Friedrich-Wilhelm I. – der Soldatenkönig und seine Schlösser

Friedrich-Wilhelm I. – der Soldatenkönig und seine Schlösser

Der Soldatenkönig Friedrich-Wilhelm I. stand wie kein zweiter preußischer Herrscher für Pflichtbewusstsein, Bescheidenheit und militärische Ordnung. Anders als sein Vater, machte er sich nichts aus Prunk. Zwar wahrte er Grundlagen der höfischen Etikette, doch seine Leidenschaften galten der Jagd und dem Militär. Friedrich-Wilhelm wurde in Berlin geboren. Er verlegte seinen Regierungssitz nach Potsdam und residierte im Stadtschloss. Er wollte sich vom prachtvollenund kostspieligen Hofstaat seines Vaters abgrenzen und seiner Jadgdleidenschaft gezielt nachgehen. In seine Regierungszeit fällt der Aufbau eines starken Heeres, mit dem er nur ein einziges Mal Krieg führte. Seine Residenzen in Potsdam und in Königs-Wusterhausen stehen für seine Bescheidenheit. Ich habe mich auf die Spuren des eigenwilligen Königs begeben.

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Friedrich-Wilhelm I. hielt sich am liebsten auf seinem Jagdschloss in Königs-Wusterhausen auf. Das Porträt schuf Samuel Theodor Gericke im Jahre 1713. Quelle: Wikipedia Commons, gemeinfreie digitale Kopie

Das Wichtigste in Kürze:

  • Friedrich-Wilhelm I. trug den Beinamen „Der Soldatenkönig“
  • Er stand für eine straffe Militär- und Verwaltungsorganisation
  • Der König bevorzugte große gewachsene Männer für seine Leibgarde – die „Langen Kerls“
  • Er residierte im Potsdamer Stadtschloss
  • Sein Lieblingsort war Schloss Königs-Wusterhausen
  • Das Jagdschloss Stern entstand als einziger Neubau unter seiner Herrschaft
  • Er entwickelte Potsdam zu einer bedeutenden Garnisionstadt

Wer war Friedrich Wilhelm I.?

Friedrich-Wilhelm I. wurde am 14. August 1688 als Sohn von Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg und seiner Gemahlin Sophie-Charlotte von Braunschweig-Lüneburg im Berliner Schloss geboren. Er war der zweite Sohn, sein älterer Bruder verstarb als Baby. Geschwister hatte er keine. Seinen Namen erhielt er von seinem Großvater väterlicherseits, dem Großen Kurfürsten. Aufgewachsen bei seiner Großmutter mütterlicherseits in Hannover, entwickelte er schon als Kind einen eigentümlichen Charakter. Er galt als trotzig und willensstark.

Kurzporträt: Friedrich-Wilhelm I.


Geboren: 14. August 1688 im Berliner Schloss

Gestorben: 31. Mai 1740 im Potsdamer Stadtschloss

Regierungszeit: 1713 bis 1740

Beiname: der Soldatenkönig

Vater: Friedrich I., König in Preußen

Sohn: Friedrich II., später Friedrich der Große

Friedrich-Wilhelm I. steht wie kaum ein anderer preußischer Herrscher für Disziplin, Sparsamkeit und Militär. Prunk und aufwendige Hofzeremonien lagen ihm fern. Statt in prächtige Schlossbauten investierte er vor allem in Verwaltung, Heer und den Ausbau Potsdams zur Garnisonsstadt.

Am 18. Januar 1701 krönte sich sein Vater in Königsberg zum ersten König in Preußen. Friedrich-Wilhelm wurde Kronprinz. Als er 16 Jahre alt war, verstarb seine Mutter an einer Halsentzündung. Sie galt als sehr gebildet und musisch begabt. Der Vater liebte den Prunk. Er repräsentierte gern und galt als Förderer von Wissenschaft und Architektur. Rang und Ansehen waren ihm sehr wichtig. So ist überliefert, dass sich Friedrich I. die preußische Krone selbst auf sein Haupt setzte.

