Havelregion entdecken II: Berlin und Potsdam
Die Havel fließt über viele Kilometer durch nahezu unberührte Landschaften. In diesem Artikel lernst du eine andere Havel kennen: Der Fluss streift Berlin, dann fließt er durch Potsdam. Dort grenzt die Stadtmitte direkt an die Havel. Einst wurden die Städte am Fluss gegründet, weil er eine wichtige Lebensgrundlage bot. Zum zweiten Geburtstag des Havelblogs zeige ich dir, wo es in den beiden größten Städten an der Havel am Schönsten ist. Du möchtest die Havelregion entdecken? Dies ist mit dem Boot, mit dem dem Rad oder bei langen Spaziergängen möglich.

Berlin: Mündung der Spree in die Havel
Viele Menschen bringen Berlin eher mit der Spree in Verbindung, als mit der Havel. Das ist auch richtig: Die Spree fließt durch das Zentrum der Hauptstadt. Die Museumsinsel und der Bereich, in der sich heute das Berliner Schloss und das Nikolaiviertel befinden, bildeten einst den Ursprung von Berlin. Links und rechts der Spree entstanden die Orte Berlin und Cölln, die sich später zur Doppelstadt vereinten.
Im Stadtteil Spandau mündet die Spree in die Havel. Möchtest du die Berliner Havel kennenlernen, musst du in die westlichen Stadtteile fahren: Die Havel fließt durch Spandau, vorbei an Gatow und Kladow, durch den Großen Wannsee in den Jungfernsee. Dieser gehört zu Potsdam.

Die Spandauer Havel
Im Berliner Stadtteil Spandau kannst du auf einer Promenade an der Havel spazieren gehen. Es gibt viele Sitzgelegenheiten. Die Havel ist in diesem Bereich stark befahren: Die Berufsschifffahrt und Freizeitkapitäne teilen sich die Strecke. Es ist nicht wirklich ruhig, aber sehr interessant. Wenige Schritte von der Promenade entfernt, erreichst du die Spandauer Altstadt, die mit ihren historischen Gassen einen Spaziergang wert ist.

Die berühmte Zitadelle mit dem Juliusturm liegt ebenfalls in der Havel. Du kannst die Insel Eiswerder besuchen oder den Tegeler See umrunden. Das Ufer ist leider überwiegend in privater Hand: Es gibt nur wenige Stellen, an denen du frei ans Wasser gelangen kannst. Zum Baden ist der See gut geeignet. In der Spandauer Havel ist es weniger empfehlenswert: Das Wasser ist aufgrund der stark frequentierten Schifffahrt nicht so sauber, und es kann gefährlich werden.

Über die Spandauer Promenade führt der Havelradweg, der Berlin nördlich in Richtung Hennigsdorf und Oranienburg verlässt. Dort trifft er auf den Berliner Mauerweg, denn Spandau gehörte während der Teilung zu West-Berlin. Du überquerst die einstige Grenze, die sich durch Nieder-Neuendorf und Hennigsdorf zog.
Gatow und Kladow
Drei Ortschaften säumen die Havel zwischen Berlin und Potsdam. Einst waren die Dörfer unabhängig: Heute sind Gatow und Kladow Ortsteile von Berlin. Sacrow gehört zu Potsdam. Am besten entdeckst du diesen Abschnitt mit dem Fahrrad: Der Havelradweg ist sehr gut ausgebaut und verläuft in großen Teilen am Ufer entlang. Spaziergänge sind natürlich ebenso ein Genuss.

Im Vergleich mit dem Havelufer in Spandau ist es hier sehr viel idyllischer. Die Struktur der Dörfer Gatow und Kladow, die im Jahre 1922 eingemeindet wurden, erkennst du bis heute. An der Havel gibt es protzige Villen an privaten Wassergrundstücken, aber auch Bereiche, die frei zugänglich sind.
Der Fähranleger in Kladow
Etwas lebendiger ist es in Kladow. Hier fährt eine nach Wannsee. Sie quert den Großen Wannsee und wird gern von Ausflüglern genutzt. Du kannst sie mit einem Deutschlandticket oder einer VBB-Fahrkarte nutzen.

