Jagdschloss Stern – holländische Bescheidenheit

Jagdschloss Stern – holländische Bescheidenheit

Ist das Jagdschloss Stern in Potsdam ein Schloss oder eher ein holländisches Giebelhaus im Stil der Hanse? Es vereint beides in sich: Der Soldatenkönig Friedrich-Wilhelm I. war ein begeisterter Jäger. Er entdeckte die Parforceheide am Rande von Potsdam als ideales Revier für seine Hetzjagden nach französischem Vorbild. Um die damals weiten Wege zu sparen, ließ er mitten in dem Jagdgebiet ein eher bescheidenes Domizil errichten. Es handelt sich um ein Schloss mit einem Barocksaal und mehreren kleinen Räumen, die der König bewohnte. Das Schlafzimmer soll er regelmäßig für Übernachtungen genutzt haben. Die schlichte Architektur des Schlosses und die Spuren der historischen Parforcejagd hinterlassen einen bleibenden Eindruck.

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Das Jagdschloss Stern hat sich über die Jahrhunderte erhalten und gilt als einer der kleinsten Schlossbauten der preußischen Könige.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das Schloss ist sehr gut zu Fuß, mit dem Rad, mit dem ÖPNV oder mit dem Auto zu erreichen
  • Ein Förderverein verwaltet das das kleine Areal
  • Der Zugang zu den Innenräumen ist im Rahmen von Veranstaltungen und Sonderöffnungen möglich
  • Klassische Öffnungszeiten gibt es leider nicht
  • Von außen kannst du den kleinen Schlossbau jederzeit ohne Einschränkungen besichtigen

Potsdam am Stern – ehemaliges Jagdgebiet der Kurfürsten

Das Jagdschloss Stern liegt in einem Bereich, der mir vertraut ist. Ich wusste schon als Kind, dass es eine Jagdhausstraße gibt, weil in der Nähe Freunde meiner Eltern lebten. Dennoch befand ich mich in der Lebensmitte, als ich diese geschichtsträchtige Ecke in Potsdam das erste Mal besuchte und die Puzzleteile in meinem Kopf zusammensetzte.

Wenn du über die Autobahn 115 Richtung Berlin fährst, kommst du an einer Raststätte mit dem Namen Parforceheide vorbei. Ich weiß jetzt, dass der Begriff „Parforce“ aus dem Französischen stammt und für eine Hetzjagd steht, die hoch zu Roß mit Hunden durchgeführt wurde. Das umliegende Areal war im 18. Jahrhundert von dichten Wäldern umgeben.

Eine Plattenbausiedlung im ehemaligen Jagdgebiet

Während der DDR-Zeit entstand das Wohngebiet „Am Stern“ aus typischen Plattenbauten. Obwohl die Führung mit der preußischen Vergangenheit gar nichts anfangen konnte, übernahm sie den historischen Namen. Denn Friedrich-Wilhelm I. ließ die Wege sternförmig anlegen, um der Jagd nach dem französischen Vorbild frönen zu können. Das gesamte Areal, in dem das Wohngebiet heute integriert ist, diente als Tiergarten für Preußens Könige. Zumindest für jene, die das Jagen liebten. Der Soldatenkönig gehörte definitiv dazu.

Ein Rondell mit 16 Wegen

Die Parforcejagd war ziemlich grausam. Die Jagdgesellschaft, die der König anführte, hetzte einen Hirschen so lange, bis er völlig erschöpft war und zusammenbrach. Um das Tier im Auge zu behalten, war eine gute Übersicht erforderlich. Diese gelang, indem Wege als Schneisen in den Wald geschlagen wurden. Ein Rondell im Zentrum dieses sternförmigen Weggeflechts diente als Versammlungsplatz.

Rondell vor dem Jadgschloss Stern in Potsdam
Der große Stern. Von ihm führten sechzehn Pfade in das Waldgebiet. Zwischen zwei Pfaden ließ Friedrich-Wilhelm I. sein Jagdschloss errichten

Das Rondell vor dem Jagdschloss Stern ist erhalten geblieben. Heute führen acht Pfade in alle Himmelsrichtungen. In der Mitte stand einst ein Brunnen. Eine runde Platte markiert diese Mitte, auf der die einstigen Pfade, genannt Gestelle, aufgezeichnet sind. Auf einer Platte kannst du Namen der ursprünglich sechzehn Gestelle ablesen. Mit ein wenig Fantasie bist du mitten drin, im Jagdgebiet.