Krönung Friedrichs I. in Königsberg. Gemälde von Anton Werner aus dem Jahre 1887. Quelle: Wikipedia Commons gemeinfreie digitale Kopie

Friedrich-Wilhelm wurde im Alter von zwölf Jahren der erste Kronprinz von Preußen. Sein Vater verstarb am 25. Februar 1713. Friedrich-Wilhelm trat an diesem Tag die Thronfolge an und veränderte das Reich grundlegend.

Der Sohn kehrte sich bewusst vom Vater ab

Es gibt keine eindeutige Antwort auf die Frage, warum Friedrich-Wilhelm I. so anders war, als seine Eltern. Zu den Vermutungen der Historiker gehört, dass seine Bescheidenheit in Bezug auf seine Residenzen und das höfische Leben eine Reaktion auf den Lebensstil seines Vaters gewesen sein könnte.

Friedrich-Wilhelm erlebte als Kronprinz belastete Staatsfinanzen aufgrund des ausschweifenden Lebensstils seines Vaters. Dem standen teure Feste, aufwendige Schlossbauten – wie Charlottenburg – und kostspielige Hofzeremonien gegenüber. König Friedrich I. liebte es, zu repräsentieren, und ließ sich diese Leidenschaft einiges kosten.

Hochzeit mit Sophie Dorothea von Hannover

Im Jahre 1706 heiratete Friedrich-Wilhelm, damals Kronprinz von Preußen, Sophie Dorothea aus dem Haus Hannover. Ebenso wie seine Mutter, galt seine Gattin als gebildet und interessiert an Kunst, Musik und Literatur. Aus diesem Grund war die Verbindung schwierig. Dennoch bekam das Paar 14 Kinder. Zehn erreichten das Erwachsenenalter.

Besonders eng war die Beziehung zwischen Friedrich II. und seiner Schwester Wilhelmine. Prinz Heinrich von Preußen, der jüngere Bruder des Königs, unterhielt ebenfalls eine enge Beziehung zum Hof. So hatte er eine eigene Wohnung im Seitenflügel des Neuen Palais.

Warum man ihn den Soldatenkönig nennt

Die Lebensleistung von Friedrich-Wilhelm I. bestand in der Ausrichtung des Staates am Militär. Er vergrößerte die Armee in einem erheblichen Umfang. Es ist überliefert, dass er in ganz Europa nach jungen Männern suchen ließ, die schlank und sehr groß gewachsen waren. Sie durften in seiner Leibgarde dienen. So etablierte sich der Name der „Langen Kerls“. Bist du in den Preußischen Schlössern unterwegs, kannst du sie als Souvenir kaufen.

Weitere Merkmale aus der Regierungszeit des „Soldatenkönigs“:

  • Ein großer Teil des Staatshaushaltes floss in sein Heer
  • Das Heer war der zentrale Bestandteil des preußischen Staates
  • Potsdam wurde unter ihm zur Garnisionstadt ausgebaut
  • Ein Großteil der Verwaltungsstrukturen musste sich der militärischen Disziplin unterordnen
  • Die „Langen Kerls“ waren das sichtbare Symbol seiner Regierungszeit

Interessant ist, dass der Soldatenkönig sein Heer nutzte, um seine Macht zu demonstrieren, aber es nur ein einziges Mal auf ein Schlachtfeld schickte. Friedrich-Wilhelm I. führte keine nennenswerten Kriege.

Großer Nordischer Krieg (1700 – 1721)

Die Soldaten von Friedrich-Wilhelm I. trete im Jahre 1715 gegen Schweden in den Großen Nordischen Krieg ein. Er ist in der Geschichte nicht so bekannt, weil die Feldzüge und die Eroberungen eher eine untergeordnete Bedeutung hatten. Der König eroberte Stettin und nahm Teile von Vorpommern in seinen Besitz. Damit gelang es ihm, die Stellung des preußischen Staates an der Ostsee zu festigen. Im polnischen Thronfolgekrieg (1733 – 1738) beteiligte sich das preußische Heer an kleineren Handlungen.

