Terrassenrestaurant Minsk – gestern und heute

Terrassenrestaurant Minsk – gestern und heute

Das Minsk war in der DDR ein Terrassenrestaurant, in dem Küche aus der Sowjetunion und Weißrussland serviert wurde. Heute ist es ein Kulturzentrum, das moderne Zeitgenössische Kunst mit der DDR-Vergangenheit verbindet. Seit der Eröffnung im Jahre 2022 hat sich das Konzept bewährt. Der Potsdamer Mäzen Hasso Plattner bewahrte das verfallene Gebäude von seinem Abriss. Nicht nur ich bin seiner Stiftung sehr dankbar dafür: Viele Potsdamer haben sich gewünscht, dass das Gebäude erhalten bleibt. Heute thront es in neuem Glanz in seiner besonderen Architektur am Hang des Brauhausberges und erzählt eine besondere Geschichte, die in den 1970er-Jahren begann.

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Das „Minsk“ mit der Terrasse, die dir einen herrlichen Blick über Potsdam schenkt, und dem traditionellen Springbrunnen

Das Wichtigste in Kürze:

  • Seit September 2022 ist das ehemalige Terassenrestaurant ein Kunsthaus
  • Aktuelle Ausstellung: Oscar Murillo. Kollektive Osmose
  • Ausstellungzeitraum: 14.03.2026. – 09.08.2026
  • Tickets können hier erworben werden
  • Öffnungszeiten: Mi-Mo von 10 bis 19 Uhr. Dienstags geschlossen

Das Minsk – Kulturzentrum für Zeitgenössische Kunst

Das Minsk hat meine Kindheit und Jugend begleitet wie kein anderes Restaurant. Meine Eltern sind gern essen gegangen. An besonderen Tagen, etwa wenn die Verwandtschaft aus West-Berlin kam, bestellte mein Vater einen Tisch im Minsk. Meine Eltern liebten die weissrussische Küche, die dort in einem sehr schönen Ambiente serviert wurde.

Tanzabende gab es dort auch: Mein Mann und ich haben uns an einem solchen in dem Restaurant verlobt und ein Jahr später zum Hochzeitsessen eingeladen. Unsere Hochzeitsbilder entstanden auf der Terrasse mit dem herrlichen Blick über die Stadt.

Der jahrelange Verfall dieses schönen Gebäudes hat mich getroffen. Doch dann übernahm die Hasso-Plattner-Stifung das Minsk, restaurierte es im ursprünglichen Stil und richtete ein Kunstmuseum ein. Seit September 2022 kannst du wechselnde Ausstellungen besuchen. Es handelt sich um Zeitgenössische Kunst, die einen Bezug zur DDR hat.

Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Das Museum möchte nach eigener Aussage eine Verbindung schaffen zwischen der Vergangenheit des Hauses und der Zeitgenössischen Kunst. In regelmäßigen Abständen werden Führungen angeboten. Im Rahmen der Sanierung gab es Veränderungen. Doch klassische Elemente wie die geschwungene Treppe und die Bar im ehemaligen Café sind erhalten geblieben. Wenn du das Minsk von früher kennst, wirst du das Ambiente der 1980er Jahre zumindest ansatzweise wiedererkennen.

Zwei bis drei Ausstellungen im Jahr

Eine Dauerausstellung gibt es im Minsk nicht. Zwei- bis dreimal im Jahr wechselt das Thema. So konntest du in der Vergangenheit Erinnerungen an die Tour des Musikers Louis Armstrong durch die DDR im Jahre 1965 anschauen. Die letzte Ausstellung erinnerte an die Plattenbauten, die in allen größeren Städten, aber auch in kleinen Orten der DDR allgegenwärtig waren. Die aktuelle Ausstellung zeigt Werke des jungen kubanischen Künstlers Oscar Murillo.

Während des Ausstellungswechsels ist das Minsk geschlossen. Die Schließung betrifft auch das Café und die geschichtlichen Führungen, in denen du die Vergangenheit des Gebäudes kennenlernen kannst. Die Homepage des Minsk informiert über die Zeiträume der Ausstellung und die Schließzeiten.

Das Minsk – ein Bauwerk aus den 1970er-Jahren der DDR

Schauen wir zurück in die Vergangenheit des Minsk, das als Terrassenrestaurant am Fuße des Brauhausberges zwischen 1971 und 1977 erbaut wurde. Die Architekten Karl-Heinz Birkholz und Wolfgang Müller entwarfen das Gebäude. Eine Besonderheit ist die Terrasse, von der du einen einzigartigen Blick über die Havel auf das Potsdamer Zentrum hattest.