Am Anleger in Kladow gibt es mehrere Sommergärten, die an schönen Tagen gut besucht sind. Du kannst das Treiben an den Anlegern beobachten und dich mit wirklich leckeren Kleinigkeiten verwöhnen lassen. Die Berliner Currywurst oder eine Erbsensuppe schmecken immer. Restaurants gibt es natürlich auch, unter anderem mit italienischer Küche.

Wenn du die Havel flussabwärts fährst oder mit dem Rad dem Havelradweg weiter folgst, kommst du in die kleine Ortschaft Sacrow. Auch hier triffst du auf den Mauerweg, denn du verlässt Berlin und befindest dich in einem Ortsteil der Landeshauptstadt Potsdam.
Mit dem Boot wählen wir gern die Route über den Kleinen Wannsee und den Griebnitzsee. Die Hauptstrecke nach Potsdam führt über die Havel und den Großen Wannsee. Er ist durch das Strandbad und den Evergreen von Cornelia Froboess weithin bekannt.
Wannsee
Wannsee ist ein Ortsteil der Hauptstadt Berlin, der direkt an Potsdam grenzt. Seinen Namen erhielt er von dem gleichnamigen See: Dieser teilt sich in den Großen und den Kleinen Wannsee. Beide kannst du mit einem Boot befahren: Beim Kleinen Wannsee solltest du auf die Wassertiefen achten. Mit größeren Yachten kann das Wasser unter dem Kiel bedenklich flach werden. Am Ufer reihen sich eindrucksvolle Villen in allerbester Lage aneinander. Mit dem Fahrrad oder zu Fuß ist dieser Uferbereich nicht zu erkunden, weil nahezu alle Wassergrundstücke in privater Hand sind.

Fahrt durch den Griebnitzkanal
Der Kleine Wannsee mündet in den Stölpchensee. Über den Griebnitzkanal gelangst du in den Griebnitzsee. Der Kanal ist so schmal, dass du ihn nur zur halben oder vollen Stunde in jeweils eine Richtung befahren darfst. Eine Ausnahme gilt für sehr kleine Boote. Daran solltest du dich halten, denn hier fahren Ausflugsschiffe, die den gesamten Kanal für sich beanspruchen. Das Warten auf einem der beiden Seen hat seinen Reiz: Genieße diese kleine Auszeit.



Vom Griebnitzsee zweigt der Teltowkanal ab: Er war zur Zeit der Teilung Sperrgebiet. Da er recht schmal war, gab es immer wieder Versuche von DDR-Bürgern, ihn zu durchschwimmen, um nach West-Berlin zu gelangen. Nicht wenige verloren ihr Leben.

Eine Alternative zum SUP oder dem eigenen Boot ist die Fahrt mit einem Ausflugsschiff: Die Dampfer, wie wir sie traditionell immer noch nennen, legen unterhalb des Bahnhofs Wannsee ab. Eine Reservierung von Tickets ist nicht erforderlich: Du kannst bei Antritt der Fahrt an Board bezahlen.

Der Große Wannsee mit seinem mondänen Strandbad
Das Strandbad im gleichnamigen Berliner Stadtteil versprüht auch heute noch den Charme des 19. Jahrhunderts. Auch wenn der Eintritt nicht günstig ist und das Bad auch an heißen Tagen zeitig schließt: Einmal solltest du es besucht haben, um den mondänen Teil der Havel kennenzulernen. Sie durchfließt den Großen Wannsee.
Du kannst mit dem Auto zum Strandbad fahren, es gibt ausreichend Parkplätze vor dem Eingang, sodass du auch an heißen Tagen keine Probleme hast, es sicher abzustellen. Die Anfahrt mit dem Fahrrad ist ebenfalls möglich.

Vom Boot kannst du das Strandbad Wannsee nur aus der Ferne sehen. Einen Anleger gibt es nicht. Von Kladow aus musst du auf den Großen Wannsee fahren, um einen Blick auf das Bad zu werfen. Aber Vorsicht: In diesem Bereich sind sehr viele Segler unterwegs. Sie haben Vorfahrt, was sie leider sehr gern ausnutzen.
Vorbei an der Pfaueninsel nach Sacrow
Verlässt du Kladow auf dem Havelarm Richtung Potsdam, kommst du an der Pfaueninsel vorbei. Im 17. Jahrhundert hieß die Insel Kaninchenwerder: Der Große Kurfürst ließt dort eine Freilandzucht für seine gute Küche aufbauen. Ende des 18. Jahrhunderts errichtete sein Ur-Ur-Enkel auf der Insel ein Schloss für seine Geliebte und siedelte dort Pfauen und andere exotische Tiere an. Diese wurden im 19. Jahrhundert in eine Parkanlage in Charlottenburg umgesiedelt und begründeten den Berliner Zoo.