Mit dem Tod des Soldatenkönigs war das Heer auf 80.000 Mann angewachsen. Preußen hatte im Jahr 1740 etwa 2,2 Millionen Einwohner. Das Verhältnis zwischen der Stärke des Heeres und der Einwohnerzahl war zu dieser Zeit bedeutsam.

Die Residenzen von Friedrich-Wilhelm I.

Heute kannst du in Potsdam und Königs-Wusterhausen drei Residenzen besuchen, die mit dem Leben des Soldatenkönigs in engem Zusammenhang stehen. Seine Geschäfte führte er vom Potsdamer Stadtschloss aus. Der private Rückzugsort war das Schloss in Königs-Wusterhausen. Um seinem bevorzugten Jagdgebiet am Potsdamer Stadtrand nah sein zu können, ließ er ein kleines Jagdschloss im holländischen Stil errichten. Es ist der einzige Schlossbau, den er in Auftrag gab.

Das Potsdamer Stadtschloss

Friedrich-Wilhelms Großvater, der Große Kurfürst, ließ das Potsdamer Stadtschloss erbauen. Er war der erste Herrscher der Mark Brandenburg, der einen Teil seiner Regierungsgeschäfte von Potsdam aus leitete. Sein Sohn, König Friedrich I. in Preußen, bevorzugte Berlin und ließ das Schloss Charlottenburg umgestalten. Den Enkel zog es dauerhaft nach Potsdam.

Potsdamer Stadtschloss


Bauzeit: Ursprünge im 17. Jahrhundert, mehrfach erweitert und umgebaut

Baustil: Barock, später unter Friedrich II. mit Rokoko-Elementen

Nutzung unter Friedrich-Wilhelm I.: Bevorzugte Residenz und Regierungssitz

Besonderheit: Hier starb der Soldatenkönig am 31. Mai 1740

Heute: Rekonstruktion des historischen Schlosses, Sitz des Brandenburger Landtags

Der Soldatenkönig ließ sich im Potsdamer Stadtschloss Privatgemächer und Arbeitsräume einrichten. Die Architektur des Stadtschlosses veränderte er nicht. Auf dem Alten Markt entstanden nach seinen Vorstellungen Fachwerkhäuser, in denen Handwerker lebten. Auch das Holländische Viertel geht auf seine Initiative zurück. Er hatte als junger Mann mehrfach Zeit in Holland verbracht und war von der wirtschaftlichen Stärke, der effizienten Verwaltung und der vergleichsweise einfachen Lebensführung begeistert. Zudem war seine Großmutter Luise-Henriette von Oranien, die Gemahlin des Großen Kurfürsten, holländischer Abstammung.

Der Arbeitsplatz des Königs

Im Potsdamer Stadtschloss empfing der König seine Minister. Er traf dort politische Entscheidungen, bearbeitete seine Akten und führte die Regierungsgeschäfte. Bälle und Empfänge gab er im Schloss nicht.

Berlin blieb während der Regierungszeit der offizielle Herrschaftssitz des Königs. Er hielt sich gelegentlich im Berliner Schloss auf und besaß dort auch private Räume. Doch Potsdam bliebt während der gesamten Regierungszeit sein bevorzugter Arbeitsort.

Friedrich II. nutzte das Stadtschloss später, ebenso wie sein Vater, als bevorzugten Arbeitsort. Er war es, der dem Schloss die moderne klassizistische Optik schenkte, in der die Fassade wiederaufgebaut wurde.

Heute befindet sich der Brandenburger Landtag im Potsdamer Stadtschloss. Tagsüber ist ein Teil für die Öffentlichkeit zugänglich. Da das Innere modern gestaltet ist, findest du von Friedrich-Wilhelm I. keine Spuren mehr.

Schloss Königs Wusterhausen – der Rückzugsort des Königs

Schloss Königs-Wusterhausen war für den Soldatenkönig der wichtigste Rückzugsort. Sein Vater schenkte ihm das Schloss, als er zehn Jahre alt war. Im Jahre 1717 wurde der Ort ihm zu Ehren in Königs-Wusterhausen umbenannt.

