen zu einfach.
Cinema 2000 – das 180-Grad-Kino
Ein Highlight aus DDR-Zeit war das 180-Grad-Kino: Wir kannten das nicht. Unsere Kinos hatten eine große Leinwand und zwei Lautsprecher auf einer Bühne. Das Cinema 2000 entstand in den 1980er-Jahren. Auch, wenn dort nur Kurzfilme gezeigt wurden: Das gelb-orangenfarbene Zelt mit dem zog viele Besucher an.

Die Kuppel ist derzeit eingelagert und soll nach einer Restaurierung in das neue Konzept integriert werden. Es entsteht aber kein neues Kino, sondern eine Ausstellungs- und Veranstaltungshalle.
Nach der Wende ging es weiter
Die Wende und die Wiedervereinigung waren für den Plänterwald zunächst keine Gefahr. Der volkseinige Betrieb wurde zu einer Aktiengesellschaft unter neuem Namen. Nach dem Vorbild von Heidepark & Co zahlten wir nun einen einmaligen Eintritt und konnten alle Attraktionen nutzen, so oft wir wollten. Einige Fahrgeschäfte wurden modernisiert, andere entstanden neu. Unser Favorit der 1990er-Jahre war der Spreeblitz. Einige Schienen gibt es noch, inmitten der ursprünglichen Natur. Eine Wiederinbetriebnahme ist leider nicht geplant.

Für uns blieb der Spreepark ein Highlight. In den 1990er-Jahren etablierte sich bei uns in Werder (Havel) das Baumblütenfest mit einem Rummel auf dem Hartplatz. Unsere Kinder liebten das Karussellfahren: Weil es während der Baumblüte sehr voll und teuer war, fuhren wir am Wochenende danach in den Spreepark. Es war ein Ausflug, auf den wir uns alle freuten und der einen festen Platz in unserem Kalender hatte. Heute hat der Heidepark Soltau diesen Platz eingenommen, was für uns leider mit einer langen Fahrzeit verbunden ist.
Der Mix aus den alten Fahrgeschäften meiner Kindheit und den neuen Ideen war genial. Jeder Besuch war gleichzeitig eine Kindheitserinnerung und ein besonderer Familientag. Wir hatten etwas aus unserer Vergangenheit in die 1990er-Jahre mitgenommen. Doch leider sollte es dabei nicht bleiben.
Die Anzahl der Besucher ging zurück
Mit dem Ende der 1990er-Jahre verringerten sich die Besucherzahlen. Die versteckte Lage im Osten Berlins und das Fehlen ausreichender Parkmöglichkeiten haben sicherlich dazu beigetragen. Der Spreepark ist bis heute nur mit einem längeren Fußmarsch oder mit dem Fahrrad erreichbar.
Spektakuläre Attraktionen fehlten. Der Spreepark war klein und gemütlich, aber er versprach nicht so viel Adrenalin, wie die Konkurrenz. Außerdem bot Berlin als zusammenwachsende Stadt andere Highlights als ein Freizeitpark, der zwar gut angebunden, aber doch vom Zentrum etwas weiter entfernt war.
Wer in dieser Zeit nach Berlin reiste, wollte die Stadt im Sightseeing erkunden oder das Zusammenwachsen der geteilten Metropole erleben. Der Besuch eines Freizeitparks aus der DDR, der im Vergleich mit Heidepark, Hansapark oder Europapark unscheinbar war, hatte bei Gästen kein Potenzial. Wer in Berlin und Brandenburg wohnte, fuhr in die großen westdeutschen Parks . Der Heidepark ist drei Autostunden von Berlin entfernt und für einen Tagesausflug sehr beliebt.
Zu der nachlassenden Besucherzahl kamen hohe Schulden des Investors. Geplante Ideen ließen sich nicht umsetzen. Im Jahre 2001 meldete der Spreepark Insolvenz an. 2002 wurde er dauerhaft geschlossen. Bis zum Ende der 2010er-Jahre war das Areal dem Verfall preisgegeben. Alle Bemühungen, den Park wiederzubeleben, scheiterten.
Warum wurde der Spreepark aufgegeben?
Meine Generation, die in Berlin oder vor den Toren der Hauptstadt lebte, hat nicht verstanden, dass der Spreepark aufgegeben wurde. Waren es wirklich die wenigen Besucher? Oder doch die Misswirtschaft?