Das Zentrum sah in der DDR-Zeit anders aus als heute. Elf Jahre zuvor waren die Überreste des Stadtschlosses gesprengt und abgetragen worden. Die Garnisionkirche, die gemeinsam mit der Nikolaikirche und der Heilig-Geist-Kirche den berühmte Potsdamer Kirchenblick bildete, gab es nicht mehr. Der Turm der Heilig-Geist-Kirche in der Burgstraße an der Alten Fahrt wurde während der Bauzeit des Minsk im Jahre 1974 entfernt.

Der Alte Markt war ein freier Platz, über den sich die Nikolaikirche erhob. Sie überstand den Krieg als einzige der drei Kirchen und wurde in der DDR saniert. Von den historischen Gebäuden überlebte nur noch das Alte Rathaus mit der Atlasfigur, die ich als Kind sehr spannend fand.

Es entstand eine moderne Potsdamer Mitte

Zeitgleich mit dem Minsk wurde ein Ensemble in moderner Plattenbauweise errichtet. Dort zogen das Haus für Lehrerbildung, die Stadtbibliothek und verschiedene Geschäfte ein. Dahinter entstand der Staudenhof als Wohnkomplex. Alle Gebäude sind mittlerweile abgerissen. Die Potsdamer Mitte rund um den Alten Markt wurde im Stil der Zeit Friedrichs des Großen neu gestaltet.

Von all dem wusste ich in meiner Kindheit nichts. Ich fand den Blick von der Terrasse einfach toll und freute mich, wenn wir im Minsk essen gingen und schönes Wetter war. Dann konnten wir draußen sitzen und über Potsdam schauen. Die Plätze an der Umrandung waren besonders beliebt.

Das Minsk hob sich von der typischen DDR-Architektur der 1970er-Jahre ab. Es ist ein einzigartiges Gebäude im Stil der Ostmoderne, das von den Architekten für diesen Standort entwickelt wurde. Es sollte Potsdam erhalten bleiben. Doch die Neugestaltung zog sich über Jahre hin.

Brauhausberg Ensemble aus Restaurant und Schwimmhalle

Das Minsk war Teil des sogenannten Brauhaus-Ensembles. Direkt daneben wurde im Jahre 1971 eine Schwimmhalle eröffnet. Sie fiel durch ihre eigenwillige Dachkonstruktion auf. Ähnliche Hallen entstanden in den 1970er Jahren in Dresden, Leipzig, Erfurt und Rostock. Die Schwimmhalle war für den Wettkampsport konzipiert. 1988 fanden die DDR-Meisterschaften im Schwimmen in Potsdam statt.

Schwimmhalle am Brauhausberg in Potsdam
Blick auf die Schwimmhalle am Brauhausberg kurz vor ihrem Abriss im Jahre 2018.

Erinnerung:

Die Schwimmhalle ist fest in meinen Erinnerungen verankert: Vom Schulschwimmen in der dritten Klasse über die Schwimmstufe III in Klasse 10 für die Eins auf dem Zeugnis bis zum Bahnenschwimmen, das ich im Winter bis heute regelmäßig betreibe, war die Schwimmhalle quasi meine Heimat. Bis 2017 gingen wir dort schwimmen, dann eröffnete das Blu. Mit dem neuen Bad wurde ich nie warm: Bis wir in Werder (Havel) unsere eigene Therme bekamen, fuhr ich zum Schwimmen nach Brandenburg an der Havel. Der Abriss der Schwimmhalle am Brauhausberg, die knapp zehn Jahre zuvor noch für fünf Millionen Euro saniert wurde, tat schon weh. Ebenso traurig war es, dem Verfall des Minsk zuzuschauen.


Mit seiner Eröffnung im Jahre 1977 war das Minsk in eine parkähnliche Anlage eingebettet. Sie führte vom Restaurant herab zum Leipziger Dreieck. Gegenüber befand sich der Potsdamer Stadtbahnhof. Blumenschmuck und mehrere Springbrunnen zierten den Bereich. Leider habe ich keine Bilder, aus der Zeit. Doch in meinem Kopf sind die Erinnerungen fest verankert.