Jedes Jahr im Herbst, in den Monaten August bis November, reiste der König mit seiner Familie in das Schloss Wusterhausen. In den umliegenden Wäldern war Jagdsaison. Er entwickelte zu dem Schloss eine enge Beziehung. Es war sein bevorzugter Rückzugsort.

Schloss Königs Wusterhausen


Bauzeit: Aus einer mittelalterlichen Burg hervorgegangen, Umbauten im 17. und 18. Jahrhundert

Baustil: Schlichte barocke Schlossanlage

Nutzung unter Friedrich-Wilhelm I.: Jagdschloss und persönlicher Rückzugsort

Besonderheit: Schauplatz der berühmten Tabakskollegien des Königs

Heute: Schlossmuseum mit original erhaltenen Räumen des Soldatenkönigs

Während seiner Regierungszeit erließ der König umfassende Reformen in der Verwaltung, der Wirtschaft und für das Militär. Diese erarbeitete er in Königs-Wusterhausen. Auch den Aufbau seiner Leibgarde hatte seine Wurzeln in Königs-Wusterhausen.

Die Einrichtung war spartanisch. Genauso bevorzugte es der König. Das Schloss trug seine Handschrift, was ein wichtiger Grund für die tiefe Verbundenheit zu Königs-Wusterhausen war. Hier entsprach alles seinem persönlichen Geschmack.

Rekonstruktion der Einrichtung

Schloss Königs-Wusterhausen wurde nach dem Tod des Königs von seinen Nachfolgern nur selten genutzt. Zeitweise verfiel es, dann wurde es umgestaltet. Während der DDR-Zeit hatte die Kreisregierung dort ihren Sitz. Bei deinem Besuch siehst du eine Einrichtung, die dem Original weitestgehend entspricht. Doch es handelt sich größtenteils um Rekonstrukturen, die allerdings sehr liebevoll und mit viel Mühe an das Original angelehnt wurden. So siehst du den Festsaal mit dem großen Tisch, an dem das Tabakskollegium abgehalten wurde. Auch die privaten Gemächer des Königspaares wurden rekonstruiert.

Ein echter Schatz sind die Ölgemälde, die Friedrich-Wilhelm in späteren Jahren selbst malte. Sie blieben erhalten. Das Schloss ist ganzjährig für einen Besuch geöffnet. Der Schlossgarten ist aufgrund der umliegenden Bebauung nur noch sehr klein. Insgesamt bekommst du einen authentischen Eindruck vom Leben, das der König auf dem Schloss führte.

Das Tabakskollegium

Um einen großen Tisch sitzen zwölf Männer. Sie trinken Bier, rauchen Pfeifentabak und tauschen sich über die Regierungsgeschäfte aus. Dabei werden auch wichtige Beschlüsse gefasst. Die Sprache ist derb, mitunter unflätig und gewöhnlich. Derartige Tabakskollegien hielt der König im Festsaal des Schlosses ab.

Das Tabakskollegium fand nahezu täglich zwischen 17 und 18 Uhr statt. Es gab keinerlei höfischen Zwang. Alle Teilnehmer waren gleich. Neben den Regierungsgeschäften handelte es sich gleichermaßen um eine gesellige Männerrunde. Hofnarren soften für die Bespaßung. Das Rauchen und Trinken waren verpflichtend.

Tabalskollegien gab es auch im Berliner Schloss. Sie waren aber deutlich steifer und hielten strenger am Protokoll fest. In Königs-Wusterhausen waren sie ausgelassen und galten als besonders gemütlich.

Jagdschloss Stern – Ausgangspunkt der Parforcejagd

Der Soldatenkönig liebte die Jagd. Er eignete sich die aus Frankreich bekannte Hetzjagd an, bei der Hirsche so lange verfolgt wurden, bis sie erschöpft zusammenbrachen. Für diese, sogenannte Parforcejagd ließ er Wege in einem Wald am Stadtrand von Potsdam anlegen. Bis heute heißt der Wald Parforceheide.