Im Jahre 2003 eröffnete das Belantis bei Leipzig. Da unsere Familie den Heidepark bevorzugt, kennen wir Belantis bislang noch nicht. Erzählungen zur Folge soll das Angebot dem Spreepark ähnlich sein: Klein, mit einigen schönen Attraktionen. Spektakuläre Loopings oder waghalsige Achterbahnfahrten gibt es auch dort nicht. Dennoch hat sich der Park in Ostdeutschland etabliert. Wäre es wirklich nicht möglich gewesen, das Vorhandene im Spreepark zu retten und zu erweitern?
Belantis gilt nicht als Grund für das Aus des Spreeparks. Vermutlich gibt es nicht eine einzige Ursache, sondern es kamen viele Faktoren zusammen. Das erklärt aber nicht, warum das Areal seit einem knappen Vierteljahrhundert brach liegt. Mit einem angepassten Konzept, einem erfahrenen Investor und Unterstützung der Stadt Berlin hätte es sicher einige Optionen gegeben.
Ein Investor aus West-Berlin
Norbert Witte übernahm die neu gegründete Spreepark AG im Jahre 1991. Er wurde in West-Berlin geboren und wuchs in einer Schaustellerfamilie auf. Als erfolgreicher und bekannter Inhaber eines „Fliegenden Teppich“ reiste er von Jahrmarkt zu Jahrmarkt.
1990 stieg er in das Unternehmen ein. Er benannte den „Plänterwald“ zum „Spreepark“ um und modernisierte ihn. Neue Fahrgeschäfte hatten nicht immer eine Genehmigung. Dazu zählte die Wildwasserbahn, die nach der Wende zu den am meisten besuchten Attraktionen gehörte. Witte wollte die Besucher begeistern und setzte sich über die eine oder andere Vorgabe hinweg.
Nach der Insolvenz erzählten die Gerüchte, dass sich Witte mit den attraktivsten Fahrgeschäften nach Südamerika abgesetzt hätte. Dort würden sie bis heute in Betrieb sein. Doch das stimmte nicht.
Norbert Witte wollte in Lima/Peru einen „Lunapark“ eröffnen. Sechs Fahrgeschäfte ließ er verschiffen, darunter seinen „Fliegenden Teppich“, den „Wild River“ und den beliebten „Spider“. Der Lunapark eröffnete nie. Dafür landeten Witte und sein Sohn wegen Drogenschmuggels für einige Jahre im Gefängnis.
Mit der Vergangenheit abschließen
Im Jahre 2020 gab Witte dem Berliner Kurier ein Interview. Darin spricht er über die Jahre zwischen 1991 und 2001 und sagt, dass er mit der Vergangenheit abgeschlossen hätte.
Sicher bin ich nicht die Einzige, die lange hoffte, dass dieser Ort der DDR erhalten geblieben wäre. Doch ebenso wie das SEZ hat es der Spreepark nicht geschafft, als Kulturdenkmal der DDR eine entsprechende Wertschätzung zu erfahren. Wir, die wir in der DDR lebten, müssen mit dem Verschwinden unserer Vergangenheit leben. Denn viel ist nicht mehr übrig.
Den Tierpark Berlin gibt es noch. Aber mit dem Beginn des Jahres 2026 wurden erneut Bereiche geschlossen. Es fehlt das Geld. Und es fehlt das besondere Ambiente, was einst dafür sorgte, dass ein Besuch im Tierpark neben dem Plänterwald ein echtes Kindheitshighlight war.
Der Spreepark als Lost Place
Nach der Schließung im Jahre 2002 eroberte sich die Natur das Areal zurück. Die noch vorhandenen Fahrgeschäfte verfiellen, wurden geplündert oder zerstört. Das Land Berlin schaute zu. Niemand fühlte sich verantwortlich.
Der Spreepark wurde zu einem Lost Place, auf dem tausende Fotos aufgenommen und illegale Führungen veranstaltet wurden. Diskussionen über eine künftige Nutzung oder einen Abriss flammten immer wieder auf und verschwanden in der Versenkung. Berlin hatte andere Probleme.
Erst im Jahre 2014 kommt Bewegung in die Diskussion. Die Grün Berlin GmbH übernimmt den Spreepark und entwickelt verschiedene Ideen. Von einer reinen Parklandschaft über eine sanfte Nutzung bis hin zu abstrakten Kunstinstallationen reichen die Vorschläge. Das Gelände wird mit Bauzäunen versehen, um den illegalen Zugang zu verwehren. Ansonsten passiert nichts.
Öffentliche Führungen und Corona
Der Lost Place bleibt, doch ab 2016 finden öffentliche Führungen statt. „Spree Art Walk“ werden sie genannt. Interessierte können sich aus der Nähe anschauen, wie sich die Natur die Areale rund um die einstigen Fahrgeschäfte zurückerobert hat. Über allem thront das Riesenrad als Mahnmal einer vergangen Zeit. Es soll wieder in Betrieb gehenDoch jetzt lähmt die Coronazeit das Vorankommen.