Weißrussische Küche im Minsk

Das Minsk hatte den Status eines sowjetischen Folklorerestaurants. Es erfreute sich nach seiner Eröffnung schnell einer großen Beliebtheit. An den Wochenenden war es notwendig, einen Tisch zu bestellen. Es wurde weißrussisch-sowjetische Küche serviert. Erinnern kann ich mich nur noch an die Soljanka. Sie wurde als Vorspeise gereicht. Als Nachtisch stand Halbgefrorenes auf der Speisekarte. Ein Eis, dass ich heute vermisse, es wird leider nirgendwo mehr angeboten.

Terrassenrestaurant Minsk im Jahre 1988
Blick in das Innere des Restaurants. Am Wochenende fanden hier Tanzveranstaltungen statt. Das Bild wurde 1988 aufgenommen. Wir waren mit Freunden im Minsk zum Mittagessen

Deutsch-Sowjetische Freundschaft in Potsdam

Potsdam und Minsk, die Hauptstadt der damaligen Weißrussischen Sozialistischen Sowjetrepublik, unterhielten eine Partnerschaft miteinander. Im Zuge dieser Kooperation wurde das Minsk bereits zehn Jahre vor dem Bau, ab 1962, als Teil des Brauhausberg Ensembles geplant.

Im Original hatte das Minsk sowjetische Stilelemente, die auf heimische Architekten zurückzuführen sind. Einige sind bis heute erhalten. Interessante Informationen über die Geschichte des Restaurants und historische Fotos kannst du dir auf den Führungen und in einer Bildergalerie anschauen.

Das Terrassenrestaurant nach der Wende

Das Minsk war nach der Wende ein Café, das an den Erfolg des Terrassenrestaurants nicht anknüpfen konnte. Es wurde geschlossen und verfiel zunehmend. Im Jahre 2017 entstand das Foto der Terrasse, auf der mein Mann und ich einst als Brautpaar standen.

Das Terrassenrestaurant Minsk in Potsdam 2017
Nach knapp 30 Jahren ohne Sanierung war das Minsk dem Verfall preisgegeben.

Sanierung durch die Hasso-Plattner-Stiftung

Diskussionen um die Zukunft des Minsk gab es einige. Es sollte ein Kindergarten einziehen, was aber nie umgesetzt wurde. Ein Abriss stand im Raum, doch viele Potsdamer wollten das Gebäude erhalten.

Im Jahre 2019 kaufte die Hasso-Plattner-Stiftung das Grundstück. Der Mäzen, der in Potsdam unter anderem Mittel für den Wiederaufbau des Palais Barberini und des Potsdamer Stadtschlosses Mittel zur Verfügung stellte, plante, das Gebäude an das Original angelehnt sanieren zu lassen. Es sollte eine Kunsthalle entstehen, die, wie das Gebäude selbst, eng mit der Kunst und Architektur der DDR verbunden sein sollte.

Das Minsk. Kunstmuseum in Potsdam
Heute erhebt sich die Terrasse wieder in altem Glanz. Im Rahmen der Sanierung wurde das Band mit den Glasmosaikfasern, das an die belorussische Folklore erinnerte, entfernt. Das sorgte für Kritik

Kulturzentrum für Zeitgenössische Kunst

Heute hat sich das Minsk als Kulturzentrum für Zeitgenössische Kunst einen Namen gemacht. Die Ausstellungen sind gut besucht. Jüngere Menschen kommen ins Minsk, weil sie sich für die Kunst interessieren. Meine Generation, die einst in dem Terrassenrestaurant die leckere Soljanka gegessen hat, besucht das Kulturzentrum auch wegen der Erinnerung. Es ist heute anders, als damals. Aber es hat Charme, durch die Räume zu gehen und vergangene Zeiten wieder aufleben zu lassen.

Das Minsk ist sehr gut erreichbar

Du interessierst dich für die aktuelle Ausstellung oder möchtest das Minsk kennenlernen? Das Kulturzentrum liegt nur wenige Gehminuten vom Potsdamer Hauptbahnhof entfernt. Du läufst durch die neu gestaltete Mitte, die an das historische Stadtbild angelehnt ist. Von der Terrasse blickst du auch heute noch über die Potsdamer Mitte. Sie verbindet die Historie und die Moderne miteinander. Und das ist, so finde ich, sehr gut gelungen.

Schwimmbad Blu, Hauptbahnhof und Nikolaikirche in Potsdam
Blick über die neue Anlage vor dem Minsk auf den Hauptbahnhof und die Nikolaikirche am Alten Markt. Links liegt das Schwimmbad Blu, das die alte Schwimmhalle ersetzte

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HB 2023-33

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