Potsdam: Von Sacrow zum Templiner See
Zwischen Kladow und Sacrow war das Grenzgebiet West-Berlin – Potsdam. Mit dem Rad fährst du eine Etappe des Berliner Mauerwegs. Die Strecke führt durch die Parkanlage Sacrow, dann über Krampnitz nach Potsdam. Dort kannst du auf der anderen Seite der Havel durch den Neuen Garten in die Innenstadt fahren.
Bei Einheimischen und Ausflüglern beliebt sind die Alte und die Neue Fahrt: Hier trifft die Havel auf das Potsdamer Zentrum. Über den Templiner See verlässt du die Landeshauptstadt.
Sacrow: Heilandskirche, Schloss und Parkanlage
Sacrow hat mit seiner Heilandskirche, dem Schloss und dem schönen Park einige Sehenswürdigkeiten, die direkt an der Havel gelegen sind. Die Heilandskirche lag einst im Sperrgebiet: Sie war stark verfallen und wurde nach der Wende restauriert. Einen schönen Blick auf die Kirche hast du vom Wasser aus. Wenn du zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs bist, kannst du die Kirche besichtigen. Einen Anleger für Boote gibt es nicht.

In der Parkanlage steht das Sacrower Schloss. Du kannst auf Bänken oder auf den Wiesen auf das Wasser schauen oder eine 1000 Jahre alte Eiche bewundern

Glienicker Brücke
Die Glienicker Brücke war im Kalten Krieg Grenzgebiet und Sperrzone: Hier grenzte West-Berlin an den DDR-Bezirk Potsdam. Sie hat durch den Austausch von Agenten historische Bedeutung erlangt.
Heute kannst du sie mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß überqueren. Kommst du von Berlin, blickst du rechts auf den Jungfernsee. Links siehst du die Glienicker Lake.

Wir kommen von Wannsee und verlassen Berlin mit der Durchquerung der Glienicker Brücke. Am Ende des Videos siehst du das Babelsberger Schloss. Es ist eins von drei Schlössern, die gern als „Perlenkette an der Havel“ bezeichnet werden.
Jungfernsee und Tiefer See
Du befindest dich in der schönsten Ecke der Brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam. Ruhe findest du hier nicht, dafür aber die Parks und Schlösser der preußischen Könige.
Der Babelsberger Park mit dem gleichnamigen Schloss und der Neue Garten, in dem Schloss Cecilienhof und das Marmorpalais gebaut wurden, sind bei Potsdamern und den Gästen der Stadt sehr beliebt. Du kannst am ehemaligen Schiffsanleger des Marmorpalais über den Heiligen See schauen oder den Blick von der Anhöhe des Babelsberger Parks bis zur Glienicker Brücke genießen.

Die Perlenkette an der Havel
Drei Schlösser säumen diesen Bereich: Sie werden als „Perlenkette an der Havel“ bezeichnet. Kaiser Wilhelm I. und sein jüngerer Bruder, Prinz Carl von Preußen, ließen am Ufer der Havel das Babelsberger Schloss und das Schloss Glienicke errichten. Der Park verband die beiden Schlösser miteinander.
Dazwischen liegt das Jagdschloss Glienicke, das im 17. Jahrhundert für den Großen Kurfürsten erbaut wurde. Prinz Carl kaufte es, um die Lücke zwischen seinem Schloss und dem seines Bruders zu schließen. Die Schlösser reihen sich wie eine Kette entlang der Havel auf, was ihnen den Namen gab.
Vom Wasser aus betrachtet, ist die „Perlenkette“ bist heute erhalten. An Land trennen Straßen den Babelsberger Park vom Schlosspark Glienicke. Während des Kalten Krieges zog sich die Mauer die einst zusammenhängende Anlage.