Der Spreepark verschwindet aus der öffentlichen Wahrnehmung. Junge Menschen kennen ihn nur vom Hörensagen oder gar nicht. Zwei Jahrzehnte Stillstand waren einfach zu lang. Ein Neustart wurde immer wieder verschoben. Nun soll es 2027 so weit sein. Ein Vierteljahrhundert nach der Schließung.
2021 wird das Eierhäuschen wiedereröffnet
Seit dem Jahre 1892 gibt es auf dem Areal des Spreeparks ein Ausflugslokal, das bis zur Wende geöffnet hatte und sich über Jahrzehnte bei Einheimischen und Gästen etablierte: Das Eierhäuschen. Auch dieses historische Gebäude war dem Verfall preisgegeben. Über viele Jahre war es, umschlossen von einem Bauzaun, sich selbst überlassen.

In der DDR war das Eierhäuschen immer voll. Wenn das Wetter schön war, bekamen Gäste nur nach längerem Anstehen einen Platz. Üblich war es auch, Gäste an unterschiedlichen Tischen zu platzieren. Das galt im Übrigen nicht nur für das Eierhäuschen, sondern allgemein für die DDR-Gastronomie.
Seit 2015 gab es Planungen für eine Sanierung. Ab 2021 ist es als einzige Attraktion auf dem Gelände des Spielparks wieder eröffnet. In den Sommermonaten kannst du dich im Biergarten bewirten lassen. Für Kinder gibt es einen Spielplatz. Im Gebäude arbeiten Künstler und Freischaffende.
Neubeginn im Zeichen der Kunst
Derzeit befindet sich Areal des Spreeparks im Umbau. Führungen sollen ab dem zweiten Quartal des Jahres 2026 möglich sein. Ein Termin für die Eröffnung ist der offiziellen Seite des Spreeparks zu entnehmen: Frühjahr 2027. Und was kannst du dort künftig erleben?
Nicht nur ich habe mit gewünscht, dass die Fahrgeschäfte, die es vor Ort noch gibt, wiederbelebt werden. Doch mit Ausnahme des Riesenrades ist eine Inbetriebnahme weiterer Attraktionen nicht geplant.
Das Konzept für den Spreepark der Zukunft berücksichtigt den vielfachen Wunsch aus der Beteiligung, die Historie des Parks mit seinen alten Fahrgeschäften zu erhalten und neu zu denken. So wird sich das alte sanierte Riesenrad nachhaltig transformiert wieder drehen, jedoch kein neuer Vergnügungspark entstehen. Andere Relikte wie zum Beispiel die Werkhalle oder auch die Mero-Halle werden zu Veranstaltungsorten umfunktioniert.
Quelle: https://www.spreepark.berlin/service-infos/faq/
Von außen war zu sehen, dass der Spreeblitz und die Tassenbahn noch existieren. Für den Spreeblitz gibt es keine Ideen. Die Tassenbahn könnte nach einer Vision der Betreiber zu einem Café umgestaltet werden. Es ist schade, dass sich die ursprüngliche Nutzung als Freizeitpark in dem neuen Konzept nur in Form des Riesenrades wiederfindet.
Was genau ist das Konzept?
Auf illustrierten Zukunftsbildern der Spreepark-Homepage siehst du Familien in einem Park mit Sitzgelegenheiten, festen Bauten und Spielgeräten. Sicher ist, dass sich das Riesenrad, so wie einst, über einem Wasserbecken drehen wird. Von einem Naherholungsgebiet wird gesprochen. Künstler und Veranstalter finden im Spreepark eine Wirkungsstätte.
Mit dem neuen Spreepark gewinnt Berlin einen grünen Freiraum für alle Bürger*innen zurück, der Kultur, Kunst und Natur mit der Historie des Areals zusammenführt.
Quelle: https://www.spreepark.berlin
Auf einer Karte sind neben dem Riesenrad bislang folgende Einrichtungen geplant. Verglichen mit der Nutzung zu DDR-Zeiten, bleibt nur das Riesenrad erhalten
- Cinema 2000: 180-Grad-Kino → Kunst- und Veranstaltungshalle
- Riesenrad über dem Wasserbecken → bleibt bestehen
- Mero-Halle: Spezialitätenrestaurant → Kunst- und Kulturraum für Akteure und Künstler
- Englisches Dorf: Geisterschreck, Spiegelkabinett → Innovative Event-Location
- Werkhalle: Reparatur der Schwäne der Wildwasserbahn → Veranstaltungen, Präsentationen und Ausstellungen
- Eierhäuschen: Gastronomie → bleibt bestehen und wird um Ausstellungsräume erweitert
Ein Schiffsanleger ist ebenfalls geplant. Er soll Gästen die Möglichkeit geben, den Spreepark über den Wasserweg zu erreichen. Parkplätze gibt es nicht. In der Anfahrtsbeschreibung ist zu lesen, dass der Park mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen ist.