Jagdschloss Stern


Bauzeit: 1730 bis 1732

Baustil: Schlichter preußischer Barock

Nutzung unter Friedrich-Wilhelm I.: Jagdschloss in der Parforceheide

Besonderheit: Einziges Schloss, das Friedrich-Wilhelm I. für sich neu errichten ließ

Heute: Erhalten und als Museum der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten zugänglich

Am Zentrum der Weggabelung ließ er zwischen 1730 und 1732 ein Jagdschloss in holländischem Stil bauen und wählte den holländischen Baustil mit breitem Giebel, angelehnt an die Bebauung der Hansezeit.

Im Schloss gibt es einen Festsaal und mehrere kleinere Räume. Darunter befindet sich das Schlafzimmer des Königs. Er übernachtete dort, um den etwa sieben Kilometer langen Weg zum Potsdamer Stadtschloss nicht zurücklegen zu müssen.

Nach dem Tod des Soldatenkönigs wurde das Schloss nur noch gelegentlich für die Jagd genutzt. Somit hatte es nur während der Regierungszeit von Friedrich-Wilhelm II. eine wirkliche Bedeutung.

Die Garnisionkirche und der Lange Stall

In der Breiten Straße in Potsdam ist der Turm der Garnisionkirche und eine Replik vom Alten Stall wieder aufgebaut worden. Beide Bauwerke stammen aus der Regierungszeit des Soldatenkönigs.

Friedrich-Wilhelm I. war gläubiger Protestant. Durch das Wachsen seiner Armee kamen die Familien der Soldaten in die Stadt. Die Kirchen wurden zu klein. Im Jahre 1720 ließ der Soldatenkönig eine erste Garnisionkirche aus Holz errichten. Der Bau war nicht durchdacht, er geriet in Schieflage und wurde 1730 abgerissen. Im gleichen Jahr entwarf der Architekt Philipp Gerlach einen zweiten Bau, der bis zu seinem Abriss im Jahre 1968 an der heutigen Breiten Straße stand. Er wurde 1735 fertiggestellt.

Der Turm der Garnisionkirche wurde nach langen Diskussionen ab 2017 wieder aufgebaut. Über die Rekonstruktion des Kirchenschiffs ist noch keine finale Entscheidung getroffen worden.

Ein überdachter Exerzierplatz

Hinter der Kirche erstreckte sich auf einer Länge von 200 Metern der Lange Stall. Er diente unter anderem als militärischer Exerzierplatz, wenn das Wetter keine Übungen im Freien zuließ. Der Lange Stall wurde kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges im April 1945 von einer Bombe getroffen und brannte aus. Das Feuer griff auf die Garnisionkirche über, der Turm stürzte ein. Ein Wiederaufbau wäre möglich gewesen, doch die DDR-Regierung befahl den Abriss.

Der Lange Stall ist rekonstruiert. Die originale Fassade war erhalten geblieben. In dem Gebäude befinden sich Ateliers, die von Künstlern günstig gemietet werden können. Wenn du auf dem Areal spazieren gehst, bekommst du eine Vorstellung davon, wie das Ensemble von Kirche und Langem Stall zur Zeit des Soldatenkönigs ausgesehen hat.

Schloss Rheinsberg und Schloss Kossenblatt

Der Soldatenkönig kaufte Schloss Rheinsberg im Jahre 1734 von dem preußischen Hofbeamten Benjamin Chevenix de Beville. Es war in keinem guten Zustand. Er schenkte es seinem Sohn Friedrich im Jahre 1736, als dieser Kronprinz war. Dort lebte Friedrich mit seiner Gemahlin Elisabeth-Christine. Überliefert ist, dass er auf Schloss Rheinsberg seine schönsten Jahre verbrachte. Friedrich ließ das Schloss umfassend modernisieren und schenkte es nach der Thronbesteigung seinem jüngeren Bruder Prinz Heinrich. Heute ist Schloss Rheinsberg ein Museum, das du ganzjährig besichtigen kannst.