Kennzeichnung der Pfade am Großen Stern, die im 17. Jahrhundert in das Jagdgebiet Parforceheide führten.
Die Pfade in die Parforceheide wurden im 18. Jahrhundert als Gestelle bezeichnet

Ein Jagdschloss im holländischen Baustil

Die Bindung der Mark Brandenburg an Holland war zur Bauzeit des Jagdschlosses Stern mehr als ein halbes Jahrhundert alt. Der große Kurfürst Friedrich Wilhelm war ab 1640 Herrscher in der Mark. Er weilte in jungen Jahren, während des Goldenen Zeitalters der Niederlande, in Holland und war von der Kultur und dem Fortschritt des Landes begeistert.

Durch seine Ehe mit Luise Henriette von Oranien-Nassau schuf er eine familiäre Bindung an das holländische Königshaus. Die Stadt Oranienburg im Norden Brandenburgs verdankt der Verbindung ihren Namen. Dass der Große Kurfürst offen war für andere Nationen, zeigt auch das Potsdamer Edikt. Es gestattete den in Frankreich verfolgten Hugenotten die Niederlassung in der Mark. So förderten holländische Fachkräfte und französische Handwerker den Fortschritt in einer Region, die bis dato eher für ihren trockenen Sand als für Innovationen bekannt war.

Die niederländische Kultur als Vorbild

Friedrich-Wilhelm I., Enkel des Großen Kurfürsten, war von den Holländern ebenso angetan. Er nahm sich der fortschrittlichen Lebensweise an und legte dem Volk in den Fragen der Religion keine Zwänge auf. Den typischen Baustil holte er mit der Errichtung des Jagdschlosses nach Potsdam. Es wurde im Jahre 1732 fertiggestellt und galt als Prototyp für das Holländische Viertel, das bis heute im Stadtzentrum von Potsdam erhalten geblieben ist..

Friedrich-Wilhelm I. war von der Architektur so begeistert, dass er es zwischen 1733 und 1742 errichten ließ, um den holländischen Einwanderern ein heimatliches Gefühl zu schenken. Die eindrucksvolle Architektur des Holländischen Viertels überlebte zwei Weltkriege und die DDR-Zeit. heute sind viele der Häuser hübsch saniert.

Blick in das Holländische Viertel im Zentrum von Potsdam. Es wurde von dem Soldatenkönig Friedrich-Wilhelm I. erbaut.

Kurze Bauzeit von zwei Jahren

Nach nur zweijähriger Bauzeit wurde das Jagdschloss Stern eingeweiht. Wenn du über die einfache Struktur verwundert bist, lohnt sich ein Ausflug zum Schloss Königs-Wusterhausen. In diesem verweilte Friedrich-Wilhelm I. recht häufig. Er legte keinen Wert, auf Prunk und Pomp. Lieber ritt er aus oder amüsierte sich auf seinen Tafelrunden. Sein ganzes Interesse galt seinem Heer. Aus ganz Europa rekrutierte er Soldaten mit hohem Wuchs und schlanker Gestalt. Sie gingen als die „Langen Kerls“ in die Geschichte von Preußen ein.

Jagdschloss Stern in Potsdam: Die Fassade ist im holländischen Stil gehalten
Giebel des Jagdschlosses Stern in holländischen Stil

In Potsdam residierte der König im Stadtschloss. Sanssouci gab es noch nicht: Es wurde erst von seinem Sohn, Friedrich dem Großen, errichtet. Somit ist das Jagdschloss Stern heute das älteste, im Original erhaltene Schloss in Potsdam.

Besichtigungen sind möglich – aber nicht immer

Wann kannst du den Ballsaal und die privaten Räume des Königs besichtigen? Leider gibt es keine klassischen Öffnungszeiten. Dies liegt daran, dass sich der Förderverein Jagdschloss Stern-Parforceheide e.V. ehrenamtlich um das Schloss kümmert.

Das Jagdschloss selbst steht unter der Verwaltung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Doch aus Gründen der Kapazität organisiert der Förderverein individuelle Sonderöffnungszeiten, die häufig auf den Wochenenden liegen. Ab und zu finden im Jagdschloss Veranstaltungen statt.

Genieße zeitgleich eine gute Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen im Kastellanhaus, das sich direkt neben dem Schloss befindet und bereits zu früherer Zeit ein Gasthaus gewesen war. Das Fachwerkhaus ist hübsch saniert und im Original erhalten.