Berliner Straße und Hans-Otto-Theater
Die Berliner Straße führt von der Potsdamer Innenstadt zur Glienicker Brücke. Einst endete sie im Nirgendwo. Die schönen Villen waren in den Händen von Mitarbeitern der Staatssicherheit.
Heute hat die Straße mit ihren Bauten aus dem 19. Jahrhundert ihren Charme zurückerhalten. Stadtauswärts liegen die Grundstücke auf der rechten Seite am Ufer des Tiefen Sees. Ein sicherer Fahrradweg führt dich durch die Straße. Vom Wasser aus kannst du die Villen in einiger Entfernung sehen.

In den letzten 50 Jahren ist das Hans-Otto-Theater dreimal umgezogen. Zur DDR-Zeit befand sich die Spielstätte in der Zimmerstraße. Dann sollte sie am Alten Markt in Potsdam neu errichtet werden. Doch der Rohbau wurde nach der Wende abgerissen. Eine Zeitlang gab es dort ein Interims-Theater.
Im Neubau an der Schiffbauergasse hat das Hans-Otto-Theater seit 2006 eine neue Heimat gefunden. Der Bau an der Grenze des Tiefen Sees zur Alten Fahrt ist an die Optik des berühmten Opernhauses in Sydney angelehnt. Ob es dir gefällt, musst du selbst entscheiden. Der größte Unterschied ist wohl, dass das Potsdamer Theater kein eigenes Musikensemble hat. Opern werden vom Cottbuser Theaterensemble aufgeführt, das in Potsdam Gastspiele gibt.

Alte und Neue Fahrt
Alte und Neue Fahrt sind Bezeichnungen für zwei Arme der Havel, die die Freundschaftsinsel umschließen. Die Neue Fahrt ist stark befahren: Von Ausflugsschiffen, der Berufsschifffahrt und von Freizeitkapitänen. Für uns ist das Durchfahren dieser Enge eine Herausforderung, wenn uns ein Schubverband oder die große „Sanssouci“ entgegen kommt.


Die Alte Fahrt ist für motorisierte Boote gesperrt. Du kannst sie mit einem SUP-Board oder einem Ruderboot durchqueren. Die Freundschaftsinsel und der gegenüberliegende Bereich hinter dem Museum Barberini sind ein beliebtes Ausflugsziel. Hier hörst du die Stadt pulsieren, findest aber dennoch Ruhe und Erholung am Wasser.

Alte und Neue Fahrt fließen vor dem Hotel Mercure zusammen. Dort befindet sich der Anleger für die Ausflugsschiffe und du hast einen herrlichen Blick auf das Potsdamer Stadtschloss und die Nikolaikirche.



Templiner See – hier verlässt du Potsdam
Der Templiner See verbindet die Stadtgrenze von Potsdam mit der Gemeinde Schwielowsee. Hier lässt du die Stadt hinter dir.

Der Templiner See ist recht stark befahren: Dennoch kannst du im Sommer baden gehen. Empfehlenswert ist das Strandbad Templin, das du mit dem Auto oder dem Fahrrad sehr gut erreichen kannst.
Ein Fahrradweg rund um den Schwielowsee und den Templiner See führt durch die kleinen Orte Ferch und Caputh. Hier ließen sich einst Künstler nieder. Auch Albert Einstein hatte dort ein Sommerhaus. Es ist heute ein Museum.

Der See ist sehr groß: Mit ihm beginnt eine Seenkette, die von der Havel durchflossen wird. Schwielowsee, Großer Zernsee und Trebelsee sind Namen, die du kennst, wenn du zwischen Potsdam und Brandenburg auf der Havel unterwegs bist.

Die Havel fließt weiter nach Brandenburg
Die Havel schlängelt sich weiter durch die Landschaft. Bis zur Stadt Brandenburg an der Havel durchzieht sie eine idyllische Auenlandschaft. Sie bildet den Kontrast zu dem Abschnitt zwischen Berlin und Potsdam. Ich beschreibe die ruhigen Ufer der Havel im dritten Teil meiner Liebeserklärung an die Havelregion. Jedes Jahr, zum Geburtstag des Havelblogs am 24. März, kommt ein neuer Artikel dazu.


Fotos © jette