Schloss Kossenblatt ist ein eher unbekanntes Schloss in Tauche bei Nähe von Fürstenberg an der Havel. Friedrich-Wilhelm I. kaufte es und verbrachte dort hin und wieder seine Zeit. Es ist überliefert, dass er sich in fortgeschrittenem Lebensalter gern dort aufhielt und sich einer einfachen Form der Malerei zuwandte.

Wir haben das Schloss noch nicht besucht. Es ist noch erhalten, steht aber seit vielen Jahren leer. Nach den Fotos zu urteilen, passt es zum Leben des Soldatenkönigs: Es ist ein Herrenhaus in schlichtem Stil, umgeben von einem Park und viel Natur.

Der Tod Friedrich-Wilhelms und seine letzte Ruhestätte

Friedrich-Wilhelm I. verstarb am 31. Mai 1740 in seinen Privatgemächern im Potsdamer Stadtschloss. Es ist überliefert, dass er seinen nahenden Tod ahnte und seine letzten Lebenstage in einem fahrbaren Bett neben seinem offenen Sarg verbrachte. Nach seinem Tod trugen ihn seine „Langen Kerls“ in die naheliegenden Garnisionkirche, wo er bis zum Zweiten Weltkrieg seine letzte Ruhe fand. So hatte er es verfügt.

Im Jahre 1943 wurden die Särge aus Schutz vor den Bomben der Alliierten zunächst nach Wildpark-West verbracht. In einer Odyssee durch Deutschland über Thüringen und Marburg wurde der Sarg des Soldatenkönigs gemeinsam mit dem seines Sohnes Friedrich II. in die Burg Hohenzollern, dem ehemaligen Stammsitz des Adelsgeschlechts, verbracht. Dort ruhten sie in der Evangelischen Christuskapelle. Dies geschah auf die Initiative des damaligen Chefs des Hauses Hohenzollern, Prinz Louis-Ferdinand von Preußen.

Die kaiserliche Gruft an der Friedenskirche

Im Jahre 1991 erfüllte sich der Wunsch Friedrichs des Großen nach einem Begräbnis auf den Weinterrassen seines geliebten Schlosses Sanssouci. Der schlichte Holzsarg seines Vaters ist seitdem in der Kaiserlichen Gruft der Friedenskirche im Park Sanssouci aufgebahrt. Dort ruhen der Ur-Ur-Ur-Enkel Kaiser Friedrich III. und seine Gemahlin Victoria. Das Mausoleum wurde erst 150 Jahre nach dem Tod des Soldatenkönigs errichtet.

Kehrt der Soldatenkönig in die wiederaufgebaute Garnisionkirche zurück? Derzeit gibt es keine Pläne, den Sarg wieder an seine ursprüngliche Begräbnisstätte zu überführen.

Wie blieb der zweite preußische König in Erinnerung?

Friedrich-Wilhelm I. gilt in der Rezeption als ein König voller Widersprüche. Er war ausgesprochen friedliebend, begeisterte sich für die Jagd und verzichtete auf Pomp und Luxus. Seine Herrschaft war absolutistisch: Er duldete keinen Widerspruch, galt als Despot und, auf der anderen Seite, als ein Mensch, der zutiefst gläubig war.

Seine Bildung war nicht besonders ausgeprägt. Dafür hatte er ein ausgeprägtes Gespür für das Militär und, wie er selbst sagte, eine „eine ausschweifende Neigung für große Soldaten.“ Anstatt sich Mätressen zu halten, vergnügte sich der König mit seinem Tabakskollegium. Aus Furcht vor schweren Krankheiten galt er als sehr reinlich.

Friedrich der Große – ein ganz anderer Monarch

Mit dem Tod des Soldatenkönigs ging der preußische Thron an seinen Sohn, Friedrich II. Er erbte von seiner Mutter und der Großmutter den Sinn für Schöngeist und Musik. Wie sein Großvater, interessierte er sich für Architektur. Er ließ das Potsdamer Stadtschloss im klassizistischen Stil umbauen und den Bereich rund um den Alten Markt neu gestalten.