Kastellanhaus in der Parforceheide im Potsdam
Das Kastellanhaus – ehemaliges Wirtshaus in der Parforceheide

Lasse die Umgebung auf dich wirken

Das Rondell vor dem Jagdschloss Stern und dem Kastellanhaus zieren Bänke, auf denen du die Umgebung auf dich wirken lassen kannst. Die Gegend ist mit Einfamilienhäusern bebaut, es fahren nur wenige Autos. Du hörst die Autobahn rauschen und die Stadt ebenfalls, aber dennoch hat das Areal den Hauch einer Oase.

Sollte das Schloss während deines Besuchs nicht geöffnet sein, nutze die Zeit und entdecke die Natur rund um das ehemalige Jadggebiet. Der Baumbestand ist auch heute noch gut frequentiert. So kannst du dich in eine Epoche zurückversetzen, in der sich die berittenen Herrscher mit ihrem Gefolge auf dem Rondell mit dem Brunnen in der Mitte zur Jagd trafen. Spürst du den Zeitgeist? Mir gelingt es manchmal.

Perfekter Ausgangspunkt zum Wandern und Radfahren

Heute gibt es vom Rondell acht Abzweigungen, von denen einer direkt am Jagdschloss Stern vorbei in den verbliebenen Teil der Parforceheide führt. Sie wird durch die Autobahn A115 durchschnitten und gehörte 40 Jahre lang zum Grenzgebiet zwischen Potsdam und West-Berlin. Heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänger und Radfahrer. So kannst du auch heute noch die Natur entdecken, in der die Könige einst Wild für die Hetzjagd ansiedelten.

Der große Stern in Potsdam mit den Wegen, die in die Parforceheide führen.
Das Jagdschloss Stern mit dem Kastellanhaus. Dazwischen führt ein ehemaliges Gestell in die Parforceheide

Ein originaler Backofen?

Auf dem Gelände gibt es einen historischen Backofen. Er wurde im Original wieder aufgebaut und ist in vollem Umfang funktionstüchtig. Es gibt eine Arbeitsgemeinschaft, die den Ofen mehrere Male im Jahr anheizt und Brot nach dem traditionellen Bäckerhandwerk herstellt.

Ein historischer Backofen neben dem Kastellanhaus am Großen Stern in Potsdam
Der Backofen neben dem Kastellanhaus

Drei Tipps für den Besuch des Jagdschlosses Stern

  • Informiere dich auf den Seiten des Fördervereins über die Schlossöffnungen, wenn du das Innere besichtigen möchtest
  • Plane die Anreise mit dem Fahrrad oder zu Fuß. So kannst du die herrliche Natur rund um das Schloss auf einer Radtour oder einem Spaziergang entdecken
  • Nimm dir Zeit und genieße die schöne Umgebung. Das Rondell vor dem Schloss erzählt von den Versammlungen der Jagdgesellschaft, die auf einem der 16 Gestelle in den Wald ritt, um das Wild zu erlegen.

Ein Schloss inmitten einer anderen Welt

Die unberührte Natur des ehemaligen Jadggebietes wurde ab dem jahre 1970 mit dem Bau des Wohngebietes „Am Stern“ nachhaltig zerstört. Bis 1979 entstand die Plattenbausiedlung. Ein großer Teil des Waldes musste dafür weichen. Wenn du auf einer der Bänke im Rondell verweilst, befinden sich die Zwölfgeschosser der typischen DDR-Plattenbau-Architektur in Sichtweite.

Wie an einigen anderen Stellen in Potsdam, prallen Welten aufeinander. Die Wohnblöcke haben die riesigen Naturräume, die es während der Zeit der preußischen Könige noch gab, drastisch verkleinert und der einstigen Residenzstadt ein neues Gesicht gegeben. Ich könnte mir vorstellen, dass das große Waldgebiet auch heute noch ausgesprochen attraktiv wäre. Für Spaziergänger und Erholungsuchende, aber auch für all jene, die gern auf den Spuren der Vergangenheit wandeln.

Großer Stern in Potsdam. Im Hintergrund das Jagdschloss.
Der Bereich um das Jagdschloss Stern ist ein beliebtes Ausflugsgebiet für die Potsdamer

Zum Teil ist es noch möglich, in die Vergangenheit zurückzukehren. Es bleibt die Hoffnung, dass das Areal in der Zukunft nicht noch weiter verändert wird.

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HB 2023-09

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