Ein Künstlerdorf mit Riesenrad
Das ist meine individuelle Umschreibung für den Spreepark der Zukunft. Das Konzept ist sicher durchdacht, und es vermag erfolgversprechend sein. Freischaffende aus aller Welt finden im multikulturellen Berlin einen Ort zum Leben und Arbeiten. Im Spreepark entsteht eine neue Wirkungsstätte. Nur entspricht diese Planung nicht dem oben zitierten „vielfachen Wunsch aus der Beteiligung, die Historie des Parks mit seinen alten Fahrgeschäften zu erhalten.“
Kunst verbinde ich mit Ruhe, mit guten Gesprächen und mit einem Platz zum Arbeiten, der Kreativität und individuelle Entfaltung erlaubt. Ein ruhiges Riesenrad passt in das Konzept. Eine donnernde Achterbahn oder eine Wildwasserbahn mit kreischenden Insassen eher nicht.
Nicht das Konzept ist falsch, sondern die Umschreibung. Der ursprünglichen Nutzung wird in einer Umgebung für Kunst, Kultur und kulinarischen Genuss in keinem Fall Rechnung getragen. Das Gegenteil ist der Fall: Ruhe, Entspannung und Wertschöpfung sollen künftig im Spreepark zu Hause sein. Der Freizeitpark war bis 2002 aber ein lauter Ort, der Action und Ablenkung brachte. Er war das ganze Gegenteil. Und deshalb überzeugt das geplante Konzept mich persönlich leider gar nicht.
Vom lauten Freizeitspaß zum leisen Kulturpark – ein Fazit
Eine gute Nachricht ist, dass der Zugang zum Spreepark nach einem Vierteljahrhundert des Verfalls wieder möglich sein wird. Wir werden nach der Neueröffnung auf jeden Fall hinfahren und schauen, welche Erinnerungen zu uns zurückkommen. Ein nostalgischer Spaziergang, sozusagen. Doch wir hätten uns gewünscht, dass Berlin wieder einen Freizeitpark bekommt. Nach derzeitiger Planung bleibt das Riesenrad die einzige Attraktion. Warum ist es nicht möglich, den legendären Spreeblitz, die Tassenbahn und die Wildwasserbahn wieder in Betrieb zu nehmen? Und unter dem Riesenrad Schwanenboote zu installieren, als kleine Erinnerung an die 1990er-Jahre?

Wir möchten in der Tassenbahn kein Kaffee trinken und die Wildwasserbahn nicht zu Fuß ablaufen. Es wird ein Park entstehen, wie er für das Berlin des 21. Jahrhunderts typisch ist: Kaffee trinken, spazieren gehen, die Natur genießen. Eine Runde mit dem Riesenrad fahren. Spielplätze soll es geben. Doch der Fokus liegt auf der Kunst und verschiedenen Veranstaltungskonzepten. Okay, für viele mag das ein Konzept sein, dass sie nutzen möchten. Wir haben Naherholung vor der Haustür, dazu müssen wir nicht nach Berlin fahren.
Es ist schade um ein Stück Kindheit und Jugend
Berlin hat den Verfall den Spreeparks zugelassen. Um ein Stück Kindheit und Jugend aller, die in der DDR geboren wurden, ist es schade. Nicht nur die Konkurrenz durch Heidepark und Hansapark war Schuld an dem Aus. Auch fehlende Parkplätze und der lange Fußweg durch den Wald hat die Besucher abgeschreckt. In der DDR hatte nicht jeder ein Auto, wir waren es eher gewohnt, zu Fuß zu gehen. Norbert Witte bringt es im Interview auf den Punkt: Heute möchten die Menschen am liebsten mit dem Auto in die Achterbahn fahren.
Für uns war der Plänterwald ein Stück Kindheit und Jugend, das, wie so vieles aus unserem Leben in der DDR, verschwand. Vielleicht folgen ja doch noch weitere Ideen, die an den Ursprung des „Kulturparks Plänterwald“ anknüpfen. Es wäre einfach nur schön.


ISSN 3053-6731
HB 2026-09