Der Soldatenkönig konnte mit den Interessen seines Sohnes überhaupt nichts anfangen. Es kam zu schweren Konflikten. Im Jahre 1730 wollte Friedrich über Frankreich nach England fliehen, um sich dem Thron zu entziehen. Er erhoffte sich Unterstützung durch seine englische Familie. Seine Mutter war eine Tochter des englischen Königs Georg I.

Die Flucht scheiterte. Friedrich wurde nach Küstrin geschickt. Dort musste er zuschauen, wie sein Freund und Helfer, der Offizier Hans-Herrmann von Katte, enthauptet wurde. Er war 18 Jahre alt und von diesem traumatischen Erlebnis ein Leben lang geprägt.

Dennoch führte er, ganz entgegen seiner Interessen, erfolgreiche Feldzüge, die ihm den Namen „der Große“ einbrachten. Zudem entwickelte er Preußen zu einer Großmacht.

Fazit

Die Person des Soldatenkönigs ist sehr ambivalent. Kaum ein anderer preußischer Herrscher prägte das Bild eines nüchternen, pflichtbewussten und militärisch geprägten Staates so stark wie Friedrich-Wilhelm I.. Er schuf ein schlagkräftiges, hervorragend ausgebildetes Heer, hielt sich aber aus Kriegshandlungen weitestgehend heraus. Prunk lehnte er ab: Meistens trug er eine einfache Uniform und er beschränkte sich in Bezug auf das Zeremoniell auf das Nötigste.

Heute erkennst du seine Bescheidenheit an seinen Schlossbauten: Er hinterließ das Schloss Königs-Wusterhausen und das Jagdschloss Stern als Bauten, die bis heute erhalten geblieben sind. Beide haben einen einfachen Charakter ohne jegliche Eleganz. Seine Residenz, das Potsdamer Stadtschloss, ist im klassizistischen Stil seines Sohnes wiederaufgebaut worden. Friedrich-Wilhelm begnügte sich mit dem Bau seines Großvaters, des Großen Kurfürsten, und nahm keine wesentlichen Veränderungen vor.

Bescheiden, aber machtbewusst

Friedrich-Wilhelm I. regierte Preußen 23 Jahre lang. Er geht als König in die Geschichte ein, der einen bescheidenen Lebensstil pflegte, die Jagd, liebte und mit höfischer Kultur nichts anfangen konnte. Er hielt lieber sein Tabakskollegium in Königs-Wusterhausen ab. Der König war uneitel, neigte zu starkem Übergewicht und legte keinen Wert auf kostbare Uniformen.

Aufgrund seines ausgeprägten Machtbewusstseins bekam er den Namen „Soldatenkönig. Sein Ziel war es, ein starkes Heer aufzubauen, das den Gegnern Angst einflößte. Dass er mit diesem Heer nur einen einzigen Krieg führte, zeigt, dass es ihm um andere Dinge ging, als um kriegerische Feldzüge. Er wollte mit seinem Heer zeigen, dass es sich nicht lohnte, Preußen anzugreifen.

Einfacher holländischer Baustil

Er bereitete seinem ungeliebten Sohn den Weg zur preußischen Großmacht und er verlieh dem lange unscheinbaren Potsdam das Prädikat „Garnisionstadt“. Der Bau der Garnisionkirche zeigt, dass ihm das Wohl seiner Soldaten am Herzen lag, während sein feinfühliger Sohn unter der militärischen Strenge litt und für sein Leben geprägt war.

Den Geist des Soldatenkönigs kannst du im Schloss Königs-Wusterhausen fühlen. Seinen bevorzugten Baustil entdeckst du, wenn du dir das Holländische Viertel in Potsdam und das Jagdschloss Stern anschaust. Seine Grabstätte im Mausoleum an der Friedenskirche kannst du leider nicht besichtigen.

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HB 2026-28

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